• 20.03.2010, 10:06:11
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"Als Kirche stellen wir uns eindeutig auf die Seite der Opfer"

Generalvikar Schuster: "Alle in der Kirche müssen zusammenwirken, damit sexueller Missbrauch aufgedeckt wird"

Wien (OTS) - Wien, 20.03.10 (PEW) "Als Kirche stellen wir uns
eindeutig auf die Seite der Opfer, wie Papst Benedikt XVI. und
Kardinal Christoph Schönborn mehrfach betont haben", heißt es in
einem Rundschreiben des Generalvikars der Erzdiözese Wien, Msgr.
Franz Schuster, zur Missbrauchsdiskussion. In dem Rundschreiben an
alle Pfarrer sowie an die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter der
Erzdiözese heißt es wörtlich: "Ich bin persönlich sehr betroffen über
jeden erwiesenen Missbrauch. Wir alle in der Kirche müssen nun
zusammenwirken, damit sexueller Missbrauch aufgedeckt, den Opfern
geholfen und die notwendige Konsequenz (bis hin zur Entlassung aus
dem priesterlichen bzw. haupt- oder ehrenamtlichen Dienst) für die
Täter gezogen wird". Insbesondere gehe es auch darum, in Zukunft
sexuellen Missbrauch in der Kirche überhaupt zu verhindern.

In der "Ombudsstelle für Opfer sexuellen Missbrauchs in der Kirche"
seien in den letzten Tagen viele Telefonate und Mails eingelangt,
berichtete der Generalvikar. Jeder einzelne Fall werde von den
Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern der Ombudsstelle geprüft. Im
Hinblick auf die Konsequenzen für die Täter sei die dafür eigens
eingerichtete Kommission beauftragt, die Fälle nochmals zu prüfen und
konkrete Vorschläge zu erstellen.

Im ORF-"Mittagsjournal" stellte Generalvikar Schuster klar, dass es
keine sang- und klanglose "Versetzung" von Tätern mehr gibt: "Wir
können einen Priester, bei dem es ein so schweres Vorkommnis gegeben
hat, nicht mehr im seelsorglichen Dienst einsetzen, insbesondere
nicht in der Kinder- und Jugendarbeit oder im Schuldienst. Das wäre
undenkbar". Denkbar sei allenfalls ein Einsatz im Bereich der
Verwaltung. In der Vergangenheit seien die Informationen zwischen
Diözesen oder zwischen Diözesen und Ordensgemeinschaften mitunter
nicht weitergegeben worden. Daher sei es dann leider auch manchmal
möglich gewesen, dass ein Priester wieder eingesetzt wurde, ohne über
seine Vorgeschichte genau Bescheid zu wissen.

Die "Ombudsstelle" arbeite unabhängig im Sinn einer Opferanwaltschaft
und sei beauftragt, jeder Meldung gewissenhaft nachzugehen,
unterstrich Schuster im Rundschreiben an die Pfarrer und kirchlichen
Mitarbeiter. Die Stelle biete den Opfern professionelle Hilfe und
Unterstützung und stehe jedem, der sich an sie wendet, zur Beratung
zur Verfügung. Wörtlich betonte der Wiener Generalvikar: "Wir alle
leiden unter dieser schwierigen Situation in der Kirche. Ich bin aber
überzeugt, dass uns diese Situation zu einer noch größeren Klarheit
im Umgang mit sexuellem Missbrauch verhelfen wird".

Generalvikar Schuster hatte auch beim Abschluss der 2.
Delegiertenversammlung von "Apostelgeschichte 2010" deutlich gemacht,
wie sehr er "die Trauer, die Sorge, die Betroffenheit" der Priester
und engagierten Laien über die Missbrauchsfälle teile. In diesem
Zusammenhang würdigte der Generalvikar die "Pionierarbeit" seines
Vorgängers Msgr. Helmut Schüller, der 1996 die "Ombudsstelle" als
unabhängige Einrichtung initiiert hatte. Zugleich erinnerte Schuster
an den 2006 veröffentlichten Maßnahmenkatalog der Erzdiözese Wien zur
"Verhinderung sexuellen Missbrauchs". Die darin enthaltenen
Verhaltensregeln für alle haupt- und ehrenamtlichen Mitarbeiterinnen
und Mitarbeiter der Erzdiözese Wien seien "verbindlich". (ende)

Rückfragehinweis:

Erzdiözese Wien, Öffentlichkeitsarbeit & Kommunikation
   Erich Leitenberger
   1010 Wien, Stephansplatz 4/7/1
   Tel: 01/51552-3591
   E-Mail: [email protected]
   http://presse.stephanscom.at

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