• 17.06.2010, 10:38:29
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Ärztekammer fordert Stationsassistenten zur Entlastung von Spitalsärzten

Damit weniger Bürokratie und mehr Zeit für Patienten

Wien (OTS) - Stress, Bürokratie sowie Arbeitsüberlastung machen
immer mehr das Berufsleben eines Spitalsarztes aus. Dies ergab eine
aktuelle Wiener Spitalsärztebefragung. Demnach werden bereits 34,2
Prozent der Zeit von Spitalsärzten für administrative Tätigkeiten
aufgewendet. Die Ärztekammer fordert nun die rasche Etablierung von
so genannten Stationsassistenten aus dem nicht medizinischen Bereich,
die vieles an Bürokratie abnehmen könnten und außerdem keinen zu
großen Kostenfaktor darstellen. ****

Durchgeführt wurde die Studie vom renommierten Institut für
empirische Sozialforschung (IFES). In ihrer Grundaussage belegt die
Studie zwar eine "generelle Zufriedenheit" der Wiener Spitalsärzte.
Allerdings werden steigende physische und psychische Belastungen,
lange Arbeitszeiten, aufreibende Nachtdienste sowie
verbesserungswürdige Organisationsabläufe in den Krankenhäusern
beklagt.

Der Vizepräsident und Obmann der Kurie angestellte Ärzte der
Ärztekammer für Wien, Thomas Szekeres, räumt zwar ein, dass in Wien
vor allem in den Spitälern des Krankenanstaltenverbunds die
Arbeitszeiten und Nachtdienste weniger häufig überzogen werden.
Allerdings machten sich der Anstieg der Patientenzahlen und die
kurzen Liegezeiten stärker bemerkbar als in den meisten anderen
Bundesländern. Hinzu komme die spezifische Situation im Wiener AKH,
wo im Schnitt mehr Überstunden geleistet werden, um den Ansprüchen
von Forschung und Lehre "wenigstens zu einem Minimum" gerecht zu
werden.

Generell steige die Belastungskurven bei den Spitalsärzten, der
Verantwortungsdruck werde von vielen als subjektiv stärker als noch
vor vier beziehungsweise sieben Jahren empfunden (ähnliche
IFES-Befragungen sind in Wien bereits 2003 und 2006 durchgeführt
worden, Anm.), die Ausbildungssituation werde vor allem von
Turnusärzten als "nicht zufriedenstellend" bezeichnet, so Szekeres.

56-Stunden-Woche im Schnitt für alle Spitalsärzte

Die aktuelle Befragung hat weiters ergeben, dass Ärztinnen und
Ärzte im Schnitt 56 Stunden pro Woche und damit nahezu doppelt so
viel wie der Durchschnitt der österreichischen Bevölkerung (38
Stunden pro Woche) arbeiten. Turnusärzte arbeiten durchschnittlich
60,8 Stunden pro Woche (mit einem Spitzenwert von 78,5 Stunden),
Oberärzte 55,2 Stunden und Fachärzte 52,3 Stunden, wobei es
beträchtliche Unterschiede zwischen den einzelnen Disziplinen gibt.

Mit den Arbeitszeiten in direktem Zusammenhang steht die
zusätzliche Arbeitsverdichtung aufgrund von massiven Frequenzzunahmen
im stationären, teilstationären und ambulanten Bereich sowie im
Besonderen während der Nacht. Nachtdienste werden von den
Spitalsärzten vielfach sogar als gesundheitsgefährdend eingestuft.
Mit dem Stress in der Nacht gehen Burn-out, Selbstmordgefährdung,
Bluthochdruck sowie vermehrte Herzinfarkte einher.

Szekeres befürchtet, dass angesichts der prognostizierten
demografischen Entwicklungen der nächsten Jahre die Spitalslandschaft
auch in Wien vor einem großen Umbruch stehen könnte. "Wir werden
angesichts der Überalterung in spätestens 15 Jahren in der
Bundeshauptstadt einen eklatanten Ärztemangel haben", warnt Szekeres.
Auch werde es notwendig sein, die Bettenkapazitäten umzuschichten:
"Weniger Akutbetten, dafür mehr Pflegebetten und Investitionen in die
klinische Nachbehandlung von älteren Menschen." (hpp)

(Forts.)

Rückfragehinweis:
Ärztekammer für Wien - Pressestelle
Dr. Hans-Peter Petutschnig
Tel.: (++43-1) 51501/1223, 0664/1014222, F:51501/1289
mailto:[email protected]
http://www.aekwien.at

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