• 23.03.2010, 18:30:11
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WirtschaftsBlatt-Leitartikel: Leadership schaut anders aus - von Esther Mitterstieler

Das elfte Mal kann nicht sein, was nicht sein darf

Wien (OTS) - Es ist die elfte Wahlschlappe, die Bundeskanzler
Werner Faymann in den vergangenen zwei Jahren einstecken musste. Es
ist das elfte Mal, dass trotzdem nicht sein kann, was für SP-Chef
Faymann nicht sein darf: So sieht er sich nicht als Verantwortlichen
der herben Niederlage bei den steirischen Gemeinderatswahlen. Es
seien "verschiedenste Wahlmotive und lokale Besonderheiten
ausschlaggebend gewesen", heißt es da. Ob Gemeinderats-, Landtags-
oder Nationalratswahl: Nie konnte Faymann mit seiner Truppe zulegen -
und die Nationalratswahl 2008 nur gewinnen, weil die ÖVP noch
schlechter war. Erfolg schaut anders aus.

Schön wäre es dementsprechend, wenn ein Mann, der gerne noch acht
Jahre Kanzler bliebe, Leadership beweist. Sollte ein Leader nicht
hinter seinen Leuten stehen? Sollte ein Leader nicht Verantwortung
übernehmen - vor allem bei schmerzhaften Niederlagen? Besonders in
der Obersteiermark liefen der SPÖ die Wähler davon. In
Industrie-Hochburgen wie Kapfenberg rutschte das Ergebnis von 77 auf
57 Prozent. Das mag mit lokalen Phänomenen zusammenhängen; in
Voitsberg kommt das fette Minus (14 Prozent) wohl auch vom geplanten
Kohlenkraftwerk. Bei genauerem Hinschauen merkt man aber: Die SPÖ hat
wieder Kernwählerschichten verloren.

Ein Blick auf die vergangenen zehn Niederlagen zeigt: Weniger als 4,9
Prozentpunkte hat Faymann nie verloren, im schlechtesten Fall waren
es 13,4 Prozent. Jeder Top-Fußballtrainer hätte bei so einer
Negativserie schon lange den Hut nehmen müssen; ein Bundeskanzler
braucht das nicht.

Nach Gemeinderatswahlen mag das übertrieben sein; der Kanzler muss
nun über sein Lavieren als Grund der Misere nachdenken: Bloß
niemandem weh tun, ist die Devise. Damit beschädigt er sich selbst
und seine Partei. Die steirischen Landtagswahlen im Herbst sind schon
fast verloren, und Wien bleibt seine letzte große Hoffnung.Fakt ist:
Der Kanzler hat sich in den vergangenen Monaten gegenüber seinem
alles andere als glänzenden Koalitionspartner nicht durchsetzen
können. Die Konjunkturpakete nutzte er in der öffentlichen
Wahrnehmung ebenso wenig für sich wie die Bankensteuer. Josef Pröll
war ihm immer einen Schritt voraus, obwohl der bei der Bankensteuer
umgefallen ist. Überhaupt verkauft die ÖVP neuerdings einige
SP-Wirtschaftsideen für sich, etwa die Aversion gegen
Privatisierungen.

Fazit: Ändert man seine Meinung, muss man sie glaubhaft vertreten.
Das bringt Erfolg. Der Kanzler muss seine Botschaft klarer kundtun
und sonst Rudolf Hundstorfer ans Ruder lassen.

Rückfragehinweis:
Wirtschaftsblatt Verlag AG
Tel.: Tel.: 01/60117 / 300
mailto:[email protected]

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