Gouverneur Nowotny: "Wir befinden uns am Anfang vom Ende der Wirtschaftskrise"
In einem Vortag an der renommierten Princeton University analysierte Gouverneur Univ. Prof. Dr. Nowotny die bisherigen Erkenntnisse der aktuellen Weltwirtschaftskrise
Wien (OTS) - Das vielleicht beeindruckendste Element dieser Krise
war mit Sicherheit die rasante Geschwindigkeit, mit der der
wirtschaftliche Einbruch die Europäische Union bzw. Zentral-, Süd-
und Südosteuropa (CESEE) erfasst hat, hielt Gouverneur Nowotny
eingangs fest. Die mutig und rasch gesetzten Maßnahmen, sowohl auf
der fiskalpolitischen als auch auf der geldpolitischen Seite, haben
diese Geschwindigkeit abgebremst und zu einer wesentlichen
Stabilisierung beigetragen. Dennoch sehen wir gegenwärtig nicht auf
die Krise zurück. Wir befinden uns auch noch nicht an deren Ende.
Vielmehr handelt es sich um den Anfang vom Ende der Krise, so Dr.
Nowotny weiter.
Die aktuellen Konjunkturdaten zeigen zwar eine wirtschaftliche
Erholung an, jedoch ist das Bild ein sehr unterschiedliches. Während
für die USA, Japan bzw. Asien eine rapidere Rückkehr auf den
Wachstumspfad angezeigt ist, erholt sich der Euroraum etwas
moderater. Das Wachstum wird jedoch nicht ausreichen, um eine
Erholung auf dem Arbeitsmarkt herbeizuführen, führte Gouverneur
Nowotny weiter aus. Eine wesentliche Erkenntnis dieser
Wirtschaftskrise ist aber auch die Tatsache, dass die
wirtschaftspolitischen Akteure aus den Erfahrungen der Krise der 20er
und 30er Jahre gelernt haben.
Zum ersten Mal in der Geschichte, betonte Nowotny, haben
Zentralbanken ihre Geldpolitik global koordiniert. Wenngleich die
unterschiedlichen Maßnahmen, aber auch die unterschiedlichen
Reaktionsgeschwindigkeiten - beispielsweise im Falle der Federal
Reserve und der Europäischen Zentralbank (EZB) - den jeweiligen
Strukturen der Finanzmärkte zuzuordnen sind. Weiters aber haben die
Notenbanken auch Instrumente außerhalb des regulären Werkzeugkastens
eingesetzt, um zusätzliche geldpolitische Stimuli im Umfeld
historisch niedriger Zinssätze zu setzen.
Mittlerweile hat die EZB, so Gouverneur Nowotny weiter, bereits mit
einer behutsamen Exit-Strategie begonnen: Der Ausstieg aus der
Vergabe von längerfristigen Krediten an den Bankensektor hat bereits
begonnen, kurzfristige Kredite stehen aber weiterhin zur Verfügung.
Jedoch würde eine zu frühe Erhöhung der Leitzinssätze das zarte
Konjunkturpflänzchen abwürgen. Zudem gebe es derzeit weder
Inflations- noch Deflationsrisiken, so Nowotny.
Zurückkommend auf die Erfahrungen aus der heißen Phase der
Wirtschaftskrise bemerkte Gouverneur Nowotny, dass sich erfreulicher
Weise - nicht zuletzt dank der "Vienna Initiative" - all jene
Alarmnachrichten und öffentlichen Beunruhigungen in Sachen
CESEE-Region als falsch erwiesen haben.
Auch am Beispiel der raschen und koordinierten Hilfe zur Selbsthilfe
für Griechenland ist, so Gouverneur Nowotny am Ende seines Vortrags,
ersichtlich geworden wie reibungslos und zielsicher die aktuelle
Wirtschaftspolitik die anstehenden Probleme einer Lösung zuführe.
Eben genau die Erkenntnis der positiven Wirkung dieser inter- und
supranationalen Zusammenarbeit sei eine der augenfälligsten
Erfahrungen dieser jüngsten Wirtschaftskrise, so Gouverneur Nowotny
abschließend.
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