• 11.03.2010, 09:32:06
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Wirtschaftskammer: Jetzt Bologna-Prozess neu beleben

WKÖ-Bildungsexperte Landertshammer fordert neue Studienkonzepte mit realen Berufsbezügen - Festlegung von Studienplatzkapazitäten in Österreich dringend nötig

Wien (OTS/PWK209) - "Bologna hat Entwicklungspotenziale, wenn
man nur will", betont Michael Landertshammer, Leiter der Abteilung
für Bildungspolitik der Wirtschaftskammer Österreich (WKÖ),
angesichts des zehnjährigen Jubiläums des Bologna-Prozesses zur
Errichtung eines einheitlichen europäischen Hochschulraumes, das ab
heute, Donnerstag, Thema einer Konferenz von 46 europäischen
Bildungsminister in Wien und Budapest ist. "Zehn Jahre nach dem Start
ist es an der Zeit, den Bologna-Prozess mit neuem Leben zu erfüllen."

Richtig sei, dass die Umstellung auf die neue Studienarchitektur
nicht immer und überall geglückt ist - etwa, indem Bachelor- und
Masterstudien zu einem Zeitpunkt eingeführt wurden, als viele
Studienkommissionen bei ihren Studienplanüberarbeitungen schon "in
der Zielgraden" waren. "Doch es hilft uns nicht weiter, wenn sich die
Hochschulen und das Wissenschaftsministerium nun wechselseitig die
Schuld zuschreiben", so Landertshammer.

Die Erwartungen der Wirtschaft gerade was den
berufsqualifizierenden Erstabschluss Bachelor anlangt seien nach wie
vor sehr groß. Österreich habe hier schon beim Start des
Bologna-Prozesses im Vergleich zu anderen Ländern Aufholbedarf
gehabt, weshalb das Umdenken jetzt mitunter noch schwer falle.
"Während andere europäische Länder wie die Niederlande oder Irland
längst schon die höhere Berufsbildung auf tertiärem Niveau eingeführt
hatten, waren wir vor zehn Jahren gerade erst über die ersten
Gehversuche des Fachhochschulwesens hinausgekommen", so der
WKÖ-Bildungsexperte.

"Eine Erhöhung der 'Akademiker'-Quote durch ein simples 'Mehr vom
Gleichen' wird weder dem Bedarf der Wirtschaft noch den Interessen
der Studierenden gerecht", betont Landertshammer. "Etwa drei Viertel
aller Studierenden verbinden mit dem Studienabschluss die Absicht,
facheinschlägig berufstätig zu werden und das geht praktisch nur in
Abstimmung mit den Erfordernissen des Arbeitsmarktes." An der
Notwendigkeit, Studienplatzkapazitäten festzulegen, führt daher aus
Sicht der Wirtschaftskammer kein Weg vorbei. Die Ansätze der neuen
Ministerin seien hier "sehr positiv". Landertshammer: "Beatrix Karl
bekommt hier von uns die volle politische Unterstützung, denn es ist
bezeichnend, dass an den wissenschaftlichen Universitäten die Dinge
genau dort aus dem Ruder laufen, wo die Institute gezwungen sind,
jeden Studieninteressenten zuzulassen."

Bei Studien, denen reale berufliche Bezüge fehlen, die
arbeitsmarktpolitisch eher als sozial akzeptierte Alternative zur
Arbeitslosigkeit gelten bzw. mit hoher Wahrscheinlichkeit in prekäre
Beschäftigungsverhältnisse führen, solle die Rolle im Hochschulwesen
neu bestimmt und ihre Kapazitäten redimensioniert werden.

Gleichzeitig plädiert Landertshammer dafür, Bildungsangebote der
Hochschulen mit klaren Bezügen zu den wirtschaftlichen, technischen
und handwerklichen Berufsqualifizierungen der Sekundarstufe II
auszuweiten. Genau das müsse auch die Stoßrichtung bei der
Neubelebung des Bologna-Prozesses sein. "Wir brauchen zusätzliche,
innovative Studienangebote mit realem Berufsbezug - genau so, wie
wir sie bislang fast nur aus ausländischen Hochschulsystemen kennen",
so Landertshammer abschließend. (SR)

Rückfragehinweis:
Wirtschaftskammer Österreich, Abteilung für Bildungspolitik
Dr. Michael Landertshammer
Tel.: (+43) 0590 900-3573, F:(+43) 0590 900-261
mailto:[email protected]
http://wko.at/bp

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