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Wiener Zeitung: Leitartikel von Reinhard Göweil: "So ein Stress..."
Ausgabe vom 22. Juli 2010
Wien (OTS) - Die europäischen Aufsichtsbehörden haben 91 Banken
nun einem sogenannten Stresstest unterzogen. Angenommen wurde ein
wirtschaftlicher und finanzieller Schock - vergleichbar der Finanz-
und Wirtschaftskrise ab 2008. Es wurde dabei errechnet, ob die
bedeutendsten Banken Europas einen solchen erneuten Schock aushalten
würden oder ob es Zusammenbrüche geben würde.
Das Sandkastenspiel hat einen realen Hintergrund, denn die Zweifel an
der Eurozone sind nach wie vor aufrecht. Und die Banken misstrauen
einander und leihen sich deutlich weniger Geld, als notwendig wäre,
um das Geschäft anzukurbeln. Am Freitagabend wird der Test
veröffentlicht, die Aufregung ist seit Tagen groß. Werden die
griechischen Banken bestehen? Werden deutsche Landesbanken
(international tätige Sparkassen) durchfallen? Was ist mit den
spanischen Sparkassen?
Im Vorfeld erklärte praktisch jede der 16 Euro-Regierungen, dass ihre
jeweiligen Institute den Stresstest bestehen werden. Österreich ist
durch Erste Bank, RZB und die Unicredit-Tochter Bank Austria
"vertreten".
Der Stress der Regierungen ist verständlich, sie wollen allen bösen
Marktgerüchten entgegentreten. Wer durchzufallen droht, dem droht ein
Absturz des Aktienkurses beziehungsweise eine monetäre Austrocknung:
Niemand leiht einer Bank Geld, die es bei der nächsten Krise umwirft.
Allerdings haben die vielen positiven Voraus-Meldungen nun die
Finanzmärkte in Stress versetzt. Wenn ohnehin alle durchkommen, ist
der Test wohl unsinnig, meinen Banker. Abgesehen davon, dass dies
nicht der Fall sein wird, ist es ein nicht ganz schlüssiges Argument.
Wer genügend Kapital aufweist, dem wird weniger passieren.
Trotzdem ist der Schatten eines Zweifels am Stresstest eine
unangenehme Sache. Wenn "die Märkte" die Relevanz des Tests
bezweifeln, wird dieser seine Wirkung verfehlen. Denn es geht unter
anderem auch darum, dass sich die Banken untereinander wieder stärker
vertrauen. Wenn nun die Banken nicht an den Stresstest glauben, dann
wohl nur deswegen, weil sie wissen, wo und wie in den Bilanzen
getrickst werden kann. Vertrauen können die Banken aber nur dann
erreichen, wenn sie einander ebenfalls wieder vertrauen.
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