- 08.06.2010, 13:22:55
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Wirtschaft gemeinsam für rasche Umsetzung einer umfassenden Bildungsreform
Schulterschluss von WKÖ-Präsident Leitl und IV-Präsident Sorger in wichtiger Zukunftsfrage - qualitätsorientierter Zugang zu Bildungsfragen wichtig
Wien (OTS/PWK457) - "Österreich verdient 50 Prozent seines
Wohlstandes außerhalb seiner Grenzen. Und je höher das heimische
Talentepotential ist, desto größer sind unsere Chancen, diesen Wert
positiv zu beeinflussen. Denn nur eine starke Bildung sichert einen
starken Standort", betonte gestern, Dienstag Abend, der Präsident der
Wirtschaftskammer Österreich in einem gemeinsamen Pressegespräch mit
dem Präsidenten der Industriellenvereinigung, Veit Sorger. Die
Wirtschaft tritt vor diesem Hintergrund gemeinsam für eine rasche
Umsetzung einer umfassenden Bildungsreform ein, die alle Bereiche von
der Vorschule über die Pflichtschule, Universität und die
Erwachsenenbildung umfasst. "Die Zukunft unseres Landes entscheidet
sich vor allem auch in den Klassenzimmern und in den Hörsälen", so
Sorger.
Beide Präsidenten verwiesen darauf, dass Österreich als
wohlhabendes Land sich die beste Bildung leisten könne. Nach der
inzwischen bereits nahezu zehn Jahre dauernden Bildungsdiskussion sei
es nun an der Zeit Nägel mit Köpfen zu machen und bis Herbst zu einer
konsistenten Strategie unter Einbindung aller Beteiligten zu kommen.
Aktuell sei Bewegung in die Bildungsdiskussion gekommen und diese
gelte es zu nützen.
"Entscheidend ist, was tut dem Land am besten und nicht einer
Partei", so Leitl. Er erwarte sich von Wissenschaftsministerin
Beatrix Karls Gegenüber, Unterrichtsministerin Claudia Schmied, dass
sie sich im Hochschul- und Wissenschaftsbereich ähnlich offen zeige
wie Karl in Sachen Gesamtschule. "Die Strukturen der Schulverwaltung
müssen reformiert werden, um die Kosten zu senken und die frei
werdenden Mittel wieder für die Bildung - d. h. im Unterricht
einzusetzen. Heute kommt nur jeder zweite (!) Euro des
Bildungsbudgets in den Schulklassen an!", ergänzte Sorger.
Neben einer stark ausgebauten Berufsbildung und geringer
Jugendarbeitslosigkeit im internationalen Vergleich, weise das
heimische Bildungssystem deutliche Schwächen auf: Hohe Ausgaben bei
nur durchschnittlicher Leistung im Pflichtschulbereich seien ebenso
kennzeichnend wie deutlich verbesser- und ausbaubare Angebote an
vorschulischer Erziehung und Bildung, deutliche Bildungsschwächen der
Pflichtschulabgänger, eine geringe Verankerung der Beruf- und
Bildungsinformation, das Bestehen eines stark differenzierten
Tertiärbereichs sowie ein weitgehendes Fehlen von
Lenkungsinstrumenten an den Universitäten.
In diesem Zusammenhang präsentierte der WKÖ-Präsident ein
7-Punkte-Programm bildungspolitischer Leitsätze.
So fordert die WKÖ ein flächendeckendes vorschulisches
Betreuungsangebot mit klaren Bildungszielen und verpflichtenden
Schulreifetests im letzten Kindergartenjahr zur Überprüfung von
Deutschkenntnissen.
Zweitens, geht es der Wirtschaft um einen Neustart der Schule mit
echter Schulautonomie, mehr Führungsverantwortung für Direktoren als
Schulmanager und stringente dienstrechtliche und organisatorische
Strukturen.
Gemeinsame Schule der 10-14jährigen als Schlusspunkt der
Schulreform
Drittens, fordert Leitl gemeinsam mit Sorger eine gemeinsame
Schule der 10-14jährigen als Schlusspunkt der Schulreform. "Aber auch
eine Gesamtschule muss differenzieren und sowohl die Begabten als
auch die Schwächeren unterstützen", so die beiden Präsidenten
unisono. Die bestehenden Schulversuche sollten daher rasch evaluiert
werden und daraus die Folgen gezogen werden, betonte Leitl.
Zusätzliche Budgetmittel seien aus aktueller Sicht für den Ausbau der
Gesamtschule seien nach Meinung der Bildungsexperten der beiden
Häuser, Michael Landertshammer (WKÖ) und Gerhard Riemer (IV) nicht
nötig, das diese Mittel aus einer Reform des wenig effizienten
Schulverwaltungssystems gewonnen werden könnten.
Die WKÖ tritt viertens, für eine Weiterentwicklung und den Ausbau
der dualen Ausbildung und einer damit verbundenen weiteren
Modularisierung von Lehrberufen ein. Fünftens, gehe es um "Exzellenz"
in Forschung und Ausbildung. Dieser Punkt beinhalte
qualitätsorientierte Zulassungsverfahren an Universitäten ebenso wie
Studiengebühren und den Ausbau der Fachhochschulen. Fakt sei, so
Leitl, dass 60 Prozent der Studienanfänger nur in zehn Prozent der
Studien zu finden seien. Hier müsse deutlich mehr in Richtung
Arbeitsmarkt gedacht werden. Sechstens tritt die WKÖ für ein
Bildungskonto für jeden Österreich ein sowie, siebentens, für eine
konsistente Strategie in Hinblick auf das lebenslange Lernen.
Auch IV-Präsident verwies darauf, dass das Grundproblem nicht sei,
"dass wir zuwenig in unser Bildungssystem investieren. Das Ergebnis
ist aber - Stichwort Pisa - nur durchschnittlich. Die Kosten zählen
bei uns mit rund 11.000 US-Dollar pro Schüler bzw. Student auch zu
den höchsten der OECD. Die Industrie fordert daher die Konzentration
der Organisation und Zuständigkeit auf lediglich drei
Entscheidungsebenen Bund - Region - Schule, die Schaffung eines
einheitlichen Dienstrechts, und die Abschaffung der Bezirksschulräte.
Für die Industrie ist entscheidend, dass möglichst viele Potenziale
unserer Kinder erkannt und gefördert werden. Gleichzeitig gehe es
darum, den besten, begabtesten Jugendlichen in der richtigen
Schulform die bestmögliche Bildung zu ermöglichen. (us)
Rückfragehinweis:
Wirtschaftskammer Österreich, Stabsabteilung Presse Mag. Rupert Haberson Tel.: T:(+43) 0590 900-4362, F:(+43) 0590 900-263 mailto:[email protected] http://wko.at/Presse IV-Newsroom Tel.: +43 (1) 711 35-2306 mailto:[email protected] www.iv-net.at/medien
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