- 10.06.2010, 18:30:11
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WirtschaftsBlatt-Leitartikel: Die Chancen einer verlorenen Dekade - von Robert Lechner
Selten ist es einfacher, zur Nummer eins aufzusteigen
Wien (OTS) - Wie an dieser Stelle schon einmal angemerkt, dürfte
das Jahr 2010 wirtschaftlich zumindest genauso herausfordernd werden
wie das abgelaufene. Die indirekte Bestätigung dafür hat erst gestern
das Wirtschaftsforschungsinstitut geliefert. Österreichs
Bruttoinlandsprodukt ist im ersten Jahresviertel um 0,1 Prozent
gegenüber dem Vorquartal geschrumpft. Das allein wäre noch kein
Problem. Wie sich abzeichnet, dürfte aber auch das zweite
Jahresviertel alles andere als berauschend ausfallen. Die mögliche
Rückkehr der Rezession wird in ganz Europa zum wahrscheinlichen
Szenario. Ausgerechnet im Technologie- und Know-how-lastigen Finnland
ist es schon so weit. Dass die Nordeuropäer nicht die letzten sein
werden, die einen sogenannten Double Dip erleben, scheint
realistisch. Lichtblicke gibt es wenige, wie auch aus dem jüngsten
Bericht der Weltbank hervorgeht. Am Sitz der Institution in
Washington geht man weiters davon aus, dass demnächst ein
europäischer Staat in die Pleite schlittern könnte. Die Rede ist wohl
von Griechenland.
Nicht zuletzt deshalb weil die Hellas-Pleite - wie immer das
Prozedere dann offiziell genannt wird - längst absehbar ist, gibt es
keinen Grund, die Nerven wegzuwerfen. Wichtig ist, sich rechtzeitig
auf eine langanhaltende Phase schwachen Wirtschaftswachstums
einzustellen. Wie ein historischer Blick ins Japan der 1990er-Jahre
oder die Durchsicht von Erfolgsmodellen während und nach der Großen
Depression in den 1930-er Jahren zeigt, steckt auch ein konjunkturell
verlorenes Jahrzehnt voller Chancen.
Unter den Staaten werden sich jene als langfristiges Erfolgsmodell
durchsetzen, die die Märkte rechtzeitig mit einem klaren Konzept zur
Budgetsanierung überzeugen können. Bei den Unternehmen gewinnt, wer
die diversen Hausaufgaben am besten löst: Niemals den Cashflow aus
den Augen verlieren, die Forschung nicht vergessen und beim Einsparen
keine Kernbereiche schwächen. Und, nach den Worten von Voest-General
Wolfgang Eder: Hören Sie nicht auf die falschen Einflüsterer, nämlich
die Banken, wenn es um Kapitalerhöhungen in turbulenten Phasen geht.
Selten ist es einfacher, zur Nummer eins in einem Segment
aufzusteigen, als in Zeiten, wo die meisten mit ihrem Umfeld kämpfen.
Rückfragehinweis:
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