• 14.05.2010, 12:20:19
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Bildung im Freien für freie Bildung

Wien (OTS) - Von Montag 17. Mai bis Freitag 21. Mai veranstalten
zahlreiche Hochschülerinnen- und Hochschülerschaften die Woche der
freien Bildung.

Dabei werden in Graz, Klagenfurt, Salzburg und Wien
Universitätslehrveranstaltungen an öffentilche Plätze verlagert, um
wissenschaftliche und künstlerische Lehre der Allgemeinheit zu
präsentieren und sie teilhaben zu lassen. "Ziel der Woche der freien
Bildung ist es, Bildung allen zugänglich zu machen und auf die
derzeitigen Probleme im universitäteren Bildungswesen aufmerksam zu
machen." so Ulf Fischer vom Vorsitz der Hochschülerinnen- und
Hochschülerschaft an der TU Wien.

Es ist bereits jetzt so, dass Bildung, insbesondere
Hochschulbildung, nicht frei ist. Zahlreiche Regelungen führen dazu,
dass einzelne Personengruppen benachteiligt und somit von den
Universitäten ferngehalten werden. "Menschen aus bildungsfernen
Schichten sowie Ausländerinnen und Ausländer haben es besonders
schwer, den Bildungsweg einzuschlagen" bemerkt Regina Bösch von der
Hochschülerinnen- und Hochschülerschaft an der Universität für Musik
und darstellende Kunst Wien. Deshalb ist es notwendig, die
Studiengebühren vollkommen abzuschaffen und das Stipendiensystem
auszubauen. Zugangsregelungen sind keine Lösung des Problems, sondern
schaffen nur neue Probleme. "Die soziale Selektion wird
durch Zugangsbeschränkungen noch viel stärker, wie zum Beispiel das
Aufnahmeverfahren im Medizinstudium sehr gut belegt" so Bösch, "dort
haben es sozial schwächere Menschen und insbesondere auch Frauen
wesentlich schwerer, einen Studienplatz zu bekommen."

Bildung trägt auch zur Persönlichkeitsbildung bei. Dies wird durch
die immer stärkere Verschulung des Studiums erschwert. "Strenge
Anwesenheitspflicht, engstirnige Prüfungsketten und die
Nicht-Anerkennung von Zusatzqualifikationen lassen den Studierenden
kaum noch Raum, sich selbst zu entwickeln." erklärt Bianka Ullmann,
Vorsitzende der HTU Wien.

Im Vordergrund steht die fachspezifische Ausbildung, die in der
zur Regelstudienzeit verkommenen Mindeststudienzeit absolviert werden
muss. Der Druck auf ein zielstrebiges Studium ohne der Möglichkeit,
nach links und rechts zu blicken, wirkt sich negativ auf die
Mobilität aus. "In den engen Bachelor- und Masterstudienplänen gibt
es kaum noch Platz, um zum Beispiel ein Auslandssemester zu
absolvieren." so Ullmann.

Die Woche der Freien Bildung hat demnach auch einen starken
politischen Aspekt und fordert zum Handeln auf.

- Das lang erklärte Ziel, die Ausgaben für den tertiären
Bildungssektor auf 2% des BIP zu erhöhen, soll endlich verwirklicht
werden.

- Die Universität soll ebenso als Lebensraum dienen. Studierende
brauchen Platz, um ihr erworbenes Wissen und ihre erworbenen
Fähigkeiten zu reflektieren und zu diskutieren.

- Es braucht eine umfassende Beratung bereits in der Schule. Diese
soll zur Information dienen und nicht als Werbeinstrument für
wirtschaftsorientierte Ausbildungsstätten missbraucht werden.

- Probleme dürfen nicht auf dem Rücken der Studierenden ausgetragen
werden. Finanzielle Hürden und Zugangsbeschränkungen sind keine
Lösung.

Rückfragehinweis:
Ulf Fischer, Vorsitz HTU Wien
Tel.: 0650 77 00 833
Email: vorsitz@htu.at

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