• 02.06.2010, 16:21:48
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Nationalbibliothek restituiert NS-Raubgut an den Nationalfonds der Republik Österreich für Opfer des Nationalsozialismus

Wien (OTS) - Am 1. Juni 2010 übernahm Nationalratspräsidentin
Mag.a Barbara Prammer als Vorsitzende des Kuratoriums des
Nationalfonds im Rahmen einer Gedenkfeier in der Österreichischen
Nationalbibliothek symbolisch drei von 8.363 in der NS-Zeit
entzogenen Bücher, deren frühere Eigentümer oder Eigentümerinnen
trotz intensiver Nachforschungen nicht eruiert werden konnten. Die
Werke wurden daher entsprechend dem Kunstrückgabegesetz dem
Nationalfonds der Republik Österreich für Opfer des
Nationalsozialismus übergeben.
"Für den Nationalfonds ist heute ein besonderer Tag", so
Generalsekretärin Mag.a Hannah Lessing in ihrer Rede: "Seit das
Kunstrestitutionsgesetz vor zwölf Jahren 1998 in Kraft getreten ist,
werden nun erstmals Kunstgegenstände an den Nationalfonds übereignet,
deren Erlös Opfern des Nationalsozialismus zu Gute kommen kann."

Die übereigneten Bücher wurden anschließend von der
Nationalbibliothek um 135.000 Euro zurückgekauft. Generalsekretärin
Lessing kündigte an, "den Erlös aus diesen einst geraubten Objekten
im Sinne der Bestimmungen des Nationalfondsgesetzes "jenen zukommen
zu lassen, denen er wohl am ehesten zusteht: Denen, die - ebenso wie
die ursprünglichen Eigentümerinnen und Eigentümer dieser Bücher -
durch das nationalsozialistische Regime verfolgt wurden. Sie, die im
Gegensatz zu jenen das Glück hatten, zu überleben, brauchen heute im
Alter unsere besondere Unterstützung."

Bei den übergebenen Druckschriften handelt es sich "ausschließlich
um Objekte, die keinerlei Hinweis auf eine/n ehemalige/n BesitzerIn
tragen", wie die Nationalbibliothek in einer Aussendung betonte. Der
im Dezember 2003 fertig gestellte Provenienzbericht listete 52.403
Objekte auf, die von der Nationalbibliothek in der NS-Zeit erworben
worden waren. Auf Basis dieses Berichts und der Überprüfung durch den
Kunstrückgabebeirat wurden in den letzten Jahren 35.217 Einzelobjekte
an die rechtmäßigen Erben und Erbinnen der ehemals Verfolgten
zurückgegeben, so Generaldirektorin Dr.in Johanna Rachinger bei der
Gedenkfeier. Die Übergabe der rund 8.000 erblosen Bücher an den
Nationalfonds sowie der gleichzeitige Rückkauf der Druckschriften
durch die Nationalbibliothek bezeichnete Rachinger als "Meilenstein
in Richtung unserer Bemühungen um eine vollständige Restitution aller
in der NS-Zeit unrechtmäßig in die Bestände der Nationalbibliothek
aufgenommenen Bücher und Sammlungsobjekte."

Vorrangiges Ziel des Nationalfonds war es immer, noch möglichst
viele ursprüngliche Eigentümer bzw. Eigentümerinnen oder deren
Nachkommen zu erreichen. Um diesem Ziel näher zu kommen, richtete der
Nationalfonds 2006 unter http://www.kunstrestitution.at eine eigene
Kunst-Datenbank ein, mit deren Hilfe eine gezielte Onlinesuche nach
Kunst- und Kulturgegenständen ermöglicht wurde, die sich heute in
Museen und Sammlungen der Republik Österreich oder der Stadt Wien
befinden und bei denen nach aktuellem Stand der Provenienzforschung
die Möglichkeit besteht, dass sie in der NS-Zeit entzogen wurden.

"Dabei war und ist es uns besonders wichtig, nicht nur dem Gesetz
formal Genüge zu tun, sondern tatsächlich alle Mittel zur
Veröffentlichung so effizient wie möglich auszuschöpfen. Keiner
berechtigten Person soll ein Erbstück, das für sie und ihre Familie
ja meist auch einen persönlichen Wert darstellt, vorenthalten werden.
Die Übereignung an den Nationalfonds und die anschließende Verwertung
von Kunstgütern soll folglich in jedem Fall die ultima ratio sein",
betonte Generalsekretärin Lessing bei der Gedenkfeier.

Nationalratspräsidentin Prammer berichtete, dass auch die Bestände
der Parlamentsbibliothek seit Beginn des Jahres auf ihre Provenienz
und gegebenenfalls Restitution überprüft werden. Dies erfolgt in
Umsetzung der Novellierung des Kunstrückgabegesetzes 2009, um nicht
nur Kunstgegenstände in Museen, sondern sämtliches bewegliches
Kulturgut im Bundeseigentum zu untersuchen.

Rückfragehinweis:
Nationalfonds der Republik Österreich für Opfer des Nationalsozialismus
T: +43 (01) 408 12 63
E: [email protected]
W: http://www.nationalfonds.org

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