Wien (OTS/PWK204) - "Psychische Erkrankungen sind inzwischen
einer der häufigsten Ursachen für Berufsunfähigkeit, Krankenstände
und Frühpensionierungen", sagte Martin Gleitsmann, Leiter der
Abteilung für Sozialpolitik und Gesundheit der Wirtschaftskammer
Österreich (WKÖ) und Mitbegründer der Plattform Gesundheitswirtschaft
Österreich, heute, Mittwoch, bei der Tagung "Moderne
Herausforderungen im Job" im Haus der Wirtschaft.
Die Krankenstandsdauer bei psychiatrischen Erkrankungen beträgt
durchschnittlich 31,4 Tage. Psychische Erkrankungen verursachen
jährliche volkswirtschaftliche Kosten von rund 7 Milliarden Euro in
Österreich. Weiters haben sich die Neuzugänge in die
Invaliditätspension - vor allem wegen psychischer Erkrankungen - in
den vergangenen zehn Jahren von 15.023 auf 30.111 verdoppelt und etwa
jeder Vierte ist jünger als 50 Jahre. "Diese Zahlen sind ein
Alarmsignal. Psychische Erkrankungen können viele Ursachen haben. Wir
müssen Gesundheitsförderungsmaßnahmen unter anderem auch in den
Betrieben forcieren", stellte Gleitsmann fest.
"Studien weisen für Investitionen in die betriebliche
Gesundheitsförderung (BGF) eine Win-Win-Win-Situation aus.
Arbeitnehmer bleiben langfristig gesund, motiviert und arbeitsfähig -
Mitarbeiter, Betriebe und Gesellschaft profitieren", untermauerte
Gleitsmann sein Eintreten für betriebliche Gesundheitsförderung mit
Zahlen: Die BGF bewirkt aufgrund ihres nachhaltigen Ansatzes eine
Senkung der Krankenstände um bis zu 25 Prozent und der Return of
investment (ROI) bei BGF-Maßnahmen liegt zwischen 1:2,5 und 1: 10,1.
"Jeder vierte EU-Bürger leidet unter arbeitsbedingtem Stress. Dies
kann die Leistung zwischen 20 und 40 Prozent verringern", mahnte
Gleitsmann Handlungsschritte ein: "Neben Ernährung, Bewegung und der
Gelegenheit zur Entspannung ist die soziale Gesundheit ein zentrales
Element für eine gedeihliche betriebliche Umgebung." Die Maßnahmen,
die im Rahmen von BGF gesetzt werden können, sind vielfältig. Dazu
gehören beispielsweise Pausengymnastik, Fitness-Gutscheine,
ergonomische Arbeitsplatzgestaltung, Schulungen in Methoden zur
Entspannung, Yoga-Kurse und gesundes Kantinenessen. "Erfolgreich
umgesetzte Gesundheitsprogramme machen sich durch niedrigere
Fluktuationsraten, einer hohen Zufriedenheit der Mitarbeiter, einem
besseren Betriebsklima und einer steigenden Produktivität bemerkbar",
so Gleitsmann.
Über moderne gesundheitspolitische Herausforderungen referierten
Christoph Hörhan, Leiter des Fonds Gesundes Österreich, Dennis Beck,
Geschäftsführer Wiener Gesundheitsförderung, Ulla Konrad, Präsidentin
des Berufsverband der Österreichischen PsychologInnen, und
Veranstalter der Tagung Gerhard Klicka, Geschäftsführer des Institut
für humanökologische Unternehmensführung.
Hörhan gibt zu bedenken: "Die Wirtschaftskrise hat den
Unternehmern einen eiskalten Wind entgegen geblasen. Bei Kälte werden
Werkstoffe härter. Das gilt auch für den Menschen. Viele Situationen
sind konfliktreicher geworden." Beck schließt sich dieser
Einschätzung an und mahnt wie auch Hörhan "möglichst rechtzeitig
Gegenstrategien zu entwickelt." Konrad zeigt sich unisono mit
Gleitsmann über die steigende Anzahl an Frühpensionierungen und
Krankenstandstagen besorgt: "Diese Zahlen müssen uns aufrütteln."
Klicka streicht jedoch hervor: "Die betriebliche Gesundheitsförderung
stand bei der Gründung des IBG im Jahr 1995 noch in den
Kinderschuhen. In den vergangenen Jahren ist ein Umdenkprozess in
Gang gesetzt worden." (AC)
Rückfragehinweis:
Wirtschaftskammer Österreich
Abteilung für Sozialpolitik und Gesundheit
Mag. MBA Dietmar K. Schuster
Tel.: +43 (0)5 90 900 3714
E-Mail: dietmar.schuster@wko.at
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