- 04.06.2010, 08:32:19
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WirtschaftsBlatt-Leitartikel: Das Böse ist immer und überall - von Esther Mitterstieler
Rezepte des anständigen Kaufmanns wurden vergessen
Wien (OTS) - Was die Erste Allgemeine Verunsicherung Mitte der
1980er-Jahre hinausposaunte, hat leider einen bitteren aktuellen
Beigeschmack: Betrachten wir das vergangene Jahrzehnt, kommt man aus
den Sorgenfalten nicht heraus, und im Verlauf der vergangenen Monate
hat sich das Rad noch schneller Richtung noch mehr Verunsicherung
weltweit gedreht.
Im September 2001 ließ der Anschlag auf die Zwillingstürme in New
York die Welt erschaudern. Das brachte einen beispiellosen Verfall
der Börsenkurse weltweit. In den 15 Jahren zuvor hatte sich der
Aufschwung an den Börsen vor allem im Technologiebereich so breit
gefasst, dass die Dotcom.Blase 2001 schon fast platzen musste. Und
dann noch 9/11 als schier undenkbarer Anschlag auf westliche Werte.
Kein schöner Beginn eines neuen Jahrzehnts. Die Gleichung Wachstum
ist gleich Fortschritt und Beschäftigung musste überdacht werden.
Doch wie heute ließen sich Wirtschaftsforscher, -kapitäne und
Politiker viel zu wenig auf neue Denkwege ein. Und das weiter
herrschende Dogma des Wirtschaftswachstums ließ uns auf alte Rezepte
des anständigen Kaufmanns vergessen. So war aus der Dotcom.Blase kaum
die Luft draußen, schon ließen viele Unternehmen ihre Gewinne wieder
in Finanzanlagen fließen statt sie in Realinvestitionen zu stecken.
Und die Finanzkonstrukte wurden immer komplizierter und
undurchschaubarer. Bis 2008 die nächste Blase platzte, Lehman
pleiteging und weitere nunmehr lokale Bubbles wie die Immobilienblase
in Spanien folgten.
Weitere Horrormeldungen gefällig? Ölpest im Golf von Mexiko,
Nordkorea mit beunruhigendem Bombenpotenzial, Israel mit
ungeschickter Palästinenserpolitik: Die Welt brennt. Nach dem
Finanzschock 2008 kommt die Welt aus der Krise nicht heraus. Neben
der Verunsicherung hat sich die allgemeine Ratlosigkeit breit
gemacht. Wie die Krise bekämpfen? Zuerst das Geld in Konjunkturpakete
pumpen und plötzlich einen Vollbremser hinlegen? Von null auf 100 und
zurück. Denken Sie daran: Das tut Ihrem Auto auf Dauer auch nicht
gut. Zur Verführung wird gepumptes Geld erst, wenn man sich darauf
ausruht. Zur Rückführung braucht es klare Vorgaben der Politik und
kein Zaudern, das sorgt für Sicherheit - in wirtschaftlicher wie
politischer Sicht. Und schwächt das Böse immer und überall.
Rückfragehinweis:
WirtschaftsBlatt
Tel.: Redaktionstel.: (01) 60 117/305
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