Utl.: Steirer bei Kindersicherung am gewissenhaftesten, Burgenländer am
sorglosesten =
Wien (OTS) - Die meisten Kinder verunglücken im Straßenverkehr
nicht auf der Straße, sondern im Auto. Deshalb hat der ÖAMTC vor
Kindergärten und Schulen in ganz Österreich überprüft, wie es mit der
richtigen Kindersicherung im Auto bestellt ist. "Das Ergebnis der
Erhebung hat unsere schlimmsten Befürchtungen sogar noch
übertroffen", sagt ÖAMTC-Verkehrspsychologin Marion Seidenberger.
Österreichweit waren nur bei 60 Prozent der überprüften Autos die
Kinder richtig gesichert. "Diese Kids saßen in einem altersadäquaten
Kindersitz und waren darin ordnungsgemäß angegurtet", erklärt die
ÖAMTC-Expertin. "Außerdem öffneten sie richtigerweise den Gurt erst,
als das Auto zum Stillstand gekommen war." Im Burgenland konnte eine
richtige Kindersicherung in nur 47 Prozent der Fälle beobachtet
werden, was unter den neun Bundesländern das Schlusslicht bedeutet.
Immerhin 76 Prozent schafften die Steirer und schnitten somit
österreichweit "am besten" ab.
Bei 23 Prozent der Überprüfungen waren die Kinder unzulänglich,
nur mit dem Fahrzeuggurt gesichert. "Bei einer scharfen Bremsung kann
ein Volksschulkind schwere Bauch- und Halsverletzungen erleiden und
sogar aus dem Gurt rutschen", sagt die ÖAMTC-Expertin. In 17 Prozent
der beobachteten Fälle waren die Kinder komplett ungesichert.
Beobachtet wurde in den Kalenderwochen 08 und 09/2010 in allen
neun Bundesländern auf vier Standorten vor stark frequentierten
Schulen und Kindergärten. Als Zeitpunkt wurden die Stoßzeiten (Morgen
und Mittag) gewählt, zu denen die meisten Kids per Auto hingebracht
oder abgeholt werden.
Zwtl.: Ergebnisse der Erhebung in den Bundesländern (gerundet)
In Prozent: richtig gesichert / mit Gurt gesichert / nicht gesichert
Burgenland: 47 % / 21 % / 32 %
Wien: 48 % / 43 % / 9 %
Kärnten: 57 %/ 37 % / 6 %
Tirol: 61 %/ 6 % / 33 %
Niederösterreich: 65 % / 18 % / 17 %
Oberösterreich: 66 %/ 22 %/ 12 %
Salzburg: 66 %/ 28 %/ 6 %
Vorarlberg: 70 % / 23 % / 7 %
Steiermark: 76 %/ 9 % / 15 %
Österreich gesamt: 60 % / 23 % /17 %
Zwtl.: Was sind die Mankos bei der Kindersicherung
* Einige kleine Kinder in den überprüften Fahrzeugen saßen auf dem
Beifahrersitz, wo sie unzureichend gesichert absolut nichts verloren
haben. "Sie waren nur mit dem Fahrzeuggurt gesichert und hatten
teilweise ihre Schultaschen am Rücken", schildern die ÖAMTC-Tester.
Ein Glück für die Eltern, dass nur der ÖAMTC seine Erhebung
durchführte und das kein Polizist gesehen hat. Denn: Bei völlig
fehlender oder ganz falscher Kindersicherung droht eine polizeiliche
Anzeige. Die Strafen betragen 70 bis 100 Euro, daneben erfolgt eine
Eintragung im Führerschein-Vormerksystem.
* Einige Kinder knieten oder standen auf der Rücksitzbank, andere
purzelten komplett ungesichert durch das Auto, neben sich
ungesicherte Schultaschen, die bei einer Bremsung zum Wurfgeschoss
werden.
* Auch falsch verstandene Nachbarschaftshilfe wurde vom ÖAMTC
beobachtet, beispielsweise fünf Kinder, die auf einmal in einem
Kleinwagen ohne Kindersitze mitgeführt wurden.
* "Zu unserem Erstaunen zeigten Eltern, die ihre Kinder im Auto
nicht sichern, dann vor der Schule sehr viel
Verantwortungsbewusstsein, indem sie die Kinder persönlich über die
Straße führten", wundert sich die ÖAMTC-Verkehrspsychologin. Das kann
Gedankenlosigkeit oder Fehleinschätzung des Gefahrenpotenziales sein.
Vielleicht wollen auch manche Eltern vor den anderen gut dastehen. Es
zeigt vor allem, dass Eltern mehr Gefahr für Kinder auf dem Fußweg
erwarten als im "geschützten" Auto.
* Manche Eltern sichern ihre Kinder vorbildlich im Auto - und
begehen dann andere gefährliche Fehler. "Einige hielten das Auto so
an, dass ihre Sprösslinge auf der Fahrbahnseite aussteigen mussten.
Nicht auszudenken, wie das ausgeht, wenn sich ein anderes Auto
schnell nähert", sagt die ÖAMTC-Expertin.
* Es konnte auch beobachtet werden, dass Kinder vorzeitig den Gurt
lösten, ohne dass die Eltern auf das falsche Verhalten reagiert
hätten.
* "Der Apfel fällt nicht weit vom Stamm - viele Eltern waren
selbst nicht angeschnallt", schildert die ÖAMTC-Verkehrspsychologin.
Die Polizei kann in so einem Fall bei einer Anhaltung 35 Euro Strafe
vom Gurtmuffel kassieren.
"Bei ihrer Erhebung haben die ÖAMTC-Tester Dinge gesehen, die
nicht nur den Verkehrsvorschriften widersprechen, sondern jeden
verantwortungsvollen Menschen erschüttern müssen", sagt die
ÖAMTC-Expertin abschließend. "Es lässt sich auch keine Verbesserung
erkennen. Schon im Jahr 2001 hat der ÖAMTC eine ähnliche Erhebung
durchgeführt. Die aktuellen Ergebnisse unterscheiden sich von den
damaligen nur marginal."
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