OTS0299 / 16.03.2010 / 19:47
/ Channel: Politik
/ Aussender: Kärntner Tageszeitung
Stichworte:
Kirchen
/ Politik / Pressestimmen
Klagenfurt (OTS) - Was da jetzt wieder aus den Kirchenmauern hervorbricht, hat Symptomcharakter. In Missbrauch und Gewalt offenbart sich ein System, das von jeher als strikt hierarchisches und feudales definiert ist. Eine Struktur, deren Problem wahrhaftig nicht nur der Zölibat ist, sondern ihre undemokratische Organisation. Wen nimmt es wunder, dass Ausnützung von Autoritätsverhältnissen bis hin zu sexueller Gewalt und Erziehungssadismen dort gedeihen, wo bündische Machtkonzentration und Kadergehorsam dem Einzelnen als Losung ausgegeben werden? Zugleich verdankt der katholische Kirchenstaat in Wahrheit jenen seiner Vertreterinnen und Vertreter seine nach wie vor überwältigende Akzeptanz in der Bevölkerung, denen er sein Ohr zu leihen nicht gewillt ist: zur Selbstreflexion fähigen Priestern, die mit der ganzen Kraft ihrer Seele Mitmenschlichkeit leben; Ordensschwestern, die Gesundheitswesen und Pflege mittragen; beherzten Kritikern und quer denkenden Theologen. Sich ihrer Teilhabe konsequent zu entziehen hat Folgen, nicht erst jetzt.
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