- 30.06.2010, 10:00:21
- /
- OTS0066 OTW0066
"Der analoge Klangverführer" - das Mahler-Jahr in Ö1
Wien (OTS) - Am 7. Juli jährt sich der Geburtstag des
österreichischen Komponisten Gustav Mahler zum 150., im Mai 2011 der
Sterbetag zum 100. Mal. Aus diesem Anlass präsentiert Ö1 ein ganz
besonderes Mahler-Jahr. Zu hören sind alle seine Symphonien (von Juli
2010 bis Mai 2011), weiters "Hörbilder" (3.7.), eine Gustav Mahler
Woche in "Ö1 bis zwei" (5.-9.7.) und ein "Radiokolleg" (5.-8.7.).
Ö1 widmet dem Jahresregenten Gustav Mahler Wortsendungen und viele
Konzertabende - bewusst wird dabei nicht chronologisch vorgegangen,
sondern kapitelweise nach verschiedenen Inhalten, um den vielen
Facetten Mahlers gerecht zu werden.
"Ich bin der Welt abhanden gekommen" lautet der Titel der
"Hörbilder" am 3. Juli um 9.05 Uhr. Mehr als 50 Jahre hatte die
Musikwissenschaft danach gesucht - im Jahre 2000 lag es plötzlich bei
Sotheby's zur Versteigerung: Das Autograf des Mahlerliedes "Ich bin
der Welt abhanden gekommen". Eingereicht hatte es der Wiener
Rechtsanwalt Dr. Richard Heiserer junior, der es 1957 von seinem
Vater Richard Heiserer senior geerbt hatte. Seitdem lag es in seinem
Safe. Jetzt wollte er es verkaufen. Für viel Geld. Von 500.000 Euro
war die Rede. Versteigert wurde das Autograf aber erst mal nicht. Es
kam zum Notar. Zur Verwahrung. Denn auf dem Deckblatt der Partitur
stand: "Meinem theuren Freund Guido Adler (der mir nie abhanden
kommen möge) als ein Andenken an seinen 50. Geburtstag 1905". Und
hier beginnt die verwickelte Geschichte. Wie waren die Heiserers in
den Besitz des wertvollen Manuskriptes gekommen? Welche Rolle spielte
Heiserer sen. bei der "Arisierung" der umfangreichen Bibliothek des
Begründers der österreichischen Musikwissenschaft, des jüdischen
Intellektuellen Guido Adler? Ein Feature über Enteignungen,
Verstrickungen und unbearbeitete Vergangenheit. Über die Seltsamkeit
familiärer Bande. Und nicht zuletzt ein Stück über die Musik Gustav
Mahlers.
Am 4. Juli, drei Tage vor dem Geburtstag, beginnt die Reihe
"Mahler - der analoge Klangverführer", in der einmal im Monat am
Sonntagabend (19.30 Uhr) ein Werk Mahlers im Mittelpunkt steht
(Symphonie, Liederzyklus). Den Auftakt macht Mahlers 7. Symphonie und
die Frage nach Jugendstil und Hypertrophie. Zu Gast ist der Direktor
des Theatermuseums Wien Dr. Thomas Trabitsch. Die August-Sendung
(8.8.) besucht den fahrenden Gesellen und die daraus komponierte
Erste. Am 5. September geht es um den Torso der Zehnten und um die
legendäre Alma, die ihn antrieb und beinahe vernichtet hat. Am 3.
Oktober steht die sogenannte Tragische, Mahlers Sechste Symphonie,
auf dem Programm, wo mit Hammerschlägen das Schicksal beschrieben
bzw. herausgefordert wird. Am 7. November folgt "Das Lied von der
Erde" in Aufnahmen aus über 60 Jahren. In den Monaten darauf werden
die himmlischen Freuden der Vierten zu Gehör kommen, oder die
Prometheus-Musik einer nur scheinbaren Natursymphonie, die der
Dritten (noch immer die längste Symphonie im gängigen Repertoire),
oder Selbstmord- und Auferstehungsfantasien in der Zweiten.
Die "Gustav-Mahler-Woche" steht von 5. bis 9. Juli auf dem
Programm der Reihe "Ö1 bis zwei" (13.00 Uhr). In der Woche von
Mahlers 150. Geburtstag stehen fünf Dirigenten im Zentrum von "Ö1 bis
zwei", die wesentliche und dauerhafte Beiträge zur Interpretation der
Werke Mahlers geleistet haben und noch leisten. Fünf Gestalter aus
der Ö1-Musikredaktion zeigen den Zugang dieser Dirigenten zum Werk
und zur Person Mahlers auf und ergänzen das Dirigentenporträt mit
Musik anderer Komponisten: Bruno Walter (5.7.), Leonard Bernstein
(6.7.), Riccardo Chailly (7.7.), Mariss Jansons (8.7.) und Jonathan
Nott (9.7.).
Unter dem Titel "Die Kunst, geliebt zu werden" steht Mahlers
Gattin, Alma Mahler-Werfel, im Mittelpunkt des "Radiokolleg" von 5.
bis 8. Juli jeweils ab 9.45 Uhr (Wh.: 22.40 Uhr). Wer sich dem
Phänomen Alma Mahler-Werfel nähert, gerät in Widersprüche. Als
überzeugte Antisemitin ging sie zwei Mal die Ehe mit einem Juden ein.
Sie war eine selbstbewusste und talentierte Frau. Doch ihr eigenes
Oeuvre ist spärlich. Die Männer, deren künstlerische Begabung sie
erkannte, spornte sie zu Höchstleistungen an. Gustav Mahler, Walter
Gropius, Oskar Kokoschka und Franz Werfel sind nur die bekanntesten
Kulturschaffenden, die Alma Mahler an sich band - und wieder
verstieß. Getrieben vom Lebenshunger, führte sie ein exzessives
Leben. Schonungslos gegenüber ihren Geliebten flüchtete sie sich in
die Rolle der Muse, um sich im Glanz der Künstler zu sonnen. Dennoch
wurde sie zu einer Galionsfigur für die Frauenbewegung, wurde in
einem Atemzug mit Fanny Hensel und Clara Schuhmann genannt. Die
Schriftstellerin und Filmemacherin Francoise Giroud hingegen sah in
Almas Kunst die, geliebt zu werden. Die Ö1-Sendungen zu Gustav Mahler
im Detail sind abrufbar unter http://oe1.orf.at/gustavmahler.
Rückfragehinweis:
ORF Radio Öffentlichkeitsarbeit
Isabella Henke
Tel.: (01) 501 01/18050
mailto:[email protected]
OTS-ORIGINALTEXT PRESSEAUSSENDUNG UNTER AUSSCHLIESSLICHER INHALTLICHER VERANTWORTUNG DES AUSSENDERS - WWW.OTS.AT | HOA






