- 14.04.2010, 10:53:42
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1.000 chronisch kranke Kinder warten in Wien auf Therapie
Kürzung des Leistungsangebotes "alarmierend, beschämend und unverständlich"
Wien (OTS) - "Es ist höchst alarmierend, und es ist für eine
Weltstadt auch beschämend: Chronisch kranke Kinder und Jugendliche
sind in Wien oft mangelhaft versorgt. Gerade diejenigen, die
spezielle Therapien bräuchten, um ihren Lebensweg positiv gestalten
zu können, landen auf Wartelisten oder müssen überhaupt für einen
Therapieplatz abgewiesen werden" kritisieren die Österreichische Liga
für Kinder- und Jugendgesundheit und die Elterninitiative
"lobby4kids" diese unerträgliche Situation im Gesundheitsbereich.
Zahlen dazu hat Prim. Dr. Friedrich Brandstetter vom "Zentrum für
Entwicklungsförderung" im 22. Wiener Gemeindebezirk schon vor einem
Jahr vorgelegt: So stehen allein in den vier größten Ambulatorien in
Wien ungefähr 850 chronisch kranke Kinder monatelang auf Wartelisten.
Dazu kommen 600 bis 700 behandlungsbedürftige Kinder und Jugendliche
pro Jahr, die überhaupt abgewiesen werden müssen: "Bei Kindern mit
zum Teil schweren Entwicklungsstörungen oder Behinderungen wird zwar
rechtzeitig die Diagnose erstellt, die notwendigen Behandlungen
können aber oft erst mit unzumutbarer Verzögerung durchgeführt
werden." so Brandstetter, ärztlicher Leiter eines Ambulatoriums.
Selbst ein Kontrollamtsbericht der Stadt Wien zeigte diese
bedenkliche Entwicklung auf: "Im Betrachtungszeitraum der Jahre 2002
bis 2007 konnten bei einer Reihe dieser Einrichtungen zum Teil
mehrmonatige Wartezeiten und punktuell auch Aufnahmesperren
festgestellt werden, weshalb nicht von einem bedarfsgerechten
Leistungsangebot - insbesondere im therapeutischen Bereich -
ausgegangen werden konnte." Von einer daraufhin eingesetzten
Kommission der Stadt Wien sind bis heute keine Ergebnisse bekannt.
Die politisch Verantwortlichen wie zum Beispiel der Fonds Soziales
Wien und Gesundheits-Stadträtin Mag. Sonja Wehsely hätten das Angebot
sogar noch sukzessive gekürzt. Die Therapiekontingente vieler
Einrichtungen wurden heuer erstmals durch eine Deckelung eingefroren,
einige Institute geschlossen bzw. frühere Subventionszusagen nicht
eingehalten.
"Betroffene Eltern und Kinder leiden enorm unter dieser Situation.
Es ist oft ein unglaublicher Hürdenlauf, bis eine Familie für ihr
Kind die adäquate Therapie bekommt, sofern sie sich diese nicht -
zumindest teilweise - privat finanzieren kann." erklärt Mag. Dr.
Irene Promussas von der "lobby4kids" die "Zwei Klassen-Medizin". So
arbeiten in Wien rund 60 Institute in vergleichbaren
Aufgabenbereichen für Erwachsene gegenüber fünf Ambulatorien für
Kinder und Jugendliche. Auf der Homepage der Wiener Ärztekammer
erfährt man, dass es 56 FachärztInnen für Neurologie oder Psychiatrie
mit Kassenvertrag für Erwachsene gibt, aber nur drei (!) für
Neuropädiatrie oder Kinder- und Jugendpsychiatrie. Zu den mehr als
1.000 Kindern und Jugendlichen, die auf Therapie warten müssten,
komme aber auch noch der große Bereich der ebenfalls fehlenden
psychotherapeutischen und kinderpsychiatrischen Versorgung.
"Diese Situation ist für Wien und für Österreich
gesundheitspolitisch, aber auch volkswirtschaftlich völlig
unverständlich. Denn das, was eine Gesellschaft in die Gesundheit der
Kinder früh investiert, bekommt sie vielfach zurück!" fasst Prim.
Dr. Klaus Vavrik, Präsident der Österreichischen Liga für Kinder- und
Jugendgesundheit, abschließend zusammen.
Rückfragehinweis:
Elisabeth Schaffelhofer-Garcia Marquez,
Liga für Kinder- und Jugendgesundheit
Mobil: 0676/4528400, mailto:[email protected]
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