- 15.03.2010, 12:47:09
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AK: Psychische Belastungen in den Gesundheitsberufen stark im Steigen
Wien (OTS) - "Der ständig steigende Leistungsdruck im
Gesundheitswesen führt zu einer starken psychischen Belastung der
Beschäftigten", sagt AK Präsident Herbert Tumpel auf der heutigen
Veranstaltung "Warten auf Burn-out" in der AK Wien und fordert ein
rasches Gegensteuern: "Auf der einen Seite reden alle davon, dass
Arbeit nicht krank machen darf, auf der anderen wird zugesehen, wie
die Gesundheit der Beschäftigten immer mehr untergraben wird. Die
physischen Belastungen, der ständige Leistungsdruck und die
Spannungen im sozialen Umfeld. Das sind wesentliche Gründe für
nachfolgende psychische Erkrankungen." Es reichen daher auch nicht
symbolische Maßnahmen wie die Verteilung "gesunder Äpfel". Mehr als
die Hälfte der Beschäftigten in den Gesundheitsberufen geben an,
unter mindestens sechs beruflichen Belastungen zu leiden. In den
übrigen Berufen leiden die Beschäftigten "nur" unter mindestens zwei
psychische Belastungsfaktoren. "Die besonderen Belastungen dieser
Berufsgruppen ergeben sich durch das Zusammenfallen
arbeitsorganisatorischer Faktoren", erklärt die Vorsitzende des
Fachausschusses Gesundheitsberufe der AK Wien, Gerda Mostbauer.
Tumpel und Mostbauer verlangen eine bessere Gestaltung der
Arbeitsprozesse in den Gesundheitsberufen und eine gründliche
Evaluierung der krankmachenden Belastungen am Arbeitsplatz.
Spezielle und lange Arbeitszeiten, unregelmäßige Überstunden,
keine planbare Freizeit, großer Zeitdruck, mangelnde Vereinbarkeit
von Familie und Beruf, kulturelle Verschiedenheiten, verbale
Übergriffe, fordernden Patienten und Angehörige sowie körperliche
Anforderungen (Arbeitshaltung, Heben und Tragen, Infektionen etc.):
Das sind die besonderen Belastungen der Beschäftigten in den
Gesundheitsberufen.
Die Beschäftigten werden in diesem Umfeld vom Arbeitgeber allzuoft
allein gelassen. Aber auch von KollegInnen kommt nur wenig
Unterstützung. Die Betroffenen klagen über Belastungen durch
Personalnot, zu viel Bürokratie, Zeitdruck und beschweren sich über
den Führungsstil.
Hohes Burn-out-Risiko
Nach neueren Ergebnissen sind 25 Prozent der Beschäftigten im
Gesundheitssektor emotional erschöpft, über drei Prozent antriebslos
und knapp vier Prozent leistungsunfähig. Womit das Risiko des
Burn-out den alarmierenden Wert von über 30 Prozent im
Gesundheitswesen ausmacht.
Die aus diesen Belastungen entstehenden psychischen Krankheiten
sind Ursache für lange Krankenstände und Berufsunfähigkeit. So
beträgt die Krankenstandsdauer bei psychiatrischen Erkrankungen
durchschnittlich mehr als 31 Tage. Psychische Erkrankungen
verursachen jährliche volkswirtschaftliche Kosten von rund 7
Milliarden Euro in Österreich.
Die Neuzugänge in die Invaliditätspension haben sich - vor allem
wegen psychischer Erkrankungen - in den vergangenen zehn Jahren von
rund 15.000 auf über 30.100 mehr verdoppelt und etwa jeder Vierte ist
jünger als 50 Jahre.
Keine ausreichende Evaluierung der Gefahren
Auf betrieblicher Ebene werden seit mehr als zehn Jahren nach dem
ArbeitnehmerInnenschutzgesetz durch qualifizierte Experten
(Arbeitsmediziner, Arbeitspsychologen, Sicherheitsfachkräfte etc) die
betrieblichen Verhältnisse auf Gesundheitsgefahren evaluiert. Allzu
oft aber nur unzureichend und höchst unvollständig. Den
gesundheitlichen Schaden haben die Beschäftigten. Nach Auffassung der
AK ist die Umsetzung der gesetzlich geregelten Evaluierung mittels
dafür qualifizierter Experten (Arbeitspsychologen, Arbeitsmediziner)
in Unternehmen im Gesundheitswesen ein wichtiger Schritt zum Abbau
der körperlichen Erkrankungen. Auch eine verstärkte betriebliche
Gesundheitsförderung könnte einen wichtigen Beitrag zum Stressabbau
leisten, kommt in der Realität derzeit aber kaum zur Anwendung.
Gerade bei den psychisch belastenden Arbeiten der Gesundheitsberufe
ist aber die Prävention unverzichtbar.
Rückfragehinweis:
AK Wien Kommunikation
Thomas Angerer
Tel.: +43-1 501 65-2578
mailto:[email protected]
http://wien.arbeiterkammer.at
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