• 22.07.2010, 10:16:34
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Massive Wertberichtigungen stoppen das Wachstum der Direktinvestitionen

Ergebnisse der Direktinvestitionsbefragung der OeNB 2008

Wien (OTS) - "Die Wirtschaftskrise hat die österreichischen
Direktinvestoren 2008 einen zweistelligen Milliardenbetrag gekostet",
stellte der neue Direktor der OeNB-Hauptabteilung Statistik Dr.
Johannes Turner anlässlich einer gemeinsamen Pressekonferenz von
Oesterreichischer Nationalbank (OeNB) und der Handels- und
Entwicklungskonferenz der Vereinten Nationen (United Nations
Conference on Trade and Development - UNCTAD) fest. Wie die jüngste
Erhebung der OeNB zum Stand der Direktinvestitionen zeigt, waren
heimische Investoren zum Jahreswechsel 2008/09 an mehr als 4.000
Unternehmen (im Vergleich zum Vorjahr +13,8%) mit 675.000
Beschäftigten (+17,8%) im Ausland beteiligt. Trotz Nettoinvestitionen
von mehr als 20 Mrd EUR im Jahr 2008 ist der Wert der
Auslandsbeteiligungen jedoch nur um 5,7 Mrd auf 106,8 Mrd EUR
angestiegen. Kursverluste und Wertberichtigungen haben das Wachstum
deutlich eingebremst. Für ausländische Investoren in Österreich
stellte sich die Lage ähnlich ungünstig dar.

Aktive Direktinvestitionen
Deutschland - wertmäßig und im Hinblick auf die Anzahl bestehender
Beteiligungen nach wie vor die Top-Destination der österreichischen
Direktinvestitionen - stand auch 2008 im Vordergrund des Interesses
und konnte seine Spitzenposition ausbauen. 50 zusätzliche
Beteiligungen, 17.000 zusätzliche Arbeitsplätze und ein Wertzuwachs
von 1,4 Mrd EUR sind ein klarer Beleg für die wirtschaftliche
Attraktivität unseres wichtigsten Wirtschaftspartners. "Die Region
Zentral-, Ost- und Südosteuropa blieb aber weiterhin der wesentliche
Aktionsraum heimischer Investoren", betonte Dr. Turner. In der
Tschechischen Republik verzeichnet die jüngste Erhebung 42 neue
Beteiligungen mit 7.400 zusätzlichen Beschäftigten und einem
Wertzuwachs von 1 Mrd EUR. Ähnlich das Bild in Rumänien, wo mit 36
neuen Beteiligungen 8.900 zusätzliche Arbeitsplätze und ein
Wertzuwachs von 0,5 Mrd EUR geschaffen wurden.

Die meisten Arbeitsplätze bei österreichischen Auslandstöchtern
gab es 2008 in der Tschechischen Republik (81.000), in Ungarn
(80.000) und in Rumänien (69.000). Auf Platz vier liegt - als
einziges westeuropäisches Land unter den ersten zehn - Deutschland
mit 67.000 Beschäftigten. Es folgen die Ukraine mit 42.000 und die
Slowakei mit 39.000 sowie in absteigender Folge Russland, Kroatien,
Polen und Bulgarien mit jeweils mehr als 20.000 Beschäftigten.

Passive Direktinvestitionen
Das extrem schwierige wirtschaftliche Umfeld in Verbindung mit
einem massiven Gewinneinbruch hat dazu geführt, dass der Wert des
Unternehmensvermögens im Auslandsbesitz zum Stichtag 31. Dezember
2008 gegenüber dem Vorjahreswert um 3,9% auf 106,2 Mrd EUR
zurückgegangen ist. Seit der Einrichtung der
Direktinvestitionsstatistik im Jahr 1968 ist dies erst das zweite
Mal, dass ein Rückgang zu verzeichnen war. Dabei hatten die
ausländischen Geldgeber im Jahresverlauf noch etwa 6,3 Mrd EUR an
frischem Kapital zugeschossen. Die Dividendenauszahlungen des Jahres
2008 übertrafen allerdings den tatsächlich erwirtschafteten Gewinn um
2 Mrd EUR, was zu einem entsprechenden Kapitalabfluss führte.
Bewertungsverluste von über 8 Mrd EUR entsprachen mehr als 10% des
Eigenkapitals.

Gegen den negativen Trend haben sich 2008 die deutschen
Investitionen in Österreich entwickelt. Dank einer vergleichsweise
günstigen Ertragsentwicklung und Kapitalzufuhren von Investoren aus
dem Banken- und Versicherungssektor wuchs das veranlagte deutsche
Kapital 2008 um 4,1 Mrd EUR auf 32,1 Mrd EUR. Zuwächse zwischen 0,5
und 1 Mrd EUR verzeichneten auch Italien, die britischen
Jungferninseln und Belgien. Sinkende Kapitalbestände weist die
Statistik für Investoren aus Japan (-2,3 Mrd EUR), den Vereinigten
Arabischen Emiraten (-1,7 Mrd EUR), Zypern (-1,1 Mrd EUR), den
Niederlanden (-1,1 Mrd EUR) und Russland (-1 Mrd EUR) aus.

Ertragslage 2008
Noch deutlicher als in den Marktwerten der Direktinvestitionsstände
hat sich die Wirtschaftskrise in den Erträgen der
Direktinvestitionsunternehmen niedergeschlagen. Sie brachen um bis zu
40% ein und erreichten nach den Rekordwerten des Jahres 2007 nur noch
6,1 Mrd EUR (aktiv) bzw. 5,4 Mrd EUR (passiv).

Besonders stark waren die Ertragsrückgänge bei Investitionen in
Ungarn, wo der Gesamtertrag ins Minus drehte, in den EU-15-Ländern
und bei Tochterunternehmen außerhalb Europas. Merkliche
Ertragssteigerungen gab es 2008 nur in Deutschland und der
Tschechischen Republik.

Weitere statistische Informationen unter statistik.oenb.at bzw.
dieaktuellezahl.oenb.at.

Pressesprecher: Mag. Oliver Huber, Tel.: +43-1-40420-6622,
[email protected]

Rückfragehinweis:
Oesterreichische Nationalbank
Statistik Hotline
Tel.: +43-1 404 20/5555
mailto:[email protected]
www.oenb.at

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