• 14.06.2010, 12:45:01
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Wittgenstein-Preis 2010 an den Demographen Wolfgang Lutz

Drei Spitzen-Nachwuchsforscherinnen und drei Spitzen-Nachwuchsforscher in das prestigeträchtige START-Programm aufgenommen.

Wien (OTS) - Wissenschaftsministerin Beatrix Karl gab heute im
Rahmen einer Pressekonferenz den diesjährigen Wittgenstein- und die
sechs START-PreisträgerInnen - erstmals gleich viele Frauen wie
Männer - 2010 bekannt. Insgesamt werden in den kommenden fünf bzw.
sechs Jahren den sieben ForscherInnen 8,5 Mio. EUR für ihre
wissenschaftlichen Arbeiten zur Verfügung stehen.

Bereits zum 15. Mal wurden heuer die START- und
Wittgenstein-Preise vergeben und der Kreis der im Rahmen dieser
Programme ausgezeichneten WissenschafterInnen wurde um sieben
Personen erweitert. Der Wittgenstein-Preis 2010 geht mit Wolfgang
Lutz erstmals seit Bestehen des Programms an einen
Sozialwissenschafter.
In institutioneller Hinsicht ist Wolfgang Lutz gegenwärtig auf
dreifache Weise in Österreich verankert. Er ist seit dem Jahr 2002
Direktor des 'Vienna Institute of Demography' (VID) der
Österreichischen Akademie der Wissenschaften, leitet seit dem Jahr
1994 das 'World Population Program' des 'International Institute for
Applied Systems Analysis - IIASA', in Laxenburg bei Wien und ist seit
dem Jahr 2009 Professor für Sozialstatistik an der
Wirtschaftsuniversität Wien. Wolfgang Lutz, geboren 1956 in Rom,
aufgewachsen in Deutschland und Österreich, studierte zunächst
Philosophie, Mathematik und Theologie an der Universität München,
schloss dann sein Diplomstudium der Sozial- und Wirtschaftsstatistik
an der Universität Wien 1980 ab, und ging anschließend für zwei Jahre
an die University of Pennsylvania, um Demographie zu studieren. Dem
Masterstudium folgt ein in Rekordzeit absolviertes PhD-Programm, das
er innerhalb nur eines Jahres und mit ausgezeichnetem Erfolg
abschloss. Als 'philosophiae doctor' (Ph.D.) verließ er 1983 die
Vereinigten Staaten und kehrte nach Österreich an das IIASA zurück,
dem er seit 1984 zunächst als Research Associate, später als Deputy
Program Leader und seit 1994 als Program Leader angehört. Im Jahr
1988 habilitierte er sich im Fach Demographie und Sozialstatistik an
seiner Alma Mater in Wien.
Mit seiner Forschung hat Wolfgang Lutz zu bahnbrechenden Leistungen
bei der Analyse von Bevölkerungsentwicklungen beigetragen. Dazu
gehören u.a. empirische Analysen von Geburtenraten, Modellierungen
von Voraussagen zur Bevölkerungsentwicklung sowie Untersuchungen der
Beziehung von Bevölkerungs- und Umweltentwicklungen. In jüngster Zeit
hat Wolfgang Lutz seinen Fokus verstärkt auf die Analysen von
Humankapital und ökonomischen Entwicklung gelegt. Dabei konnte in
einem empirischen Vergleich von 120 Ländern wissenschaftlich gezeigt
werden, dass nicht so sehr Elitenbildung, sondern die Bildung breiter
Teile der Bevölkerung zentraler Motor für den Wohlstand einer
Gesellschaft ist.

Mit dem Wittgenstein-Preis will Wolfgang Lutz ein 'Research Center
for International Human Capital' aufbauen, das von der Akademie der
Wissenschaften und der Wirtschaftsuniversität Wien in enger
Kooperation mit dem IIASA in Laxenburg getragen werden soll. Ziel ist
es, exzellente Forschungsbedingungen für interdisziplinäre
Bevölkerungs- und WirtschaftswissenschafterInnen bereitzustellen, um
ein weltweit führendes Forschungszentrum zu etablieren. Auf Basis der
Forschungsarbeiten soll es möglich werden, neue Visionen und
Politikansätze für einige der größten gesellschaftlichen
Herausforderung zu formulieren.

Der Wittgenstein-Preis ist Österreichs höchstdotierter und
prestigeträchtigster Wissenschaftspreis, der seit 1996 durch den FWF
vergeben wird. Der Preisträgerin/dem Preisträger stehen für
ihre/seine (weitere) wissenschaftliche Arbeit bis zu 1,5 Mio. EUR für
die Dauer von fünf Jahren zur Verfügung. Der Wittgenstein-Preis ist
ein so genannter "Dry prize", das heißt, die Gelder stehen
ausschließlich für die intendierte Forschung und hier insbesondere
für die Anstellung junger WissenschafterInnen zur Verfügung.
Der Entscheidungsvorschlag - basierend auf Fachgutachten
ausländischer ExpertInnen - wurde von der Internationalen START- und
Wittgenstein-Jury zusammengestellt. Die Jury setzt sich aus
renommierten WissenschafterInnen aus dem Ausland zusammen, um eine
bestmögliche Objektivierung der Entscheidung sicherzustellen. Die
Jury tagte Ende letzter Woche unter der Vorsitzführung von Sheila
Jasanoff, Professorin an der Kennedy School of Government, Harvard
University.

Neben dem Wittgenstein-Preis wurden sechs
Spitzen-NachwuchsforscherInnen aus 45 Bewerbungen in das
START-Programm aufgenommen. Die START-Auszeichnung ist die
höchstdotierte und anerkannteste Förderung für
NachwuchsforscherInnen, die aufgrund ihrer bisher geleisteten
wissenschaftlichen Arbeit die Chance erhalten sollen, in den nächsten
sechs Jahren finanziell weitgehend abgesichert, ihre
Forschungsarbeiten zu planen und eine eigene Arbeitsgruppe auf- bzw.
auszubauen. Nach drei Jahren haben sie sich einer Zwischenevaluierung
zu stellen. Die START-Preise sind mit jeweils bis zu 1,2 Mio. EUR
dotiert.

Die neu in das START-Programm aufgenommenen WissenschafterInnen -
in alphabetischer Reihenfolge - sind:

Julius BRENNECKE
"Der piRNA pathway in der Drosophila Keimbahn"
IMBA - Institut für Molekulare Biotechnologie
[email protected]

Barbara HOREJS
"Sesshafte bis protourbane Gesellschaften in Westanatolien"
Österreichisches Archäologisches Institut
Universität Wien
[email protected]

Barbara KRAUS
"Neue theoretische Systeme für Quantenvielteilchensysteme"
Institut für Theoretische Physik
Universität Innsbruck
[email protected]

Melanie MALZAHN
"Eine Gesamtedition tocharischer Handschriften"
Institut für Sprachwissenschaft
Universität Wien
[email protected]

Florian SCHRECK
"Quantenentartetes Strontium: Mischung, Moleküle und
Vielteilchen-Physik"
Institut für Quantenoptik und Quanteninformation
Österreichische Akademie der Wissenschaften
[email protected]

Bojan ZAGROVIC
"Spezifische und globale Aspekte der Proteinwechselwirkungen"
Max F. Perutz Laboratories
Universität Wien
[email protected]

Sowohl das START-Programm als auch der Wittgenstein-Preis sind für
alle wissenschaftlichen Disziplinen offen. Die Programme werden seit
1996 durchgeführt.

Rückfragehinweis:
Mag. Stefan Bernhardt, MBA
Tel.: +43 1 5056740 DW 8111
[email protected]

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