- 22.03.2010, 14:35:09
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KURIER-Interview: Die evangelische Theologin Prof. Susanne Heine nimmt zum Missbrauch in der Katholischen Kirche Stellung
Wien (OTS) - In einem Interview mit dem KURIER nimmt erstmals eine
Theologin zur "Causa Prima" in der römisch-katholischen Kirche
Stellung: Prof. Susanne Heine, Vorstand des Institus für Praktische
Theologie und Religionspsychologie an der Evangelisch-Theologischen
Fakultät der Universität Wien, wirft dem Papst im Umgang mit dem
Missbrauchs-Skandal Zynismus vor: "Seine Aufforderung an die Täter,
Wiedergutmachung durch Gebet zu leisten, klingt, als wären da keine
beschädigten Menschen im Spiel." Heine fordert alle
Verantwortungsträger, in deren Diözesen Fälle von Missbrauch bekannt
geworden sind, zum Rücktritt auf - auch Papst Benedikt XVI. "Er ist
für die Gesamtkirche verantwortlich. Sein Rücktritt wäre ein Zeichen,
das die Glaubwürdigkeit fördern könnte."
Den Zölibat bezeichnet Heine als "nicht den Grundprinzipien des
Christentums zugehörig", die Kirche müsse ihr Verhältnis zur
Sexualität neu definieren, derzeit sei sie strukturiert "wie eine
Diktatur: Die höchste Tugend ist Gehorsam und Unterwerfung, also
nicht Disput und Vereinbarung" wie in den evangelischen Kirchen. Es
sei sehr befremdlich für sie, dass der Papst in dem am Samstag
veröffentlichten Schreiben Benedikts XVI. an die irischen Katholiken
den Missbrauch vielfach herunterspiele, indem er den Opfern Christus
vor Augen stelle, der "wie ihr die Wunden ungerechten Leidens trägt".
Sollen, so fragt die ordinierte evangelische Pfarrerin, die Opfer nun
ihr Leid geduldig ertragen wie Christus? Was den Umgang mit den
Tätern betrifft, sagt Heine, diese sollten lernen, mit ihrer
Sexualität so zurechtzukommen, dass sie keine Opfer mehr machen. Bei
sexuellem Missbrauch durch Priester wäre sie aber "ganz strikt": "So
jemand darf nicht mehr mit Kindern und Jugendlichen arbeiten." Zur
Situation in den katholischen Schulen heute - die bekannt gewordenen
Fälle liegen zum Teil Jahrzehnte zurück - kann sich Heine vorstellen,
dass in der Erziehung heute andere Maßstäbe angewandt werden, weil
sehr viele Priester und Laientheologen diesem System selber kritisch
gegenüberstünden. "Sie lehnen diese Strukturen ab. Und es ist jetzt
auch eine erhöhte Aufmerksamkeit da."
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