• 08.06.2010, 09:00:48
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  • OTS0031 OTW0031

Spitäler: Wo kann gespart werden?

Konzepte für effiziente Spitäler - ohne Qualitätsverlust

Wien (OTS) - Forderungen bei der Fachtagung der Ordensspitäler:
Leistungsorientierte Finanzierung aus einem Topf - Qualitätssicherung
- bessere Vernetzung und Koordination - gleiche Spielregeln für alle
Anbieter - Auslagerung von Supportleistungen - keine Klientelpolitik
- deutlicher Kostenvorsprung der Ordensspitäler - "Gleiches Geld für
gleiche Leistungen"

"Ziel einer Spitalsreform ist eine zentrale Planung und Steuerung
gemeinsam mit einer Finanzierung aus einem Topf", erklärte Dr. Martin
Gleitsmann, Leiter der Abteilung Sozialpolitik und Gesundheit,
Wirtschaftskammer Österreich, Initiator und Geschäftsführer der
Plattform Gesundheitswirtschaft, am 8. Juni bei der Fachtagung der
österreichischen Ordensspitäler "Strategien für effiziente Spitäler"
in Wien. Ein erster Schritt in die richtige Richtung sei der vom
Hauptverband der Sozialversicherungsträger geplante Masterplan
Gesundheit. Danach sollen sektorenübergreifende Gesundheitsprozesse
für die Patienten in einer zweckmäßigen Abfolge, qualitätsgesichert
und von der richtigen Stelle erbracht werden, sagte Dr. Gleitsmann.

Eine Neuordnung der Krankenhauspolitik müsse dabei eng mit der
Schaffung und Verstärkung von medizinischen Versorgungszentren
ein-hergehen. Dadurch könnte eine bessere Koordinierung zwischen dem
niedergelassenen und dem stationären Bereich erreicht werden. Wie
eine Vernetzung der Gesundheitsversorgung zumindest in Teilbereichen
funktionieren könnte, soll laut Regierungsprogramm in den
Bundesländern in Form von Modellregionen - siehe Vorarlberg -
gestartet werden, stellte Dr. Gleitsmann fest.

Einbremsen der Spitalskosten notwendig

Österreich weise die stärksten Spitalskostensteigerungen und die
höchsten Spitalskosten pro Kopf in der EU auf. Dies sei nicht
nachhaltig zu finanzieren und damit in Hinblick auf ein solidarisch
finanziertes Gesundheitswesen höchst problematisch, erklärte Dr.
Thomas Czypionka, Gesundheitsökonom am Institut für Höhere Studien.
Es sei daher die Pflicht aller Beteiligten, gegebene
Effizienzpotentiale zu heben, um auch langfristig ein tragfähiges
Gesundheitswesen für alle gewährleisten zu können. Dazu sei neben der
Stärkung des extramuralen Bereichs notwendig:

Verbesserung der Koordination zwischen den Sektoren und
Integration der Versorgung: Die Ausrichtung des Gesundheitswesens
müsse sich auf den Patienten und nicht auf Strukturen und Finanziers
konzentrierten. Ferner Ausnutzen von Synergien der Spitäler und
Aufgabenteilung, ein kostendeckendes und aufgabenorientiertes
Entgeltsystem, die Erhöhung von Transparenz und Wettbewerb zwischen
privaten Trägern und öffentlichen Spitälern bei gleichen Spielregeln
sowie Optimierung der Prozesse in den Spitälern.

Forderung nach kostendeckenden Tarifen

Ein Finanzierungssystem, das kostendeckende Tarife für erbrachte
Leistungen und für Vorhalteleistungen ermöglicht, forderte Dipl.-Ing.
Dr. Werner Leodolter, Vorstandsvorsitzender der Steiermärkischen
Krankenanstaltengesellschaft m.b.H., anstelle von Abgangsdeckungen.
Ferner nannte er als strategische Vorbedingung für effiziente
Spitäler: bestmögliche Kooperation mit der niedergelassenen
Ärzteschaft und den Allgemeinmedizinern und die Möglichkeit zur
Erbringung von Leistungen in zur akuten Spitalsmedizin angrenzenden
Bereichen, wie etwa Pflege, ambulante fachärztliche Leistungen oder
ambulante Rehabilitation.

Eine umfassende Gesundheitsversorgung sollte laut Dr. Leodolter im
stationären Bereich vor allem über gut aufeinander abgestimmte
Standardkrankenhäuser mit einem tragfähigen Leistungsspektrum,
Schwerpunktkrankenhäuser mit einem erweiterten Spektrum und
Zentralkrankenhäuser verfügen. Daneben wird es vereinzelt
Spezialkrankenhäuser geben.

Einsparungseffekte von bis zu 20 Prozent möglich

Effiziente Spitäler haben nach Meinung von Dr. Michael Heinisch,
Mitglied der Bundesgesundheitskommission, schon längst Teilbereiche
des Krankenhausbetriebs zu externen Dienstleistern ausgelagert. Das
Outsourcing von Supportleistungen, wie die Speisenversorgung, das
Facility Management oder die Reinigung haben Einsparungseffekte von
bis zu 20 Prozent zur Folge - und dies ohne jeden Qualitätsverlust.
Effiziente Spitäler leben laut Dr. Heinisch in Kooperationen. Der
Abgleich der medizinischen Fachbereiche der Krankenhäuser der
Barmherzigen Schwestern und der Barmherzigen Brüder in Linz etwa habe
zu einer Spezialisierung und zu einem Qualitätsschub für die
Patienten geführt. Nicht klientelpolitisches Kalkül dürfe
Entscheidungen im Gesundheitswesen leiten, sondern nur das Streben
nach bester Qualität für die Patienten, sagte Dr. Heinisch.
Verschwendung von Geld in Strukturen oder Leerläufen sei unethisch.
Es gehe also nicht um undifferenzierte Einsparungen, sondern um
zielgerichtete Investitionen.

Einsparungen von 200 Millionen Euro

Die Ordensspitäler haben 2008 ihren Kostenvorsprung gegenüber der
Benchmark (Gesamt-Durchschnittswert aller österreichischen
Krankenanstalten exklusive Universitätskliniken und
Sonderkrankenanstalten) im stationären Bereich von rund 14 Prozent
gehalten und liegen in der Leistungsqualität praktisch gleichauf.
Dies ergibt eine aktuelle Analyse des Beratungsunternehmens
UNITAS-SOLIDARIS auf Basis der überregionalen
Kostenrechnungs-Auswertung des Gesundheitsministeriums.

Dazu Frau Regina Steinbiller, Geschäftsführerin der
UNITAS-SOLIDARIS Wirtschaftstreuhandgesellschaft mbH: "Durch den
Kostenvorsprung zur Benchmark wird pro Jahr ein Betrag von rund 200
Millionen Euro für Bund, Länder und letztlich für die Steuerzahler
eingespart."

Auch die ambulanten Kosten je Patient liegen in den
Ordensspitälern um 14 Prozent unter den Referenzwerten der Benchmark.
Als Gründe für den Effizienzvorsprung nennt Regina Steinbiller die
flacheren Führungsstrukturen, eine höhere Personalproduktivität und
eine Kostenkonzentration auf die patientennahen Versorgungsbereiche.

Ordensspitäler als Kostenbremse: "Gleiches Geld für gleiche
Leistungen"

"In Sachen Effizienz bei hoher Qualität machen wir seit Jahren
unsere Hausaufgaben", erklärte Pater Leonhard Gregotsch, Leiter der
Arbeits-gemeinschaft der Ordensspitäler Österreichs. Mehrere
unabhängige Studien beweisen, dass Kosteneinsparungen ohne
Qualitätsverlust möglich seien und die Ordensspitäler hier eine
Vorreiterrolle spielen. Danach erbringen diese die gleichen
Leistungen um 10 bis 22 Prozent günstiger als die Benchmark.
Pater Gregotsch wies darauf hin, dass von den Ordensspitälern
Leistungen in allen Bereichen in gleicher Weise wie von anderen
Krankenhäusern erbracht werden. Damit stellen die Ordensspitäler im
österreichischen Gesundheitswesen eine "Kostenbremse" dar und helfen
mit, diesen Sektor finanzierbar zu halten. Die Forderung nach
"gleichem Geld für gleiche Leistungen", wurde von Pater Gregotsch
wiederholt, da in einigen Bundesländern eben nicht die gleichen
Vergütungen bezahlt werden. Die Ordensspitäler erbringen rund 20
Prozent der heimischen Krankenhausleistungen.

Rückfragehinweis:
P. Leonhard Gregotsch
1010 Wien, Freyung 6/1/2/3
Arbeitsgemeinschaft der Ordensspitäler Österreichs
Telefon: 01/535 12 87/13
E-Mail: [email protected]

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