- 17.03.2010, 13:12:50
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Wienbibliothek erinnert mit Hugo Wolf an den "Genie-Kult"
Eröffnung am 18.3. um 19.00 Uhr - Zahlreiche Exponate und Hörbeispiele erinnern bis Anfang November an den Komponisten
Wien (OTS) - Richard Wagner, Gustav Mahler, zwei Schritte dahinter
Hugo Wolf (1860-1903): Die ab Freitag (19.3.) in der Wienbibliothek
bei freiem Eintritt zu sehende Schau "Hugo Wolf. Zum 150. Geburtstag"
erinnert mit vielerlei Liederausgaben, Briefen, Porträts, aber auch
mit Totenmaske und Wolfs Antiphonen (eine frühe Form von
Ohrenstöpseln) an den kapriziös-verschlossenen Komponisten, der vor
allem mit seinen Gedichte-Vertonungen von Eichendorf, Mörike und
Goethe musikalisch in Erinnerung geblieben ist. Kuratiert von den
beiden Wienbibliothek-Mitarbeitern Thomas Aigner (Leiter der
Musiksammlung) und Christian Mertens teilt sich die Schau bis Juni in
zwei Ausstellungsorte auf, ab Frühsommer kommt noch das Haus der
Musik dazu, wo es um den imaginierten Spanien-Bezug Wolfs geht. Die
Ausstellung läuft bis 5. November.
Im Ausstellungskabinett, das bis vor kurzem noch an die
Geschichte der Wiener Luftfahrt erinnert hat, steht vor allem das
gesellschaftliche Leben Wolfs im Mittelpunkt. Selbst aus bescheidenen
Verhältnissen aus dem heutigen Slowenien stammend, wurde Wolf fast
durchgehend von Mäzenen und Förderern unterstützt. Nach seiner
Einlieferung in eine Irrensanstalt im Jahr 1898 war es der 1897
gegründete Wiener Hugo Wolf-Verein, der sich mit Geldspenden bemühte,
das "verwirrte Genie" bis zu seinem Tod im Jahr 1903 in Wien zu
unterstützen. Wolf liegt in einem Ehrengrab am Wiener Zentralfriedhof
begraben.
Die Faszination des glühenden Wagner-Verehrers Wolf gründet sich
laut Aigner auf dessen musikalischer "Detail-Schönheit", die vor
allem in dessen Liedern zum Ausdruck kommt. Seine sehr starke
Wortorientierung machten Wolf zu einem sehr "deutschen Künstler", der
bis zur Skurillität auf die schnörkelose, "reine" Vertonung der
Gedichte achtete. Seiner Umwelt machte es Wolf nicht nur während
seiner kurzen, aber sehr intensiven Schaffensphasen schwer: seine
Wutausbrüche und sein Jähzorn, wie auch seine beißende Häme als
Musikkritiker des "Wiener Salonblattes" sind ebenso legendär wie
seine brieflich festgehaltene Feinfühligkeit, die das "Muhen der
Kühe" und das Vogelgezwitscher bei Landpartien als unerträglich
beschrieb. "Die guten Wiener haben nicht sonderlich empfindliche
Ohren", heißt es ebenfalls bei ihm, der ohne seine Antiphone kaum
existieren konnte.
Weitgereist war er nicht, erst nach seinem ersten
Krankheitsanfall - mit 18 Jahren zog sich Wolf eine schlussendlich
lebensbedrohliche Syphilis-Erkrankung zu - besuchte er Oberitalien im
Jahr 1898. Hierbei entwickelte er auch eine für das 19. Jahrhundert
nicht untypisch romantische "Süd-Begeisterung", die in seiner
Spanien-Beschäftigung, die neben seinem "Spanischen Liederbuch"
(1889) vor allem seine einzige fertig gestellte Oper "Der Corregidor"
(1896) umfasst, ihren Ausdruck fand. Ansonsten war Wolf eher im
süddeutschen Raum unterwegs, wo er auch zahlreiche Förderer und
Gönner besaß.
Der erste Hugo Wolf-Verein gründete sich 1897 in Berlin, ein
weiterer in Stuttgart kam gleichzeitig wie der Wiener Verein ein Jahr
später hinzu. Neben seinen 53 Mörike- und 51 Goethe-Vertonungen sind
von Wolf weitere 20 Kompositionen von Eichendorf erhalten. Privat
blieb Wolf Junggeselle, mit Melanie Köchert verband ihn eine enge
Freundschaft. Kurz nach Wolfs Tod verstarb auch Köchert. Zu seinen
weiteren Freunden und Unterstützern zählen unter anderem Oskar Grohe,
Rosa und Karl Mayreder und Hugo Faißt, die ebenso in der Ausstellung
ausführliche Erwähnung finden. Eine eigene Vitrine widmet sich auch
der Beziehung zu Gustav Mahler, mit dem er sich in jungen Wiener
Jahren eine Wohnung teilte. Mahlers Bestellung zum Hofoperndirektor
stieß bei Wolf zuerst auf ungeteilte Freude, nachdem aber sein
"Corregidor" zu seinen Lebzeiten nicht zur Aufführung kam - erst 1904
setzte Mahler den "Corregidor" auf den Opern-Spielplan - ,
verschlechterte sich deren Beziehung, die musikalisch gesehen, in
ihrem Wollen nach "reiner Musik", durchwegs Parallelen aufweist.
Hörbeispiele aus Wolfs Schaffen bietet die
Ausstellungsdependance in der Musiksammlung. Vier Stücke sind hier
abrufbar, in weiteren Vitrinen zeigt die Wienbibliothek wichtige
musikalische Beispiele aus dem Nachlass von Wolf, der historisch in
zwei Phasen an die Stadt Wien kam. Die erste erfolgte bald nach
dessen Tod, die zweite 1938, als der Richard-Wagner-Vereins, der
vorher den Bestand des Hugo Wolf-Verein nach dessen Auflösung
übernommen hatte, von den Nazis wiederum aufgelöst wurde.
Eröffnet wird die Schau morgen, Donnerstag 18.3., um 19.00 Uhr
im Lesesaal der Wienbibliothek. Zusammen mit Wienbibliothek-Leiterin
Sylvia Mattl-Wurm wird Thomas Aigner zur Ausstellung sprechen.
Musikalische Einspielungen von Wolf steuern Claire Parizot (Gesang)
und Istvan Bonyhadi (Klavier) bei. Zur Ausstellung wird im Juni ein
entsprechendes Begleitbuch erscheinen.
Wienbibliothek (8., Rathaus, Stiege 6, 1. Stock,
Ausstellungskabinett; Loos-Räume in der Musiksammlung der
Wienbibliothek, 1., Bartensteingasse 9): Hugo Wolf zum 150.
Geburtstag, Laufzeit: 19.3.-5.11.2010, Öffnungszeiten:
(Ausstellungskabinett): Mo-Do 9.00 - 18.30 Uhr, Fr 9.00-16.30 Uhr;
Loos-Räume: Mo-Fr 9.00-15.00 Uhr, Mi 9.00-18.30 Uhr, Infos auch:
www.wienbibliothek.at . (Schluss) hch
Rückfragehinweis:
PID-Rathauskorrespondenz:
www.wien.at/vtx/vtx-rk-xlink/
Wienbibliothek
Dr. Nina Linke
Telefon: 01 4000-84936
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