- 03.05.2010, 18:17:11
- /
- OTS0276 OTW0276
DER STANDARD-Kommentar: "In der Bildungsdefensive" von Michael Völker
Ausgabe vom 4.5.2010
Wien (OTS) - An den heimischen Universitäten herrscht ein
Gemurkse. Zu viele junge Menschen wollen studieren. Dazu kommt der
Andrang deutscher Numerus-clausus-Flüchtlinge. Also befindet die
Regierung, dass der Notfall die Regel sein soll und sich die Unis
Zugangsbeschränkungen verpassen dürfen, um die unerwünschten
Studenten sieben und abweisen zu können.
Es ist schon seltsam: Keiner freut sich darüber, dass so viele junge
Menschen ein Studium beginnen wollen. Der Akademikermangel ist kein
Thema mehr. Die Hochschulpolitik gerät zum Abwehrkampf.
Es ist keine Rede davon, dass man das Betreuungsverhältnis
verbessert, dass man investiert und die Ressourcen verstärkt,
überlegt wird ausschließlich, wie man die Zahl der Studierenden dem
(schlechten) Betreuungsverhältnissen an den Unis anpassen kann: mit
Aufnahmetests. Es ist schon richtig, dass derzeit mehr Leute
Publizistik studieren wollen, als der Markt an Jobs im engeren
Bereich bereithält. Aber ein freier Hochschulzugang bedeutet eben
auch, dass junge Menschen das studieren können, wofür sie sich
ernsthaft interessieren, unabhängig davon, ob sie nachher einen fixen
Platz in ihrem Lieblingsberuf finden oder woandershin ausweichen
müssen.
Wenn die Politik die Universitäten in Zugangsbeschränkungen und
Aufnahmsprüfungen treibt, prolongiert sie das Gemurkse und erhebt die
Bildungsdefensive zum Prinzip.
Rückfragehinweis:
Der Standard, Tel.: (01) 531 70/445
OTS-ORIGINALTEXT PRESSEAUSSENDUNG UNTER AUSSCHLIESSLICHER INHALTLICHER VERANTWORTUNG DES AUSSENDERS - WWW.OTS.AT | PST






