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Wiener Zeitung: Leitartikel von Reinhard Göweil: "Kampf der Währungen"
Ausgabe vom 18. März 2010
Wien (OTS) - Die Wirtschaftskrise führt nun zu einem Kampf
zwischen den großen Exportnationen und den chronisch überschuldeten
Ländern (siehe nebenstehenden Gastkommentar.) Die einen behindern die
anderen damit im Aufholprozess.
Wieder einmal werden als Waffe dafür die Währungen eingesetzt: die
USA wollen Peking dazu bewegen, die Währung Yuan aufzuwerten, um
Chinas Export-Dampfwalze zu stoppen. Sogar der Weg zur
Welthandelsorganisation wird dabei erwogen. China verhalte sich
protektionistisch, so der Vorwurf.
Wer im Glashaus sitzt, sollte nicht mit Steinen werfen, immerhin
haben die USA gerade EADS (Airbus) ein Milliardengeschäft mit dem
amerikanischen Militär rüde gekappt.
Und in Europa reden die Deutschen die Eurozone schlecht, denn der
Berliner Exportwirtschaft kommt der schwache Euro sehr entgegen.
Bei den Weltwirtschaftstreffen stellen sich die mächtigen
Regierungschefs zwar hin und erklären, dass es keine exzessiven
Schwankungen im Währungsgefüge geben möge. Kaum zu Hause, wird
allerdings das Gegenteil gelebt.
Ob der freie Welthandel diese Krise überlebt, ist unsicherer denn je.
Für kleinere offene Volkswirtschaften wie Österreich sind dies keine
guten Nachrichten. Dass die deutsche Industrie alle anderen an die
Wand drückt, lässt die Wettbewerbsfähigkeit der anderen noch weiter
absacken, ohne dass diese schlechtere Leistungen böten. Fairer
Wettbewerb schaut anders aus.
Deutschland, China und den USA muss daher stärker auf die Finger
geklopft werden. Die bange Frage lautet: Wer soll das tun? Wer legt
sich mit den mächtigsten Ländern der Welt an? Frankreich, Russland,
Japan vielleicht - oder besser hoffentlich. Denn derzeit werden die
jeweiligen Währungen für sehr egoistische Ziele eingesetzt. Diese
Ziele stehen dem gewünschten Ausweg aus der Krise, einer größere
Balance der Weltwirtschaft, allerdings diametral entgegen.
Angeblich sind die Zentralbanken ja unabhängig. Es wäre an der Zeit,
dass die Chefs von EZB, Fed (USA) und chinesischer Zentralbank
klarmachen, dass Währungen das Gleichgewicht befördern sollen, und
nicht als Waffe gegen den jeweils anderen gedacht sind.
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