OTS0165 / 17.03.2010 / 12:41 / Channel: Politik / Aussender: Amt der Kärntner Landesregierung
Stichworte: Kärnten / Missbrauch / Politik / Ragger / Scheuch / Soziales


Missbrauchsfälle: Kärntner Landesregierung setzt erste Maßnahmen

Utl.: LHStv Scheuch und LR Ragger zu Missbrauchsvorwürfen: Umsetzung eines Maßnahmenkataloges dringend notwendig =


   Klagenfurt (OTS/LPD) - Als Reaktion auf die nicht abebbenden
Missbrauchsvorwürfe innerhalb und außerhalb der Kirche setzt jetzt
die Kärntner Landesregierung erste Maßnahmen. Das gaben heute,
Mittwoch, Schulreferent LHStv. Uwe Scheuch und Sozialreferent LR
Christian Ragger bekannt.
   "Im Schulbereich werden wir gemeinsam mit dem Sozialreferat die
Aufklärung und Information verstärken. Es gibt von mir die Weisung,
im Verdachtsfall sofort die Behörden einzuschalten, die
Schuluntersuchungen werden verschärft und mit den Eltern zusammen
wird ein Fragenkatalog zu Verhaltensauffälligkeiten erarbeitet", gab
Scheuch bekannt. Außerdem strebe man eine Serie von
Gesetzesverschärfungen an. "Opferhilfe muss eindeutig vor Täterschutz
gehen", so Scheuch.
   Scheuch kündigte weiters an, dass es im Landtag einen dringlichen
Antrag geben werde, der folgende Punkte umfassen soll: Anhebung des
Strafrahmens, Abschaffung der Verjährung, Einführung der
Anzeigepflicht, absolutes Berufsverbot einschlägig Verurteilter im
Betreuungs- und Erziehungsbereich, chemische Kastration im
Wiederholungsfall und keine vorzeitige Haftentlassung.
   Sozialreferent Ragger berichtete, dass die Anlaufstelle für
Missbrauchsopfer in der Kärntner Landesregierung erschreckende
Missbrauchsfälle in den letzten Tagen erhalten habe. Die konkreten
Tatbestände, welche der Hotline gemeldet wurden, werden
selbstverständlich nur anonymisiert zusammengefasst. "Es reicht von
Kindern, die eine Behinderung haben und in Schülerheimen missbraucht
wurden, bis hin zu zwei Schwestern, welche in den 80iger Jahren in
einem Schülerheim von einem Priester regelmäßig sexuell missbraucht
wurden. Eine Schwester wurde mit dieser schrecklichen Erfahrung nicht
fertig und hat sich das Leben genommen", berichtete Ragger.
   Das Schweigen werde jetzt leichter gebrochen, dank der
Unabhängigkeit der Ombudsstelle würden erschütternde Fälle ans
Tageslicht kommen. Es habe sich auch ein Betroffener gemeldet, der
vor Jahren wegen Kindesmissbrauchs die kirchliche Ombudsstelle in
Anspruch genommen hätte. Resultat: Nur eine Versetzung des Täters,
aber keine Einschaltung des Staatsanwalts. "Es muss alles aufgeklärt
werden. Dafür braucht es externe Fachleute, rechtzeitige Information
und eine nachhaltige Aufklärung, denn jeder Fall von Kindesmissbrauch
ist einer zuviel", meinten Scheuch und Ragger.
   Ragger appelliert an die Medien eindringlich, die Hotline der
Anlaufstelle des Landes Kärnten 0800 - 211390 nochmals zu
veröffentlichen, da diese Ombudsstelle anders als jene der Kirche
sei. "Der Unterschied zur Ombudsstelle der katholischen Kirchen ist,
dass wir eine genaue straf- und zivilrechtliche Prüfung durchführen
und hier eine erfahrene Psychotherapeutin fungiert, die in allen
Fällen vollkommen unabhängig und weisungsfrei agiert", so der
Sozialreferent.
   Auch im Sozialbereich wurden bereits erste Maßnahmen gesetzt. So
wurde veranlasst, dass sämtliche Jugendwohlfahrtseinrichtungen des
Landes Kärnten, einschließlich des Landesjugendheims, überprüft
werden. "Ich werde hinkünftig dafür Sorge tragen, dass, wenn es zu
Einstellungen im Bereich der Jugendwohlfahrt kommt, eine
psychologische Stellungnahme bzw. ein Gutachten abgegeben werden
muss, ob die pädagogische Person auch geeignet ist, mit Kinder
umzugehen", so Ragger.
   (Schluss)
Rückfragehinweis:
   Kärntner Landesregierung, Landespressedienst 
   Tel.: 05- 0536-22 852
   http://www.ktn.gv.at
	
							
												
							
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