- 28.04.2010, 15:28:55
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90 Prozent der wirtschaftskriminellen Vorfälle werden von Mitarbeitern begangen
Wien (OTS) - Fast 90 Prozent der Diebstähle, Veruntreuungen,
Geldwäsche und Bilanzfälschungen gehen auf das Konto eines
Mitarbeiters aus dem eigenen Unternehmen. Zu dieser Feststellung
gelangten am Dienstagabend die KPMG Forensik-Experten bei der
Veranstaltung "Chef, mir ist da etwas aufgefallen" des Young Leaders
Forum (YLF) in Wien.
Wirtschaftskriminelle Handlungen wie Zweckentfremdung von
Firmeneigentum oder Veruntreuungen kommen in Unternehmen häufiger vor
als gemeinhin angenommen: "Ich traue mich zu behaupten, dass es in
jedem Unternehmen in irgendeiner Form kriminelle Aktivitäten gibt.
Der Unterschied ist lediglich das Ausmaß und die Dimension", machte
Peter Ertl, Geschäftsführer der KPMG und Leiter des Bereiches Risk
Advisory Services, den jungen Führungskräften klar.
Aufgrund der Erfahrungen der KPMG bei wirtschaftskriminellen
Untersuchungen weltweit lässt sich folgendes Täterprofil aufzeigen:
"Der typische Wirtschaftskriminelle ist 35 bis 45 Jahre alt. Die
Täter sind zu 85 Prozent Männer, die meistens Einzeltäter sind. Nur
20 Prozent kooperieren mit externen Komplizen", so Ertl.
Forensische Technologien zum Aufspüren der Täter spielen bei
internen Untersuchungen eine wichtige Rolle. Diese kommen als
Software für die Visualisierung geschäftlicher Zusammenhänge oder bei
der Beweissicherung zum Einsatz, erläuterte Dieter Stangl-Krieger von
der Forensik-Services Abteilung der KPMG in seinem Vortrag. Zur
Überprüfung der gesamten Unternehmenssoftware eines
durchschnittlichen Unternehmens, etwa zehn Terabyte, ist aufgrund
modernster Technologien maximal eine Woche nötig. Um die Aufenthalte
von Personen zu eruieren, greifen die Forensiker aber auch manchmal
auf einfachere Mittel wie etwa XING oder Facebook zurück.
Diskutiert wurden bei der Veranstaltung neben der Etablierung
ausreichender interner Kontroll-Systeme zur Prävention auch das
aktive Anbieten von Hinweisgebersystemen im Unternehmen wie etwa
"Whistleblowing". Darunter versteht man die Möglichkeit zur anonymen
Meldung eines auffälligen Vorgangs im Unternehmen an eine unabhängige
Stelle in- oder außerhalb des Unternehmens. Die Bedeutung des
Whistleblowings als Element des Internen Kontrollsystems liegt laut
einer KPMG Studie auf der Hand: 25 Prozent der 360 untersuchten
wirtschaftskriminellen Fälle wurden aufgrund der Informationen von
Hinweisgebern erkannt.
Der Beratungsbedarf im Bereich Forensik ist in den letzten Jahren
enorm gestiegen - nicht zuletzt aufgrund der allgemeinen
wirtschaftlichen Situation. Ein Umdenken ist vor allem bei der
Aufklärungswilligkeit der Unternehmen zu sehen, so die KPMG Experten.
In sehr vielen Fällen erfolgt die Beauftragung durch Aufsichtsräte.
Die Ergebnisse der Untersuchungen externer Experten bleiben nicht
ohne Konsequenzen: "In 50 Prozent der Fälle führt unsere Tätigkeit
sogar zu einem Wechsel in der Geschäftsführung oder im Vorstand",
erklärte Peter Ertl.
Das Forensik Services Team der KPMG besteht österreichweit aus 25
Experten aus den verschiedensten Bereichen: So arbeiten neben
Steuerberatern und Wirtschaftsprüfern auch IT-Experten sowie
forensische Fachkräfte, die sogenannten Certified Fraud Examiners, an
den Fällen.
Rückfragehinweis:
Christine Enzi, KPMG Austria GmbH
Tel: 01 / 31332 - 709, Mobil: 0664 816 1160, Email: [email protected]
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