OTS0170 / 23.06.2010 / 12:23 / Channel: Wirtschaft / Aussender: Wirtschaftskammer Österreich
Stichworte: Bau / WKÖ / Wohnungsversorgung / Ältere Menschen


Zuhause ohne Barrieren alt werden

Utl.: Studie des Baugewerbes zeigt: Adaptierte Bestandswohnungen sind die kostengünstigste Wohnversorgung für ältere Menschen =


   Wien (OTS/PWK517) -    Älteren Menschen möglichst lang das Wohnen
in ihren vertrauten vier Wänden zu ermöglichen, ist
gesellschaftspolitisch wie auch volkswirtschaftlich sinnvoll. Das
zeigt eine aktuelle Studie zur Wohnversorgung für SeniorInnen, die im
Auftrag der Bundesinnung Bau entstand und im Rahmen einer
Podiumsdiskussion in Wien vorgestellt wurde.
   Wie die Untersuchung beweist, ist die Adaptierung bei
entsprechender Anreizförderung für Senioren leistbar und entlastet
zugleich spürbar das Sozialbudget. Ein Vergleich belegt die Vorteile
des altengerechten Wohnungsumbaus gegenüber den Kosten von Pflegeheim
oder Wohnungsneubau mit Betreuung. Denn diese beiden Varianten
bedeuten schon nach 5jähriger Nutzung das Vier- bis Fünffache an
Kosten, verglichen mit einem Umbau. Diverse Modelle machen deutlich,
dass sich die geförderte Adaptierung unter Berücksichtigung von
Pension, Pflegegeld, Zuschüssen und Eigenleistungen für die
SeniorInnen ebenso rentiert wie für die öffentliche Hand.
   "Wir haben diese Studie aus mehreren Gründen in Auftrag gegeben",
sagte der Bundesinnungsmeister des Baugewerbes, KR Ing. Hans-Werner
Frömmel, bei der hochkarätig besetzten Podiumsdiskussion vor mehr als
einhundert Teilnehmern. "Es explodieren die Kosten für die Versorgung
älterer Menschen in Senioren- und Pflegeheimen; wir wollen durch
bauliche Maßnahmen die Sozialverbände finanziell entlasten und den
Menschen die Möglichkeit geben, daheim statt im Heim alt zu werden."
Bei der Bestandssanierung sei insbesondere die Barrierefreiheit ein
wichtiger Punkt. Schließlich gelte es, Förderungsmodelle zu
entwickeln und steuerliche Anreize zu schaffen, so Frömmel, der als
konkreten nächsten Schritt die Einrichtung einer Arbeitsgruppe aus
Experten und politischen Entscheidungsträgern empfiehlt. 
   Baumeister Rudolf Leitner, Verfasser der Studie
("Volkswirtschaftlicher Vergleich altengerechter
Wohnversorgungssysteme") hob hervor, dass die "eigenen vier Wände"
für 95 Prozent aller Senioren die beliebteste Wohnform seien.
Andererseits geschehen 80 Prozent der Unfälle im Haushalt wegen
baulicher Barrieren. Abhilfe schaffen Umbauten und Adaptionen, die
Stufen, Schwellen und Gefahrenquellen, wie etwa unpassende
Badezimmer, beseitigen. 
   Die Umbauten sind mehrfach nützlich. "Sie nutzen bestehende
Lagevorteile der Wohnung, sparen Energie dank thermischer Sanierung
und stimulieren nicht zuletzt die Konjunktur. Die Sanierung muss
allerdings ganzheitlich und umfassend erfolgen!"
   Am Podium diskutierte eine hochkarätige Runde die Thesen der
Studie: Mag. Gertrude Aubauer, Seniorensprecherin der ÖVP, betonte,
das Ziel müsse es sein, die Pflegebedürftigkeit möglichst lang
hinauszuschieben. "Viele Menschen sollen viel länger in den eigenen
vier Wänden leben können!" Weiters seien bewusstseinsbildende
Maßnahmen erforderlich. Ihr Abgeordneten-Kollege, Christian Faul,
Seniorensprecher der SPÖ, verwies auf seine Erfahrungen im
Heimbereich der Steiermark: "Ich habe in den vergangenen 20 Jahren
die rasante Kostenentwicklung beobachtet." Seine Erfahrung spreche
eindeutig für die Barrierefreiheit durch Adaptierung.
Behindertenanwalt Dr. Erwin Buchinger betonte den integrativen
Charakter des betreuten Wohnens, einer Variante der
Senioren-Unterbringung. Er verwies auch auf die Effekte der
steigenden Lebenserwartung und auf die höheren Qualitätsansprüche der
Senioren. GD Dr. Schmidinger von den S-Bausparkassen forderte rasche
Lösungen auf der Förderungs-Seite z.B. nach dem Vorbild des
Sanierungsschecks und entsprechende Information.
   Diese will die Bundesinnung nun rasch durch flächendeckende
Spezialseminare für Baumeister als fachkundige Berater bieten. An den
österreichischen Bauakademien werden ab Herbst zusätzlich die
Grundlagen des barrierefreien Bauens, die Fördermöglichkeiten sowie
Beratungskompetenz für altersgerechtes Bauen vermittelt.
Österreichweit soll eine Plattform von kompetenten Baumeistern als
Ansprechpartner für die altersgerechte Adaptierung von Wohnungen zur
Verfügung stehen.
   Frömmel begrüßte die Idee eines Adaptierungsschecks und rechnete
abschließend vor, wie sinnvoll in volkswirtschaftlicher Hinsicht die
Mittel für das seniorengerechte Bauen verwendet werden können:
"Unzählige Gemeindewohnhäuser sind nicht altengerecht und betreubar
adaptiert, meist beziehen die Bewohner nur eine kleine Pension.
Müssen sie in ein Pflegeheim, steht einer monatlichen Eigenleistung
von 1.289 Euro (80 % der Mindestpension plus Pflegegeld) ein Zuschuss
der öffentlichen Hand von monatlich 1.741 Euro gegenüber. Die
öffentliche Hand muss somit pro Jahr 20.892 Euro aufbringen - in
diesen Fällen rechnet sich ein altengerechter Umbau mit einmaligen
Kosten von rd. 20.000 Euro pro Person schon innerhalb eines Jahres."
   Die Studie "Volkswirtschaftlicher Vergleich von altengerechten
Wohnversorgungstypen" ist auf der Homepage der WKO-Geschäftsstelle
Bau unter www.bau.or.at  als Download abrufbar. (us)
Rückfragehinweis:
   Wirtschaftskammer Österreich, Geschäftsstelle Bau
   Mag. Manfred Katzenschlager
   Tel.: (+43) 718 37 37 17, F:(+43) 718 37 37 22
   office@bau.or.at
   http://bau.or.at
	
							
												
							
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