• 27.06.2010, 11:11:39
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Österreich: Tierversuche geringfügig gesunken, aber keine Trendwende in Sicht

Wien (OTS) - Der dieser Tage erschienen amtlichen
Tierversuchsstatistik ist zu entnehmen, dass im Vorjahr in Österreich
207.738 Versuchstiere verbraucht wurden, was gegenüber dem Jahr 2008
eine Verringerung um 5,8 % darstellt.

Im Rahmen dieser ethisch und wissenschaftlich umstrittenen
Experimente und Tests sind nach wie vor Mäuse die am häufigsten
verwendete Tierart (169.393 neu und 28 erneut verwendete Tiere).
Ihnen folgen mit deutlichem Abstand Kaninchen (16.441), Ratten
(8.796), Meerschweinchen (3.664), Schweine (5.291) und Fische
(1.728). Aber auch Katzen, Hunde, Hamster und Amphibien bleiben nicht
verschont.

Drei Viertel der Versuchstiere (146.519) wurden für die Forschung,
Entwicklung, Herstellung und Qualitätskontrolle von Produkten und
Geräten der Human-, Zahn- und Veterinärmedizin verwendet.

Die TierversuchsgegnerInnen sind heuer erleichtert, dass endlich
wieder ein Rückgang, wenn auch nur ein geringer, zu verzeichnen ist.
"Die notwendige Trendwende in Richtung nachhaltiger Reduktion von
Tierversuchen lässt sich daraus aber nicht ableiten", erklärt Gerda
Matias, Präsidentin des Internationalen Bundes der Tierversuchsgegner
(IBT), skeptisch. "Schließlich ist die Zahl der Versuchstiere in den
vergangenen zehn Jahren kontinuierlich gestiegen: von 130.295
Versuchstieren im Jahr 1999 auf 220.456 Versuchstiere im Jahr 2008."

Weiters betonen die TierversuchsgegnerInnen, dass die amtliche
Statistik gar nicht alle in den Labors verbrauchten Tiere auflistet,
sondern - gemäß der gesetzlichen Definition der Tierversuche -
lediglich jene Experimente berücksichtigt, die am lebenden Wirbeltier
durchgeführt werden und auch mit Schmerzen, Leiden und Ängsten
verbunden sind.

Alle Experimente und Tests mit Wirbellosen (z.B.: Krebse, Hummer,
Langusten, Tintenfische), mit Tierföten und -embryonen, mit vorher
eigens getöteten Wirbeltieren (zum Zwecke der Gewinnung von Gewebe,
Zellen, Organen etc.) sowie mit lebenden Wirbeltieren, die nach der
persönlichen Einschätzung des jeweiligen Versuchsleiters keine
Schmerzen, Leiden und Ängste verursachen, gelten somit gar nicht als
Tierversuche: Sie müssen weder gemeldet oder genehmigt, noch
statistisch erfasst und veröffentlicht werden. Dies gilt auch für
Labortiere, die getötet werden, weil sie dem Versuchsziel nicht
entsprechen oder weil sie als sogenannter "Überschuss" nicht
gebraucht werden.

Vor diesem Hintergrund fordern die TierversuchsgegnerInnen, dass
alle in den Labors verwendeten Tiere statistisch erfasst werden,
damit endlich Zahlen und Fakten vorliegen, die der Realität, d.h. dem
tatsächlichen Verbrauch von Tieren zu Versuchs- und Testzwecken
entsprechen.

Zudem beanstanden die TierversuchsgegnerInnen, dass - entgegen der
Zielvorgabe der Tierversuchsstatistik-Verordnung - nach wie vor fast
drei Viertel aller Versuchstiere aus nicht kontrollierten,
registrierten Zucht- oder Liefereinrichtungen, sondern aus
sogenannten "anderen Quellen" innerhalb der EU stammen.

Die jüngste Statistik gibt preis, dass - wie schon in den Jahren
zuvor - erneut auch Tierversuche aufgrund keinerlei
Rechtsvorschriften durchgeführt wurden.

Positiv anzumerken ist, dass die Anzahl der verwendeten Tiere für
die äußerst belastenden Giftigkeitstest, die mit großen Schmerzen und
Leiden einhergehen, um 31 %, d.h. deutlich, zurückgegangen sind.

Völlig haltlos ist jedoch, dass auch 2009 weiterhin Tiere für den
Hautreizungstest eingesetzt wurden, obwohl sowohl EU-Kommission als
auch OECD Anfang 2009 eine tierversuchsfreie Prüfmethode als
vollwertigen Ersatz verabschiedet haben.

Auffallend ist, dass laut jüngster amtlicher Statistik das
Bundesministerium für Land- und Forstwirtschaft, Umwelt und
Wasserwirtschaft für das Jahr 2009 lediglich einen Verbrauch von 10
Rindern und 6 erneut verwendeten Rindern ausweist. Immerhin hatte es
in den vergangenen zehn Jahren im Durchschnitt allein 3.000 Tiere pro
Jahr gemeldet, die vorwiegend Giftigkeitstests und
Umwelt-Unbedenklichkeitsprüfungen unterzogen wurden.

Die TierversuchsgegnerInnen hoffen, dass dieser erfreuliche
Rückgang tatsächlich positiven Entwicklungen (konsequenter Einsatz
von Ersatzmethoden) zu verdanken ist und nicht bloß ein Zahlenfehler
vorliegt. Was möglich ist, da in den Statistiken immer wieder
rechnerische Unstimmigkeiten auszumachen waren. So weist etwa die
aktuelle Statistik widersprüchliche Angaben bei der Anzahl der erneut
verwendeten Tiere auf, weil das Wissenschaftsministerium die Anzahl
der ihm gemeldeten erneut verwendeten Tiere falsch summiert hat.

Link zur amtlichen Tierversuchsstatistik für das Jahr 2009:
http://tinyurl.com/26jbw8u

Rückfragehinweis:
Mag. Romana Rathmanner
Internationaler Bund der Tierversuchsgegner (IBT)
Tel.: 0676/583 67 62
E-Mail: [email protected]
Homepage: www.tierversuchsgegner.at

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