• 19.03.2010, 08:27:42
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WirtschaftsBlatt-Leitartikel: Eine Geschichte über den Supergau - von Wolfgang Unterhuber

Die nächste Krise lässt sich nicht verhindern

Wien (OTS) - Kennen Sie Bill Demchak? Nein? Demchak arbeitete 1997
bei J.P. Morgan und sah Folgendes: Eine Bank sitzt auf einem
Zehn-Millionen-Dollar-Kredit an ein Unternehmen, hat aber Zweifel an
dessen Zukunft. Gesucht wird ein Partner (Fondsgesellschaft), der
gegen eine Jahresgebühr von 100.000 Dollar das Risiko des
Kreditausfalls übernimmt beziehungsweise versichert. Kann das
Unternehmen nicht zahlen, zahlt die Fondsgesellschaft die zehn
Millionen an die Bank. Zahlt der Unternehmer hat die Bank nur
Einnahmen, abzüglich der 100.000. Dieser Austausch von
Verbindlichkeiten - vereinfacht auch Swap genannt - hilft den Banken,
ihre Risiken zu verteilen. Sie können die versicherten Außenstände
aus ihren Büchern streichen, denn sie erhalten, in der Theorie, ihr
Geld so oder so zurück und haben Mittel für immer neue Kredite frei.
Demchaks Leute werden die Swaps und die Verbriefung zusammenbringen.
Sie werden die Credit Swaps verbriefen und zur Grundlage von
Wertpapieren machen. Für diese Kernfusion wird sie die Finanzwelt
feiern.

Zwölf Jahre später geht man bei der Schweizer Großbank UBS daran,
intern und schonungslos den Grund für den Finanz-Supergau zu
ergründen. Fazit: Das eigene Management hatte zuwenig Fachwissen. Das
Gesamtrisiko wurde überhaupt nicht erfasst. Es war, wie Professor
Teodoro D. Cocca von der Linzer Kepler-Universität heute sagt, die
"Geschichte eines kompletten Versagens". Dazu kommt: Banken,
Aufsichtsbehörden und Ratingagenturen arbeiteten - und tun es noch -
mit denselben akademischen Risikomodellen. So multiplizieren und
stützen sich Fehler gegenseitig.

Beim nächsten G20-Gipfel werden die Köpfe rauchen. Eine globale
Superfinanzmarktaufsicht soll her, die einen Beinahe-Totalausfall des
Finanzsystems, wie er jetzt geschah, auf alle Zeiten verhindern soll.
Teodoro Cocca hat dazu eine klare Meinung: Es wird nicht klappen.
Schon allein, weil China nicht mitmachen wird. Auch sonst stünden
nationale Interessen über internationalen Lösungsansätzen. Es sei
eine große Illusion zu glauben, dass mit Kontrollen und Regulierungen
aller Art eine neuerliche Krise zu verhindern sei. Cocca hat Recht!

Die nächste Krise kommt bestimmt. Denn irgendwo sitzt bereits wieder
ein Bill Demchak und bastelt an einer neuen Bombe.

Rückfragehinweis:
WirtschaftsBlatt
Tel.: Redaktionstel.: (01) 60 117/305
http://www.wirtschaftsblatt.at

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