• 18.03.2010, 18:13:05
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"DER STANDARD"-Kommentar zu Preisabsprachen bei Speditionen: "Institutionalisierter Raub" von G.Strobl

Wien (OTS) - Da sage noch einer, die Wettbewerbsbehörde sei lahm
und das Kartellgericht zu zögerlich. Erst vor zwei Jahren wurde über
ein gesprengtes Aufzugskartell ein Bußgeld von 75 Millionen Euro
verhängt, im Vorjahr traf es die Telekom Austria mit einer Strafe von
1,5 Millionen. Jetzt könnte es den Spediteuren an die Geldtasche
gehen. Dann, wenn sich vor Gericht erhärtet, was die
Bundeswettbewerbsbehörde zu wissen glaubt: dass die Preise für den
Transport von Maschinenteilen, Holz oder Stückgut des Versandhandels
jahrelang abgesprochen wurden.
Die Spediteure streiten gar nicht ab, Absprachen getroffen zu haben.
Sie stehen allerdings auf dem Standpunkt, dass alles seine Ordnung
hatte. Schließlich habe man anlässlich des österreichischen
EU-Beitritts die Zusammenkünfte unter dem Namen
"Speditions-Sammellager-Konferenz" als "Bagatellkartell" angezeigt.
Nun kann man vieles behaupten, aber dass Preisabsprachen, in die mehr
als vierzig Speditionen involviert gewesen sein sollen - darunter die
Branchenführer inklusive der ÖBB-Tochter Rail Cargo Austria - eine
Bagatelle seien, ist schlicht Chuzpe. Höhere Preise, die sich als
Folge von Absprachen ergeben, treffen nicht nur Gewerbe- und
Industrie. Die Zeche für dieses Tun zahlen letztlich alle
Konsumenten, selbst wenn es nur um Absprachen über die Weitergabe der
Lkw-Maut geht. Insofern ist es höchste Zeit, den
institutionalisierten Raub ein für alle Mal zu stoppen.

Rückfragehinweis:
Der Standard, Tel.: (01) 531 70/445

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