- 10.03.2010, 12:19:13
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Marek: Gewalt in der Familie und gegen Frauen vielerorts ein Tabu-Thema
Staatssekretärin präsentiert neuen Leitfaden "Gesundheitliche Versorgung gewaltbetroffener Frauen"
Wien (OTS/BMWFJ) - "Viele Opfer von Gewalt wenden sich um Hilfe an
eine Ärztin oder einen Arzt, geben aber die Ursachen für ihre
psychischen und/oder physischen Verletzungen nicht an, da Gewalt in
der Familie bzw. gegen Frauen vielerorts noch ein Tabu-Thema ist.
Daher ist es wichtig, dass alle Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter im
medizinischen Versorgungssystem besonders sensibilisiert sind und
mögliche Anzeichen rasch erkennen", betonte Christine Marek,
Staatssekretärin im Bundesministerium für Wirtschaft, Familie und
Jugend, als sie am Mittwoch gemeinsam mit Ärztekammerpräsident Walter
Dorner sowie Maria Rösslhumer, Geschäftsführerin des Vereins
"Autonome Österreichische Frauenhäuser" (AÖF) und Anneliese
Erdemgil-Brandstätter, Expertin im Bereich Schulung und Fortbildung
im Gesundheitswesen, den neuen Leitfaden "Gesundheitliche Versorgung
gewaltbetroffener Frauen" präsentierte.
"Dieser Leitfaden zielt darauf ab, die Kompetenz von Ärztinnen und
Ärzten, Hebammen und Gesundheits- und Krankenpflegekräften, die
wichtige Schnittstellen in der Interventionskette gegen häusliche
Gewalt sind, sowohl in Diagnostik und Therapie zu stärken als auch
die Dokumentation, die Beratung von und die Gesprächsführung mit
weiblichen Gewaltopfern zu verbessern", so Marek weiter. "Der
Leitfaden soll ihnen dabei helfen, Rückendeckung für die ersten
wichtigen Schritte aus dem Gewaltsystem und Unterstützung für die
betroffenen Frauen zu geben."
Dank des Engagements vieler Menschen werde dem Thema "Gewalt gegen
Frauen" in unserer Gesellschaft immer breitere Aufmerksamkeit
gewidmet, was in Österreich zu einer international vorbildhaften
Gewaltschutzgesetzgebung und zahlreichen Hilfsangeboten geführt habe.
Auch das Familienministerium fördere zahlreiche
Gewaltschutz-Einrichtungen, die von Gewalt betroffene Kinder und
Frauen aber auch Männer - als Opfer und Täter - in ihrer Not
unterstützen. Als Beispiel nannte die Familienstaatssekretärin die
"Plattform gegen die Gewalt in der Familie", bei der auch der Verein
Autonome Österreichische Frauenhäuser und viele andere Einrichtungen
dabei seien.
Besondere Bedeutung des Hausarztes
Auch Ärztekammerpräsident Walter Dorner sieht Ärztinnen und Ärzte
als primäre Ansprechpartner, nicht nur für alle gesundheitsrelevanten
medizinischen Fragen, sondern auch als erste Anlaufstelle für
sozial-familiäre Probleme: "Speziell dem Hausarzt kommt hier eine
besondere Bedeutung zu, ist er es doch, der meist nicht nur die
Patientin bzw. den Patienten sondern auch ihr/sein familiäres Umfeld
kennt." Es sei jedoch viel Fingerspitzengefühl erforderlich, um bei
einem Verdacht auf Gewalt gegen Frauen oder Kinder die richtige
Entscheidung zu treffen, denn: "Erweist sich ein Verdacht als
haltlos, ist das Vertrauensverhältnis zur Patientin und
wahrscheinlich zum gesamten familiären Umfeld nachhaltig gestört.
Zögert ein Arzt aber zu lange, geht wertvolle Zeit verloren - was
möglicherweise mit der Verlängerung des Martyriums für die
betroffenen Patientinnen einhergeht." Er persönlich sei jedenfalls
dafür, eher einmal zu viel als einmal zu wenig den Verdacht von
Gewalt gegen Frauen in die Überlegungen mit einzubeziehen.
Grundlage für die Aus- und Weiterbildung
Für Maria Rösslhumer, Geschäftsführerin des Vereins Autonome
Österreichische Frauenhäuser (AÖF), und Anneliese
Erdemgil-Brandstätter, Expertin im Bereich Schulung und Fortbildung
im Gesundheitswesen, ist der Leitfaden Grundlage für die Aus- und
Weiterbildung von Pflegepersonal und Medizinerinnen und Medizinern.
Da er allen in Gesundheitsberufen tätigen Personen umfassende
Informationen zur Diagnose, Dokumentation und zur Gesprächsführung
mit Gewaltopfern gibt, komme ihm besondere Bedeutung zu:
"Mitarbeiter/innen des Gesundheitswesens haben daher beim Erkennen
von Gewaltanwendung, für die Art der Hilfestellung und den Verlauf
der Unterstützung sowie für die Prävention weiterer Gewalttaten eine
zentrale Funktion. Weiters dient eine umfassende Befunderhebung,
Dokumentation und Spurensicherung auch der Aufklärung von
Gewalttaten, die häufig strafrechtliche Relevanz haben."
Der Leitfaden wurde von der Gesundheit Österreich GmbH (GÖG) im
Auftrag des damaligen Gesundheits- und Familienministeriums unter
Beiziehung von Expertinnen und Experten der Österreichischen
Ärztekammer, der medizinischen Fachgesellschaften, der Gesundheits-
und Krankenpflegeverbände, der Bundesministerien für Soziales,
Frauen, Justiz und Inneres sowie den frauenspezifischen Einrichtungen
entwickelt und jetzt im Auftrag des heutigen Bundesministeriums für
Wirtschaft, Familie und Jugend fertiggestellt. Er wurde zur
gesundheitlichen Versorgung von gewaltbetroffenen Frauen an alle
relevanten Abteilungen in den Spitälern aber auch an die
niedergelassenen Allgemeinmediziner/innen und Gynäkolog/innen
geschickt.
Rückfragehinweis:
Bundesministerium für Wirtschaft,Familie und Jugend Staatssekretariat: DI (FH) Lukas Pohl Tel.: +43 (01) 711 00-5838 Presseabteilung: Dr. Harald Hoyer +43 (01) 711 00-2058 [email protected] www.bmwfj.gv.at
Digitale Pressemappe: http://www.ots.at/pressemappe/48
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