• 10.06.2010, 15:59:32
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AKNÖ präsentiert Studie zu "Working Poor in Niederösterreich"

Haneder: Besonderes Augenmerk auf Einkommen in Niedriglohnbereichen legen

Wien (OTS/AKNÖ) -
Armutsgefährdung und das Phänomen "Working Poor" treffen nicht mehr
nur den Rand der Gesellschaft - sie haben längst die Mitte der
Gesellschaft erreicht. Das zeigt eine Studie, die von ao. Univ.-Prof.
DDr. Nikolaus Dimmel im Auftrag der AKNÖ erstellt und anlässlich des
EU-Jahres zur Bekämpfung von Armut und sozialer Ausgrenzung in St.
Pölten präsentiert wurde. "Die Ergebnisse sind bestürzend", so der
Befund der AKNÖ. "Viele Arbeitsverhältnisse bringen den Beschäftigten
nur Einkommen im Niedriglohnbereich - machen die
NiederösterreicherInnen also zu Working Poor".

Fast ein Drittel der Beschäftigten - exakt 30,4 % - verdiente
basierend auf NÖGKK-Daten 2008 weniger als 996 Euro brutto im Monat.
28,5 % sogar weniger als 748 Euro brutto. Dabei gibt es - nicht
unerwartet - deutliche regionale Unterschiede: Die höchsten
prozentuellen Werte der Niedrigverdienste (unter 996 Euro brutto)
verzeichnen die Bezirke Gänserndorf, Hollabrunn und Tulln. Die beiden
Euro-Werte, die die Studie zur Darstellung von "Working Poor"
verwendet, sind Richtsätze aus der Sozialhilfe und aus einer Erhebung
der Statistik Austria zur Armutsgefährdung. Geringe Einkommen
verteilen sich über unterschiedliche Gruppen von Beschäftigten - dazu
zählen Geringfügige und freie Dienstnehmerinnen und Dienstnehmer,
PraktikantInnen und LeiharbeiterInnen, kurzfristige Minijobs, aber
auch zunehmend Normalarbeitsver-hältnisse - und sind überwiegend
Frauensache", so die AKNÖ. "Die Verteilung der Einkommen wird immer
ungerechter", so AKNÖ-Direktor Mag. Helmut Guth.

Das weitaus stärkste Risiko der Armutsgefährdung aufgrund der
Erwerbseinkommen der NÖGKK haben laut Studie Familien mit nur einem
Erwerbstätigem/einer Erwerbstätigen und einem oder mehreren Kindern.

Die Studie widmet sich auch der Arbeitslosigkeit und der Höhe des
Arbeitslosengeldes bzw. der Notstandshilfe.
ArbeitslosengeldbezieherInnen in Niederösterreich bekamen im
September 2009 im Durchschnitt 816 Euro monatlich.
NotstandshilfebezieherInnen sogar nur 595 Euro. Bei beiden
AMS-Leistungen gibt es deutlich niedrigere Werte für Frauen, z.B. ist
das Arbeitslosengeld von Männern im Schnitt um 174 Euro höher als
jenes der Frauen. Ein Fünftel der beim AMS-NÖ als arbeitslos
Vorgemerkten hatte keinen Leistungsanspruch. 73 Prozent der
Arbeitslosengeld-BezieherInnen erhielten eine Leistung unter 951
Euro, bei den
Notstandshilfebezügen liegt dieser Wert sogar bei 94 %.
"Arbeitslosigkeit und Armutsgefährdung gehen immer noch Hand in
Hand", so die AKNÖ.

In einem dritten Teil beleuchtet die Studie die NÖ Sozialhilfe. 41 %
der AntragstellerInnen im Erwerbsalter waren männlich, 59 % weiblich.
Jede/r zweite Sozialhilfe-EmpfängerIn ist Working Poor, hat also in
irgendeiner Form noch Berührung zum Arbeitsmarkt.

Die Studie will laut AKNÖ einen Diskussionsprozess in Gang bringen.
Die Studie kann keine absolute Gesamtzahl der in NÖ von Armut oder
"Working Poor" Betroffenen nennen, da nicht alle Daten zur Verfügung
stehen. Aber sie ist ein erster Schritt zur Beleuchtung der
Situation, erfasst die Problembereiche und Problemgruppen und gibt
erste regionale Unterschiede preis. Die AKNÖ fordert diesbezüglich
eine Verbesserung der Datenlage, um Armut bzw. "Working Poor" besser
erfassen zu können.

AKNÖ-Präsident Hermann Haneder fordert angesichts der Ergebnisse der
Studie effektive Maßnahmen, um dem Phänomen "Working Poor"
entgegenzuwirken. Besonderes Augenmerk soll auf die Lohnentwicklung
gelegt werden. Haneder erklärt seine volle Unterstützung für die
Gewerkschaften bei Lohnverhandlungen, insbesondere bei der Anhebung
des Mindestlohnes. Erstrebenswert ist auch eine Offenlegung der
Gehälter, um Einkommenstransparenz zu schaffen und dadurch die nach
wie vor große Einkommensschere zwischen Männern und Frauen zu
schließen. Zusätzlich ist es wichtig, Investitionen in die soziale
Infrastruktur zu fördern: "Der Ausbau von Ganztagsschulen und
leistbarer, flexibler Ganztagesbetreuung von Kindern sind ebenso
wichtige Maßnahmen, um Familien mit niedrigem Einkommen zu helfen",
so Haneder.

AKNÖ fordert mehr negativsteuerfähige Absetzbeträge für
KleinverdienerInnen und mittelfristig Reduktion des
Eingangssteuersatzes

Die AKNÖ setzt sich auch für die steuerliche Entlastung der
KleinverdienerInnen ein: "Wir brauchen negativsteuerfähige
Absetzbeträge und, nachdem sich die Wirtschaft erholt hat, eine
Reduktion des Eingangssteuersatzes, der mit derzeit 36,5 Prozent eine
zu große Belastung für kleine Einkommen darstellt," fordert
AKNÖ-Präsident Hermann Haneder. Die drängendsten Forderungen der AKNÖ
in der Armutsbekämpfung und Steuergerechtigkeit bleiben die Anhebung
der Vermögensbesteuerung auf das europäische Niveau, die Einführung
einer Finanztransaktionssteuer und der Schluss mit Steuergeschenken
für Stiftungen. "Ich erkläre mich gleichzeitig gegen neue
Massensteuern, die nur die Falschen belasten würden, nämlich vor
allem die ArbeitnehmerInnen im Niedriglohnbereich."

Um Armut effektiv bekämpfen zu können, muss sich aber auch die
Situation von Arbeitslosen ändern. "Daher fordere ich eine Anhebung
des Arbeitslosengeldes von derzeit 55 Prozent auf das europäische
Niveau von zumindest 70 Prozent. Die längst fällige Einführung einer
Mindestsicherung würde zusätzlich der Armutsgefährdung entgegenwirken
und den NiederösterreicherInnen mehr soziale Sicherheit bringen."

Die AKNÖ wies in der Pressekonferenz außerdem auf die derzeit
laufende Kampagne "Gerechtigkeit muss sein" hin, in der sich die
Interessenvertretung in Inseraten und einem TV-Spot gegen neue
Massensteuern und Sparen am falschen Platz ausspricht.

Rückfragehinweis:
AKNÖ Öffentlichkeitsarbeit
Tel.: (01) 58883-1200
mailto:[email protected]
http://noe.arbeiterkammer.at

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