• 14.07.2010, 09:44:36
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Warum Missbrauch gerade in der Kirche so häufig vorkommt.

Wien (OTS) - Mit ihrem autoritären und geschlossenen System birgt
die Kirche in mehrfacher Hinsicht ein Risiko für Missbrauch. Vor
Beginn der Ausbildung zum Priesterberuf sollte die psychische Eignung
abgeklärt werden. Das wäre ein klares Signal in die Öffentlichkeit.
Begleitende Persönlichkeitsreflexion während der Priesterausbildung
zur Vorbereitung auf die zukünftigen Aufgaben, empfiehlt Dr. Jutta
Fiegl, Präsidentin der VÖPP, Vereinigung Österreichischer
Psychotherapeutinnen und Psychotherapeuten..

Der "Risikofaktor Missbrauch" besteht nicht nur bei Priestern,
sondern bei allen Berufsgruppen, die intensiven und langen Kontakt zu
Kindern haben, wissen Experten, die auf dem Gebiet der sexuellen
Gewalt forschen. Diese Berufsgruppen sind überdurchschnittlich
gefährdet. Wie hoch das Risiko tatsächlich ist, hängt von der
Persönlichkeit des Einzelnen und von seiner emotionalen Stabilität
ab. Mangelnde Belastbarkeit und eigene disziplinäre Probleme stellen
bereits ein Risiko dar. Wer selbst missbraucht wurde, hat einen noch
höheren Risikofaktor, zum Täter zu werden. Täter zeigen sich im
Persönlichkeitsprofil eher ängstlich im Umgang mit anderen, haben ein
negatives Bild von anderen, aber auch von sich selbst. Auffällig ist,
dass bei ihnen überwiegend ein unsicherer Bindungsstil festgestellt
werden kann.

Es ist nicht von der Hand zu weisen, dass gerade Menschen, die
emotional unsicher sind, sich vom autoritären Gefüge der Kirche, das
ihrem eigenen ähnlich ist, angezogen fühlen. In der Hoffnung, dort
den vermissten Halt und einen gewissen Schutz zu finden. Sie ordnen
sich dem Gehorsam fordernden Machtsystem unter und fordern das auch
von ihren Schützlingen, denen gegenüber nun sie in der Machtposition
sind. In einem Klima, in dem Sexualität tabuisiert wird, in dem es
nur "Richtig" oder "Falsch" gibt, in dem Abgeschlossenheit nach außen
wichtig und Gebote und Gehorsam ein hoher Wert ist, können leicht
unterdrückte Gefühle und psychische Belastungen entstehen. Das
erzeugt Druck, und Druck sucht nach Entladung. Zum Beispiel durch
Missbrauch von Abhängigen.

Es wäre sehr wichtig, vor Beginn der Ausbildung zum Priester
Eignungsgespräche zu führen in denen die psychische Eignung, die
Belastungsfähigkeit, die Motivation der Berufswahl, die persönliche
Selbsteinschätzung und die Vorstellungen über das zukünftige
Berufsbild klargestellt werden können.

Auch Sexualität und der Umgang mit ihr müssen offen thematisiert
werden: Eventuelle sexuelle Erfahrungen des zukünftigen Priesters,
deren Stellenwert für ihn und seine konkrete Vorstellung von einem
zölibatären Leben.

"Während der Ausbildung sollte Persönlichkeitsreflexion fixer
Bestandteil sein", so Dr. Jutta Fiegl, die Präsidentin VÖPP. "Gerade
weil Priester immer wieder mit Menschen in Ausnahmesituationen oder
Krisen zu tun haben, müssen sie auf diese Verantwortung vorbereitet
werden und lernen, wie sie sich abgrenzen können."

Das Ziel der begleiteten Reflexion ist, die eigene Entwicklung und
die eigenen Beziehungen zu erkennen, eigene Stärken und Schwächen,
Fähigkeiten und Grenzen auszuloten. Und auch später, in der Zeit der
Berufsausübung, kann eine regelmäßige Supervision klärend und
hilfreich sein.

Über VÖPP:

VÖPP, die Vereinigung Österreichischer Psychotherapeutinnen und
Psychotherapeuten, wurde 2009 als neue Kraft für die
Psychotherapieentwicklung in Österreich ins Leben gerufen.
Der Verband hat sich zum Ziel gesetzt, bedarfsorientiert für die
tätigen Kolleginnen und Kollegen zu arbeiten, deren Interessen zu
vertreten und dabei Bewährtes mit Neuem zu verbinden. Die VÖPP
veranstaltet Referate zu fachlichen und berufspolitischen Themen und
lädt ihre Mitglieder zum Mitgestalten ein. Neben Fort- und
Weiterbildung komplettieren Rechts- und Praxisgründungsberatung das
umfassende Mitgliederservice.

Die VÖPP ist Veranstalterin der erfolgreichen Psychotherapiemesse
"Seeliges Wien", die am 16.10.2010 zum Thema "Angst in the City"
wieder im Wiener Rathaus veranstaltet wird. www.voepp.at

Das Präsidium
Dr. Jutta Fiegl
Dr. Heinrich Bartuska
Mag. Eva Schebach
Elisabeth Töpel

Rückfragehinweis:
Für Fragen steht Ihnen Dr. Jutta Fiegl, 0664-277 57 37, gerne zur Verfügung.

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