- 20.03.2010, 12:47:58
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Schönborn: "Papst-Brief ist von wünschenswerter Klarheit"
Missbrauchstäter müssen sich auch vor den "zuständigen Gerichten" verantworten - Bußgottesdienst am Mittwoch der Karwoche im Wiener Stephansdom
Wien (OTS) - Wien, 20.03.10 (PEW) "Der Brief des Papstes ist von
wünschenswerter Klarheit, er schreibt ihn als "Hirt der weltweiten
Kirche", wir können ihn eins zu eins auch als Brief an die Kirche in
Österreich lesen": Dies betonte Kardinal Christoph Schönborn am
Samstag im Gespräch mit dem "Pressedienst der Erzdiözese Wien".
Benedikt XVI. spreche in seinem Hirtenbrief nicht diplomatisch,
sondern ganz klar, "er ist von einer Offenheit und Direktheit, die
nichts verschleiert". Im Punkt 7 werde den Missbrauchstätern gesagt,
dass sie sich "vor dem allmächtigen Gott und vor den zuständigen
Gerichten" für ihre Taten verantworten müssen. Auch an die Bischöfe
und Ordensoberen sage der Papst ein klares Wort: "Kooperiert weiter
mit den staatlichen Behörden in ihrem Bereich. Das gilt auch für die
Ordensoberen".
Als berührend bezeichnete der Wiener Erzbischof den Passus des
Papstbriefs über die Begegnungen mit Opfern des sexuellen
Missbrauchs. Benedikt XVI. sage, dass er mehrfach seit seiner Wahl
Opfer sexuellen Missbrauchs getroffen habe (u.a. im Jahr 2008 in den
USA und in Australien) und dass er bereit sei, das auch in Zukunft zu
tun. Kardinal Schönborn zitierte die Worte des Papstes: "Ich habe mit
ihnen zusammen gesessen, habe ihre Geschichten gehört, ihr Leiden
wahrgenommen und mit ihnen und für sie gebetet".
Der Wiener Erzbischof erinnerte auch an die Formulierung Benedikts
XVI., dass die Kirche, "um von dieser tiefen Wunde zu genesen, die
schwere Sünde gegen schutzlose Kinder vor Gott und vor anderen offen
zugeben muss". Diese Anerkennung, "begleitet durch ernste Reue für
die Verletzung der Opfer und ihrer Familien", müsse zu einer
gemeinsamen Anstrengung führen, um den Schutz von Kindern vor
ähnlichen Verbrechen in Zukunft sicher zu stellen. Im Zeichen dieser
Reue wird am Mittwoch der Karwoche, 31. März, im Wiener Stephansdom
ein Bußgottesdienst stattfinden.
Der Brief des Papstes spreche auch die Enttäuschung und den Zorn
vieler Priester und engagierten Laien angesichts der
Missbrauchsvorfälle an, sagte Kardinal Schönborn ("Ich weiß, dass
viele von euch von der Art und Weise, wie diese Dinge von euren
Oberen behandelt wurden, enttäuscht, verwirrt und verärgert sind").
Darüberhinaus gebe es auch Hinweise auf die Notwendigkeit zur
Erforschung der Ursachen von sexuellem Missbrauch und Gewalt
gegenüber Kindern und Jugendlichen. In Österreich bestünden in diesem
Zusammenhang große Hoffnungen auf den "Runden Tisch", zu dem
Justizministerin Claudia Bandion-Ortner und Familien-Staatssekretärin
Christine Marek eingeladen haben, sagte Kardinal Schönborn. (forts
mgl)
Rückfragehinweis:
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