- 30.06.2010, 11:41:05
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Ex-Europol-Direktor Ratzel über Organisierte Kriminalität in Österreich
Defizite bei Justiz "komplexe Fälle anklagereif durchzuermitteln"
Wien (OTS) - Das Nachrichtenmagazin NEWS veröffentlicht in seiner
am Donnerstag erscheinenden Ausgabe ein Interview mit dem
langjährigen Europol-Direktor Max-Peter Ratzel, der als einer der
führenden Experten in Sachen Organisierte Kriminalität (OK) in Europa
gilt.
Ratzel ist das Ansicht, dass Finanzermittlungen bei der Bekämpfung
der OK eine entscheidend seien. In diesem Zusammenhang spiele
Österreich "aufgrund seiner geographischen Situation" eine
"interessante Rolle". Ratzel: "Österreich ist am Bankensektor sehr
stark am Balkan und in Osteuropa engagiert. Da gab es sehr
interessante Kontoverbindungen, die zum Geldtransfer genutzt wurden."
Das Bankgeheimnis sei bei Ermittlungen dann ein Problem, "wenn es
umfassend gilt und umfassend eingehalten wird."
Zum Fall des Kasachen Rakhat Aliev, der auch im neuen Buch des
Mafia-Aufdeckers Jürgen Roth beschrieben wird, sagt Ratzel: "In
diesem Fall gibt es konkrete, millionenschwere Geldbewegeungen, in
verschiedenen Quellen ist von bis zu 100 Millionen Euro zu lesen.
Denen sollte die Justiz nachgehen, um bestehende oder frühere
Netzwerke von Organisierter Kriminalität aufzudecken."
Den Eindruck die Justiz mitunter augrund des langen Arms der OK
nicht ermittle, teilt Ratzel nicht. Aber: "Viele in der Justiz tun
sich schwer damit, international verzweigte, komplexe Fälle akribisch
durchzuermitteln und anklagereif zu gestalten."
Rückfragehinweis:
Sekretariat NEWS
Chefredaktion
Tel.: (01) 213 12 DW 1103
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