• 07.06.2010, 12:42:27
  • /
  • OTS0168 OTW0168

AK zur Studierendensozialerhebung: Maßnahmen gegen soziale Schieflage im Hochschulwesen notwendig

Ausbau des Fachhochschulsektors, berufsbegleitende Studienangebote und Verbesserung des Stipendiensystems dringend erforderlich

Wien (OTS) - "Die soziale Selektion im Hochschulwesen muss endlich
ein Ende haben, an Bildung darf nicht gespart werden", sagt AK
Präsident Herbert Tumpel, "noch immer sind Studierende aus
bildungsfernen Schichten im Vergleich zu Kindern von Akademikerinnen
und Akademikern stark unterrepräsentiert." Der Anteil an Studierenden
aus einkommensschwachen und bildungsfernen Schichten ist im Vergleich
zu 1998 sogar gesunken. Nur durch den Ausbau des FH-Sektors haben
sich die Studienchancen von StudienanfängerInnen aus
einkommensschwächeren Schichten etwas verbessert. Daher braucht es
eine komplette Reform des Bildungswesens, denn: Die soziale Selektion
findet schon im Schulsystem statt: Die Wahrschein-lichkeit, später zu
studieren, ist bei ehemaligen HauptschülerInnen nur knapp 25 Prozent,
bei AHS-UnterstufenschülerInnen 75 Prozent. Auffällig ist auch eine
schichtspezifische Fächerwahl. In den (zugangsbeschränkten) besonders
zeitintensiven Medizinfächern ist der Anteil von Studierenden aus
"hohen Schichten" besonders groß. "Zugangsbeschränkungen sind somit
keine Lösung für die soziale Schieflage. Das Wissenschafts- und das
Finanzministerium müssen endlich dafür sorgen, dass es die
notwendigen Budgetmittel für mehr Förderungen für sozial schwächere
Studierende, bessere Studienangebote für berufstätige Studierende,
einen Ausbau des FH-Sektors und eine Ausweitung des Stipendiensystems
gibt", so Tumpel.

Es ist dringend notwendig, das Stipendiensystem auszubauen, denn:
41 Prozent der Studierenden erhalten gar keine Förderung oder
Beihilfe und lediglich knapp ein Viertel der Studierenden bekommt
eine Studienbeihilfe. Die Situation hat sich gegenüber 2006 sogar
noch mal verschlechtert. Gerade die Förderungen für sozial schwächere
Studierende sind weiter gesunken: Mittlerweile erhalten nur mehr 43
Prozent der Studierenden aus niedriger sozialer Schicht eine
Studienbeihilfe. Außerdem zeigt sich, dass die Studienförderung bei
sozial schwächeren Studierenden die Unterstützungsleistungen der
Familien bei Studierenden aus höheren Schichten nicht ausgleichen
kann. "Es wäre daher dringend notwendig, das Stipendiensystem
auszuweiten und zu verbessern. Eine regelmäßige Valorisierung der
Förderungen sowie eine Anhebung der Alters- und Einkommensgrenzen
wäre längst überfällig", betont Tumpel.

Auch das berufsbegleitende Studienangebot gehört verbessert, denn
der Anteil der erwerbstätigen Studierenden ist weiter gestiegen -
mittlerweile arbeiten acht von zehn Studierenden. 45 Prozent sogar
während des gesamten Semesters. Dabei ist auch das Ausmaß der
Erwerbstätigkeit angewachsen: Etwa die Hälfte der Befragten gibt an,
Vereinbarkeitsschwierigkeiten zwischen Beruf und Studium zu haben und
fast jede vierte befragte Person würde den Umfang der
Erwerbstätigkeit gern reduzieren. "Das Wissenschaftsministerium ist
hier gefragt, endlich zu handeln und in Kooperation mit den
Hochschulsektoren und unter Bereitstellung der entsprechenden
finanziellen Ressourcen Maßnahmen für eine bessere Vereinbarkeit von
Studium und Beruf zu treffen. Es braucht mehr und bessere
berufsbegleitende Studienangebote, sowohl an den Unis als auch FHs.
Außerdem sollte das Angebot an Fachhochschulen ausgeweitet werden",
so Tumpel.

Rückfragehinweis:
AK Wien Kommunikation
Mag.a Olivia Weiss
Tel.: (+43-1) 501 65 2641; mobil: (+43) 664 845 42 14
mailto:[email protected]
http://wien.arbeiterkammer.at

OTS-ORIGINALTEXT PRESSEAUSSENDUNG UNTER AUSSCHLIESSLICHER INHALTLICHER VERANTWORTUNG DES AUSSENDERS - WWW.OTS.AT | AKW

Bei Facebook teilen.
Bei X teilen.
Bei LinkedIn teilen.
Bei Xing teilen.
Bei Bluesky teilen

Stichworte

Channel