Wien (OTS) - "Die europäische Landwirtschaft und
Lebensmittelproduktion muss frei von Gentechnik werden. Die Bauern
und Bäuerinnen müssen über Saatgut und die Diversität lokaler
Vielfalt direkten Einfluss zurückgewinnen. Die Zulassung der
Gen-Kartoffel Amflora im Schnellverfahren per Rundlaufbeschluss ist
ein Affront gegen die europäischen KonsumentInnen. Die Grünen
unterstützen daher die europäische Food-Declaration, die von den NGOs
erarbeitet wurde ", erklärt Wolfgang Pirklhuber,
Landwirtschaftssprecher der Grünen, anlässlich der heutigen
Anti-Amflora-Demonstration vor einer Supermarktkette in Wien .
Die Industrialisierung der Landwirtschaft und der
Lebensmittelproduktion hat in den letzten Jahrzehnten zu einer
massiven Arbeitsplatzvernichtung im ländlichen Raum beigetragen.
Gleichzeitig ist die Vielfalt lokaler Ernährungskulturen
zurückgedrängt und eine ungesunde Ernährungsweise, die reich an
Kalorien, Fett und Salz, jedoch arm an Obst, Gemüse und Getreide ist,
vorangetrieben worden. Der steigende Verluste an Biodiversität und
das internationale Lobbying der agroindustriellen
Gentechnik-Landwirtschaft sind nicht Lösung, sondern Ursache des
Problems: Auf der einen Seite eine wachsende Weltbevölkerung mit
steigendem Hunger, auf der anderen Seite immer mehr Menschen mit
chronischen Erkrankungen infolge falscher Ernährung. "Die
Agrarpolitik muss daher aus den Fängen der agroindustriellen
Interessen herausgelöst werden und ihrer Verantwortung gegenüber der
Gesellschaft gerecht werden", fordert Pirklhuber.
Der Weltagrarbericht "International Assessment of Agricultural
Sciene, Knowledge and Technology for Developement" (IAASTD) vom April
2008, der von der Weltbank initiiert und von den Vereinten Nationen
in Auftrag gegeben wurde, kommt zu folgendem Ergebnis: Es bedarf
eines radikalen und systematischen Wandels in der
landwirtschaftlichen Forschung, Entwicklung und Praxis, um den
Herausforderungen der Zukunft gewachsen zu sein ("Business as usual
is just not an option").
"Die industrielle Landwirtschaft in ihrer heutigen Form hat keine
Zukunft. Nicht Hightech und Gentechnik, sondern lokale Vielfalt und
regional angepasste Anbaumethoden bäuerlicher Landwirtschaft können
die Welt ernähren. Auch Agrartreibstoffe sind keine vertretbare
Option; effizientere, integrierte und dezentrale Formen der
Bio-Energiegewinnung (Strom und Wärme) dagegen sehr wohl. Gefordert
wird die Entwicklung einer neuen Agrarökologie, einer regionalen
Kreislaufwirtschaft und die Aufwertung des lokalen
Erfahrungswissens", erläutert Pirklhuber und weist darauf hin, dass
die Gentechnik-Kartoffel der Firma BASF ein antibiotikaresistentes
Marker-Gen enthält, das in der humanmedizinischen Therapie angewendet
wird und die Verbreitung von Resistenzgenen die Wirksamkeit der
Medikamente beeinträchtigen könnte. Der vormaligen EU-Kommission war
die "Kartoffel zu heiß" und sie hat den Fall an die Europäische
Arzneimittelagentur EMEA zur Beurteilung weitergeleitet. Die Prüfung
der EMEA unterstrich die Wichtigkeit der Antibiotika in der
humanmedizinischen Therapie, so Pirklhuber.
Auch sei im Falle eines Anbaues eine Ausbreitung der Kartoffel auf
die Nachbarfelder nicht auszuschließen. "Bei der Ernte bleiben
üblicherweise etliche Kartoffel im Boden, können im darauffolgenden
Jahr keimen und durch Erntemaschinen weiterverbreitet werden. Für
alle Bäuerinnen und Bauern, die sich für eine gentechnikfreie
Produktion entscheiden, ist das eine existenzielle Bedrohung", warnt
Pirklhuber. Die Grünen werden einen Entschließungsantrag auf ein
Importverbot für die Gentechnik-Kartoffel bei der nächsten
Plenarsitzung einbringen und werben für die Zustimmung der anderen
Fraktionen.
Rückfragehinweis:
Die Grünen
Tel.: +43-1 40110-6697
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