• 29.04.2010, 13:51:08
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ÖGV fordert Ende des Kündigungsschutzes für Lehrlinge und Behinderte

Wien (OTS) - Margarete Kriz-Zwittkovits, die Präsidentin des
Österreichischen Gewerbevereins, präsentierte heute ein
detailliertes Konzept, das den Auswirkungen der Finanzkrise
gegensteuern soll. Diese Krise erfordere vor allem ein tabuloses
Umdenken auf dem Arbeitsmarkt, verlangte sie in einem Referat vor "Go
Ahead". Die strengen Schutzbestimmungen für bestimmte Gruppen
verschlechtern die Chancen gerade dieser Gruppen auf dem Arbeitsmarkt
- aber auch die Wettbewerbsfähigkeit der österreichischen Wirtschaft.
Sie sollten daher außer Kraft gesetzt werden.

Insbesondere forderte Kriz-Zwittkovits die Abschaffung des
Kündigungsschutzes für Lehrlinge. "Denn viele Betriebe sind wegen
dieses Kündigungsschutzes nicht mehr bereit, Lehrlinge auszubilden."
Die bisherigen Maßnahmen zur Vermehrung der Lehrstellen wie
Förderungen oder eine Verlängerung der Probezeit seien völlig
unzureichend gewesen, um eine Reduktion des Lehrstellenmangels zu
erreichen.

Tausende Jugendliche müssen deshalb alljährlich in
außerbetriebliche Lehrwerkstätten ausweichen, die aber - so
Kriz-Zwittkovits - ein großes Finanzierungsproblem haben. Die
Lehrwerkstätten werden mit Geldern der Unternehmen in der Höhe von
0,2 Prozent der Lohnsumme über den Insolvenzfonds finanziert, "dessen
Mittel damit völlig zweckentfremdet eingesetzt werden".

"Das bedeutet im Klartext", so die ÖGV-Präsidentin, "dass
Betriebe, ohne dies zu wissen, durch zweckentfremdete Mittel
außerbetriebliche Institutionen finanzieren, ohne etwas davon zu
haben." Dies alles erfolge nur "um die zur reinen Fassade gewordenen
Schutzbestimmungen für Lehrlinge weiter aufrechtzuerhalten. Offenbar
ist es nur wichtig, dass die Statistik der versorgten Lehrlinge
stimmt."

Ähnliche Vorschläge zur Abschaffung von Schutzbestimmungen machte
Kriz-Zwittkovits auch für die Behinderten und für ältere
Arbeitskräfte. Bei allen Gruppen gelte: "Mehr Flexibilität auf dem
Arbeitsmarkt schafft mehr Jobs." Als Vorbild dieser Flexibilität
verwies sie auf das Verhalten der Familienbetriebe und der
mittelgroßen Betriebe in der Krise: Diese hätten durch
unternehmerische Flexibilität die Krise bisher viel besser
überstanden als Großbetriebe.

Die Klein- und Mittelbetriebe haben durch rasche innerbetriebliche
Maßnahmen, durch innovative Konzepte die Auftragsprobleme weitgehend
kompensiert und einen neuen Aufschwung vorbereitet, betonte
Kriz-Zwittkovits. "Warum soll dieses unternehmerische Erfolgsmodell
der Flexibilität nicht auch zur Lösung der Probleme auf dem
Arbeitsmarkt funktionieren?"

Zukunftstaugliche Entlohnungssysteme sollten einzig auf Leistung
und Können aufbauen, verlangte die ÖGV-Präsidentin. "Die Entlohnung
soll unabhängig von Geschlecht, Alter oder Vordienstzeiten erfolgen."
Wenn es nicht zu dieser Neuordnung komme, werden sich am Arbeitsmarkt
notgedrungen die neuen Spielregeln von selbst entwickeln:
Scheinselbständige, atypische Arbeitsverhältnisse oder Schwarzarbeit.
Um diese erfolgversprechenden Ideen auszutesten, könnte man, so
Kriz-Zwittkovits, die vorgeschlagene Liberalisierung zumindest auf
fünf Jahre befristet testen.

Rückfragehinweis:

Österreichischer Gewerbeverein
   Generalsekretär Mag.(FH) Stephan Blahut
   Tel: 01/587 3633
   Fax: 01/587 0192
   mailto: [email protected]
   http://www.gewerbeverein.at

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