- 29.04.2010, 14:18:15
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Finanzforum Q-Check: Griechenland wird um jeden Preis gerettet werden
Expertenveranstaltung "Q-Check" von APA-Finance und Der Börsianer ab jetzt viermal jährlich
Wien (OTS) - Die EU werde alles daran setzen, das in eine akute
Schuldenkrise geschlitterte Griechenland zu retten, so das Fazit von
Fondsstrategen, Analysten und Ökonomen bei dem von APA-Finance und
"Der Börsianer" erstmals veranstalteten Expertenforum "Q-Check" am
Mittwochabend. "Die Gefahr eines Flächenbrands ist extrem groß",
glaubt der Erste-Sparinvest-Chefökonom Gerhard Winzer. Verunsicherte
Investoren könnten über Anleihenverkäufe Staatsanleihen weiter unter
Druck bringen.
Der C.A.-Cheuvreux-Chefanalyst Alfred Reisenberger sieht hingegen
keine Ansteckungsgefahr: "Jedes Land hat seine eigenen Probleme", so
Reisenberger. In Griechenland und den Sorgenkindern Spanien und
Portugal seien jeweils länderspezifische Gründe für die
Staatsschulden verantwortlich. Die EU werde jedenfalls alles daran
setzen, Griechenland zu retten, auch wenn es "500 Mrd. Euro kostet".
Auch Alfred Strebel, Chef von Fidelity International für
Österreich und die Schweiz, sieht keine akute Ansteckungsgefahr auf
andere Länder. Gefährlich werde es erst, wenn auch große
Volkswirtschaften wie die USA in Mitleidenschaft gezogen werden.
"Griechenland wird gerettet", weil man sich einen Zusammenbruch
Griechenlands gar nicht erlauben könne, glaubt der Experte. Leiden
würden unter dieser Rettungsaktion aber die Banken. "Man muss nachher
nicht nur die Länder, sondern auch die Banken aus dem Feuer holen",
so Strebel.
Eine nachhaltige Lösung sei dies allerdings nicht: "Wir leben in
einer künstlichen Welt", in der Branchen und Länder immer durch
staatliche Hilfsaktionen und ein Anwerfen der Notenpresse gerettet
werden. "Das ist ein ganz verrückter, ungesunder Kreislauf", glaubt
Strebel: "Man muss lernen, als Staat und als Individuum mit seinem
Haushalt umzugehen." Irgendwann werde man eine Lektion lernen müssen,
dies könne auch einen Staatskonkurs bedeuten, so Strebel.
Generell waren die Experten aber in ihren allgemeinen
Marktausblicken im Rahmen des Q-Check vorsichtig optimistisch. "Die
Erholung steht auf immer breiteren Beinen", glaubt der
Sparinvest-Ökonom Gerhard Winzer. Damit sinke die Unsicherheit für
risikobehaftete Papiere wie Aktien. Die Konjunkturerholung sei aber
noch nicht selbsttragend, sondern benötige weiter expansive
Geldpolitik als Unterstützung.
Vorerst bleiben werden als "Vermächtnis der Krise" ein schwacher
Arbeitsmarkt und steigende Staatsschulden. Die damit nötigen
Steuererhöhungen und staatlichen Einsparungen werden in vielen
Ländern auch die Inflation niedrig halten. In der Euro-Zone dürfte
dies den Euro bis auf 1,20 Dollar drücken, glaubt Winzer. In vielen
Emerging Markets wird Inflation hingegen ein zentrales Thema sein.
Der Cheuvreux-Chefanalyst Reisenberger sieht die heimischen
Unternehmen gut für die künftigen Herausforderungen aufgestellt. "Die
österreichischen Unternehmen haben ihre Hausaufgaben gemacht", so
Reisenberger. Die Unternehmensgewinne dürften damit in den kommenden
Quartalen deutlich steigen und auch dem Wiener Aktienindex ATX eine
solide Performance bescheren.
Der Franklin Templeton Investments-Experte Horst Mathä ortet
großes Potenzial für die künftigen Wachstumsmärkte, sogenannte
"frontier markets" - Märkte mit noch sehr niedrigem, aber vor einem
Wachstumsschub stehenden Einkommen und sehr volatilem Wachstum.
Attraktiv sei etwa Kasachstan auf Grund seiner Rohstoffe. "93 von 105
Elemente des Periodensystems können in der kasachischen Erde gefunden
werden", so Mathä.
Auch der BAWAG-PSK-Vorstand Peter Pavlicek ortet großes Potenzial
für Rohstoffe. Aber auch an den Aktienmärkten gebe es noch
Möglichkeiten, viele Anleger seien hier auf den Erholungszug noch gar
nicht aufgesprungen, so Pavlicek.
Vorsichtig optimistisch ist auch Strebel von Fidelity. Die
Gewinndynamik der Konjunkturerholung und der geldpolitische Stimulus
sollten die Börsen weiter stützen. Das Szenario eines Double-Dip,
also eines zweiten Abrutschens in Rezession und Börsencrashs,
bezifferte der Experte im Rahmen des "Q-Check" nur mit einer
Wahrscheinlichkeit von 20 Prozent.
Der von APA-Finance, der Finanznachrichtenagentur der APA, und dem
Börsenmedium "Der Börsianer.com", veranstaltete "Q-Check"
(Quartals-Check) lädt die Finanzcommunity viermal jährlich zum
fachlichen Austausch über Entwicklungen an den Finanzmärkten. "Wir
wollen mit dem Q-Check eine professionelle Plattform für die
Finanzcommunity in Österreich etablieren", erklärt APA-Finance-Chef
Wolfgang Nedomansky bei der Auftaktveranstaltung am Mittwochabend.
Gerade in Krisenzeiten sei eine "unabhängige, neutrale
Kommunikations-Plattform über Unternehmensgrenzen hinweg" extrem
wichtig, sind sich Börsianer-Geschäftsführer Dominik Hojas und
Nedomansky einig.
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Rückfragehinweis:
Dominik Hojas Chefredakteur DER BÖRSIANER Tel.: +43/699/13359370 mailto:[email protected] www.derboersianer.com Barbara Rauchwarter Unternehmenssprecherin Leiterin Marketing & Kommunikation APA - Austria Presse Agentur Tel.: +43/1/360 60-5700 [email protected] www.apa.at
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