• 20.05.2010, 17:37:58
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  • OTS0336 OTW0336

Sitzung des NÖ Landtages

Zwei Aktuelle Stunden

St. Pölten (OTS/NLK) - Eine weitere Aktuelle Stunde zum Thema
"Notwendige Reformen im Bildungsbereich - neue Chancen für unsere
Kinder und Jugendlichen in Niederösterreich" folgte.

Klubobmann Mag. Günther L e i c h t f r i e d (SP) betonte,
die großen Würfe und Visionen seien in der Schulpolitik bisher
vermisst worden. Gerade in Niederösterreich ließen sich immer wieder
ideologische Schranken erkennen. Angesichts der notwendigen
Schlüsselqualifikationen der Schulabgänger und des Umstandes, dass
familiäre Herkunft nach wie vor über den Bildungsstandard der Kinder
entscheide, sei ein leistungsgerechtes und chancengleiches
Bildungssystem unumgänglich. Die Lernwilligkeit der Kinder müsse
bereits früh genützt werden. Es dürfe nicht zu früh selektiert
werden, auch das Angebot an ganztägigen Schulformen sei viel zu
gering. Die Schulverwaltung sei ebenfalls zu reformieren, bei der
Bildung müsse es eine klare Bundeskompetenz geben.

Abgeordneter Karl B a d e r (VP) meinte, die SP versuche
wieder "alte Hüte" zu verkaufen und "Zentralismus pur" zu fordern.
Die Schulen vor allem in kleinen Gemeinden würden mit diesen Ideen
massiv gefährdet, das widerspreche den Interessen des Landes.
Kompetenz in Landeshand punkto Vollziehung und Ausführungsgesetzen
bedeute eine erfolgsorientierte Zukunftspolitik für die Kinder und
Jugendlichen. Die VP stehe für differenzierte Vielfalt und
Wahlfreiheit, jedes Kind verdiene seine individuelle Chance. Die
Durchlässigkeit im Schulsystem inklusive leichteren Übertritten sei
ein absolutes Muss. Die Nachmittagsbetreuung müsse ausgebaut werden,
notwendig sei auch eine Sanierungsoffensive in den Bundesschulen.

Abgeordneter Josef J a h r m a n n (SP) sagte, die
Wissensgesellschaft erfordere eine bestmögliche Ausbildung. Das sei
mit einer herkömmlichen Halbtagsschule nicht mehr zu bewältigen. Wer
sich gegen Ganztagsschulformen stelle, stelle sich gegen den
Ausbildungsstandard der Kinder und den Willen der Eltern.Er sprach
sich für eine offene, von jeder Ideologie befreite Diskussion im
Sinne einer modernen und zeitgemäßen Schulpolitik aus.

Abgeordneter Emmerich W e i d e r b a u e r (G) kritisierte
die ideologischen Unterschiede zwischen VP und SP, die "eine
verfahrene Situation" erzeugt hätten. Den kürzlich im Landtagssaal
abgehaltenen Redewettbewerb nannte er als ein Beispiel für die
hervorragenden Leistungen der Schülerinnen und Schüler. Er forderte
die Umsetzung der gemeinsamen Schule bis zum 14. Lebensjahr und
meinte, es gehöre bei der Schnittstelle zwischen Kindergarten und
Volksschule angesetzt.

Abgeordneter Ing. Martin H u b e r (FP) sagte, auf die
Ausbildung der Jugend sollte vollstes Augenmerk gerichtet werden.
Experimente am Rücken der Kinder seien absolut abzulehnen, ebenso
politische Schnellschüsse. Die Anforderungen an Direktoren hätten
sich sehr verändert, heutzutage müssten diese bereits Manager sein.
Es könne auch nicht sein, dass die Lehrkräfte keinen adäquaten
Arbeitsplatz in der Schule hätten. Die Hauptschulen bedürften einer
dringenden Aufwertung. Wichtig sei für ihn auch das Bekenntnis zu
leistungsorientierten Schulen.

Abgeordneter Konrad A n t o n i (SP) forderte, Reformen nach
dem Grundsatz "gezielt fördern anstelle von selektieren". Gerade die
ersten Jahre seien entscheidend für den späteren Schulerfolg. Die
größte Herausforderung der nächsten Jahre im Schulbereich sei, wie es
mit den Schülerzahlen weitergehe. In allen Bezirken Niederösterreichs
müssten die Hauptschulen große Rückgänge bei den Schülerzahlen
hinnehmen. Mit dem weiteren Ausbau des Erfolgsmodells Neue
Mittelschule könne diesem Trend entgegengewirkt werden. Investitionen
in die Bildung seien immer auch Investitionen in die Zukunft. Der
Unterricht an den Handelsakademien etwa sei mit entsprechenden
zukunftsweisenden Fächern aufzuwerten; man könne Energiekaufleute und
-techniker ausbilden. Man brauche mehr Bildung in allen Regionen,
jedes Kind solle beste Chancen auf Bildung und Ausbildung in seiner
jeweiligen Bildungsregion vorfinden.

Abgeordneter Ing. Andreas P u m (VP) ging dezidiert auf die
Berufsschulen ein, die von 35 Prozent der jungen Menschen besucht
würden. Die duale Ausbildung werde hervorragend genutzt, auch bei
internationalen Lehrlingswettbewerben sei Niederösterreich stets
vorne dabei. Bildung steigere den Wert einer gesamten Region -
Niederösterreich sei eine Top ten-Region und zeige damit, dass das
System funktioniere. In Niederösterreich sei die Ausbildung auf einem
sehr hohen Niveau. Weiters sprach er von der Notwendigkeit der
Weiterentwicklung bzw. der Vernetzung verschiedener Schultypen.

Landesrat Mag. Johann H e u r a s (VP) brachte seine Sicht der
Dinge zu diesem Thema vor und meinte, man habe ein Bildungskonzept
entwickelt, das viele gute Diskussionspunkte biete. Er gab dem
Abgeordneten Leichtfried insofern Recht, als auch er die Bildung als
Motor der Entwicklung bezeichnete und von Chancengerechtigkeit
anstelle von Chancengleichheit sprach. Allerdings regte Heuras an, in
diesem Zusammenhang nicht nur von "Namen" bzw.
Organisationsstrukturen, sondern von Inhalten zu sprechen. Er bekenne
sich zum differenzierten Schulsystem, das leistungsbezogen ist und
dazu, dem Einzelnen seine individuelle Chance in diesem System zu
geben, man müsse die Talente der Kinder erkennen und fördern. Weiters
müsse der Paradigmenwechsel fortgesetzt und den Direktoren mehr
Kompetenz bzw. mehr Schulautonomie zuerkannt werden. Die Haupt- oder
Mittelschule dürfe nicht zu einer Sackgasse der Bildung werden.
Heuras sprach sich gegen Selektionierungen aus und befürwortete
"bildungspolitische Drehscheiben" in den Regionen für die 10- bis
14-Jährigen. Auch zum Thema Schnittstelle Kindergarten - Volksschule
fand Heuras Worte und meinte, dass der Informationsaustausch
vorangetrieben werden müsse und es beispielsweise bereits so genannte
"Übertrittsgespräche" gebe. Hinsichtlich des schulpsychologischen
Dienstes bzw. der Schulsozialarbeit hielt er fest, dass das Land
Niederösterreich hiefür bereits 1 Million Euro ausgebe. Mehr
Zentralismus schließlich wäre, so Heuras, für das Schulsystem in
Niederösterreich kein guter Schritt.

(Forts.)

Rückfragehinweis:
Niederösterreichische Landesregierung
Stabstelle Öffentlichkeitsarbeit und Pressedienst
Tel.: 02742/9005-12172
www.noe.gv.at/nlk

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