• 06.07.2010, 10:22:06
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AK-Fall beweist, wie wichtig Einkommenstransparenz ist: 400 Euro Gehaltsunterschied flogen nur durch Zufall auf

Linz (OTS) - Die jüngste WIFO-Studie hat wieder einmal belegt:
Rund die Hälfte der Einkommensschere ist auf Diskriminierung
zurückzuführen. Wie wichtig die kürzlich erzielte Einigung zum Thema
Einkommenstransparenz ist, zeigt ein etwa zwei Jahre zurückliegender
Fall aus der AK-Gleichbehandlungsberatung - ein symptomatisches
Beispiel dafür, wie Geheimniskrämerei beim Gehalt die Benachteiligung
von Frauen fördert.

Rund 20 Prozent der Anfragen in der AK-Gleichbehandlungs-beratung
betreffen Entgeltdiskriminierung. Dieser Prozentsatz sagt aber wenig
über die realen Verhältnisse in den Betrieben aus. Denn meist wissen
die Frauen gar nicht, dass sie weniger verdienen als ihre Kollegen.

So auch in dem eingangs erwähnten Fall: Die betroffene Frau hatte
Betriebswirtschaft studiert und war in einem großen
oberösterreichischen Betrieb damit betraut, Unternehmensanalysen zu
erstellen und Akquisitionsprojekte zu analysieren. Ihr Kollege mit
nur Fachhochschulausbildung arbeitete in der Controlling-Abteilung
und war wie sie nur dem Abteilungsleiter unterstellt. Beide
arbeiteten selbstständig, die Aufgabenbereiche waren hinsichtlich der
geistigen Anforderungen und der Verantwortung vergleichbar. Deshalb
staunte die Betriebswirtin nicht schlecht, als sie zufällig erfuhr,
dass ihr Kollege um 400 Euro im Monat mehr verdiente als sie.

Mit AK-Hilfe ging sie vor das Arbeitsgericht und bekam 6800 Euro
nachbezahlt. "Solche Gerichtsverfahren sind für die Betroffenen eine
schwere Belastung. Viele wollen danach auch nicht mehr in dem
Unternehmen arbeiten", stellt AK-Präsident
Dr. Johann Kalliauer fest: "Wir erwarten uns von der betrieblichen
Einkommenstransparenz, dass sachlich nicht erklärbare
Einkommensunterschiede sichtbar gemacht und so auch ohne
Gerichtsverfahren beseitigt werden können. Das ist ein echter
Fortschritt für betroffene Arbeitnehmerinnen."

Die schrittweise Einführung, abgestuft nach Unternehmensgröße, sei
ein praktikabler Ansatz, weil damit den kleineren Unternehmen Zeit
bleibe, die Erfahrung der großen Firmen zu nutzen und Vorbereitungen
für die Umsetzung zu treffen. Dass es für Firmen, welche die
Einkommen nicht transparent machen, vorerst keine Sanktionen gibt,
ist aus Sicht der Arbeiterkammer zwar bedauerlich, aber: "Ein erster
wichtiger Schritt ist getan. Ich kann auch dem Vorschlag der
Frauenministerin, Transparenz-Sünder auf einer Art schwarzen Liste zu
veröffentlichen, etwas abgewinnen", sagt Kalliauer.

Nächste wichtige Schritte für die AK sind unter anderem die
Erstellung eines laufend aktualisierten Gehaltsrechners, der Einblick
in die branchenübliche Entlohnung in verschiedenen Berufen und
Tätigkeiten gibt, sowie die Koppelung von öffentlicher
Auftragsvergabe und Wirtschaftsförderung an betriebliche
Gleichstellungsmaßnahmen.

Rückfragehinweis:
Arbeiterkammer Oberösterreich, Kommunikation
Martina Macher
Tel.: (0732) 6906-2190
mailto:[email protected]
http://www.arbeiterkammer.com

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