- 15.06.2010, 13:51:54
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Lebensmittelindustrie macht sich für einheitliche Nährwertkennzeichnung in der EU stark
Fordert rotes Licht für die Lebensmittel-Ampel und wissenschaftlich nachvollziehbares System auf Basis der Richtwerte für die empfohlene Tageszufuhr
Wien (OTS/PWK492) - Das Europäische Parlament entscheidet
morgen in erster Lesung über neue Anforderungen an die Kennzeichnung
von Lebensmitteln. Die österreichischen Lebensmittelhersteller
appellieren dabei an die Abgeordneten im Europäischen Parlament,
einem objektiven Nährwertsystem den Vorzug zu geben und der Ampel für
Lebensmittel eine klare Absage zu erteilen.
80 Prozent aller verpackten Lebensmittel schon heute mit
Nährwertkennzeichnung
Bereits 80 Prozent aller verpackten Lebensmittel tragen schon
heute eine umfassende Nährwertkennzeichnung. Die Tendenz ist weiter
steigend. Darüber hinaus können die Verbraucher jederzeit weitere
Nährwert- und Produktinformationen über die auf der Verpackung
angegebenen Internetseiten oder über Telefon-Hotlines direkt bei den
Herstellern abrufen.
Die österreichische Lebensmittelindustrie unterstützt daher das
Vorhaben des Europäischen Parlaments, die Nährwerte von Lebensmitteln
künftig verpflichtend auf dem Etikett zu deklarieren und auf diese
Weise den Verbrauchern zusätzliche Informationen für ihre
Kaufentscheidung an die Hand zu geben. Eine verpflichtende
Nährwertkennzeichnung sollte in der seit Jahren vertrauten Form,
nämlich in einer Tabelle und in der gelernten Reihenfolge und
Nährstoffauswahl ("Big 8"), anzubringen sein. Das bedeutet:
Brennwert, Eiweiß, Kohlenhydrate, Zucker, Fett, gesättigte
Fettsäuren, Ballaststoffe, Natrium auf der Rückseite der Verpackung
sowie die Angaben der "Kalorien" bezogen auf den Richtwert der
empfohlenen Tageszufuhr (GDA) auf der Hauptschauseite der Verpackung
auf freiwilliger Basis.
Richtwerte für die empfohlene Tageszufuhr (GDA) auf dem Vormarsch
Die Lebensmittelindustrie engagiert sich für ein klares,
wissenschaftlich nachvollziehbares System der Nährwertkennzeichnung
auf Basis der Richtwerte für die empfohlene Tageszufuhr ("Guideline
Daily Amounts - GDA"). Mit der GDA-Kennzeichnung werden auf dem
Etikett die Gehalte an Kalorien, Zucker, Fett, gesättigten Fettsäuren
und Natrium pro Portion in g und in % der empfohlenen Tageszufuhr
hervorgehoben. Als Orientierungsgröße dient dabei der
durchschnittliche Bedarf einer erwachsenen Frau (2000 kcal). Die
GDA-Kennzeichnung gibt den Verbrauchern eine klare und objektive
Orientierung beim Einkauf. Sie erfahren, welche Lebensmittel sie im
Rahmen einer ausgewogenen Ernährung abgestimmt auf ihre individuellen
Ernährungsbedürfnisse verzehren können. Mehr Informationen zur
GDA-Kennzeichnung auf www.oesterreich-isst-informiert.at.
Der von der Lebensmittelwirtschaft eingeschlagene Weg einer
objektiven, nicht wertenden Nährwertinformation ist gut und richtig.
Das bestätigen u.a. die letzten Untersuchungen von EUFIC (European
Food Information Council) und FLABEL (Food Labelling to Advance
Better Education for Life). Sie dokumentieren, dass
Nährwertinformationen auf breiter Basis angeboten und auch verstanden
werden, wenn sie aktiv genutzt werden. Dass sie von deutlich mehr
Verbrauchern genutzt und mitbestimmend für deren Kaufentscheidung
werden, ist die nächste und weitaus größere Herausforderung, der sich
alle Beteiligten gemeinsam stellen müssen.
Lebensmittelindustrie fordert rotes Licht für Lebensmittel-Ampel
Eine Ampelkennzeichnung, wie sie im Vereinigten Königreich
angewendet wird, ist irreführend. Denn: Eine Bewertung von
Lebensmitteln mittels "roter" oder "grüner" Punkte als "gute" oder
"schlechte" Produkte ist ernährungswissenschaftlich ein Unfug. Eine
ausgewogene Ernährungsweise, die etwa vierzig Nährstoffe benötigt,
ist viel zu komplex, um sie auf die drei Farben "rot, gelb, grün" zu
reduzieren. Ergebnisse einer umfangreichen Untersuchung von EUFIC
zeigen, dass die Ampel auf Produkten schlicht falsch verstanden wird.
Drei Viertel der Verbraucher interpretieren "rot" auf Lebensmitteln
als Stoppsignal ("am besten gar nicht mehr verzehren"), auch gelb
galt als deutliche Abwertung und damit negativ. Wenn sich Verbraucher
danach richten, würde das zu einer einseitigen Ernährung führen.
Vielmehr gilt: Alle Produkte haben im Rahmen einer ausgewogenen
Ernährung ihren Platz. Eine Ampelkennzeichnung bietet den
Verbrauchern keine praktische Hilfestellung, sich entsprechend ihren
individuellen Ernährungsbedürfnissen ausgewogen zu ernähren. Allein
die Tatsache, dass Bananen, Nüsse oder Olivenöl "rot" gekennzeichnet
wären, macht deutlich, wie absurd die Ampelkennzeichnung ist. Es ist
deshalb höchste Zeit, die sinnlose Ampeldebatte zu beenden. (JR)
Rückfragehinweis:
Wirtschaftskammer Österreich
Dr. Michael Blass
Geschäftsführer des Fachverbandes der Nahrungs- und Genussmittelindustrie
T: 01/ 712 21 21-33
M: [email protected]
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