OTS0146 / 09.03.2010 / 11:57 / Channel: Politik / Aussender: Verein Autonome Österreichische Frauenhäuser
Stichworte: Armut / Frauen / Gesellschaftspolitik / Hilfe / Soziales


Gewaltstatistik 2009: Armut und fehlende Perspektiven

Utl.: Jede vierte im Frauenhaus ohne Einkommen, Abhängigkeit fördert Gewalt =


   Wien (OTS) - Heuer ist das EU-Jahr gegen Armut und soziale
Ausgrenzung, daher möchten wir besonders auf die sozioökonomische
Situation von gewaltbetroffenen Frauen aufmerksam machen. Ein Viertel
aller Frauen, die 2009 in einem der 26 autonomen österreichischen
Frauenhäuser Schutz vor den Misshandlungen ihres Partners gesucht
haben, hatte beim Einzug ins Frauenhaus kein Einkommen. Das geht aus
der jüngsten Statistik der Frauenhäuser für das Jahr 2009 hervor. Nur
22 Prozent der Frauenhaus-Bewohnerinnen im Jahr 2009 hatten ein
Einkommen aus selbstständiger oder unselbstständiger Arbeit. Zwar
würden die Mitarbeiterinnen im Frauenhaus bei der Jobsuche und bei
den Anträgen für Sozialleistungen helfen, die finanzielle Situation
vieler Frauen, die im Frauenhaus Schutz suchten, sei aber dramatisch,
so Maria Rösslhumer, Geschäftsführerin des Vereins Autonome
Österreichische Frauenhäuser.
   "Auch Frauen mit Arbeit verdienen oft zu wenig zum Leben", erklärt
Rösslhumer. Frauen, die in ihrer Beziehung Gewalt erleben, gehörten
zu den am stärksten von Armut gefährdeten Gesellschaftsgruppen,
betont sie. Die erlebten Misshandlungen führten häufig zum
Jobverlust, die Trennung vom Gewalttäter bedeute für manche Frauen
zwar ein Ende der Gewalt aber gleichzeitig auch ein Leben als
Alleinerzieherin am Rande der Existenz.
   Gewalterfahrungen müssten deshalb bei der Armutsbekämpfung als
Risikofaktor Nummer eins von Frauen betrachtet werden. Frauen
bekommen Jobs oft nur im Gastgewerbe oder in Reinigungsfirmen mit
schlechter  Bezahlung und Arbeitsbedingungen, bei denen es keine
Möglichkeit einer Kinderbetreuung gibt.
   Vielen Frauenhausbewohnerinnen fehle es laut Rösslhumer nicht nur
an Geld, sondern auch an Qualifikationen. Besonders stark betroffen
seien Migrantinnen und obwohl in den Frauenhäusern alles getan werde,
um den Bewohnerinnen den Schritt in ein eigenständiges Leben ohne
Gewalt zu ermöglichen, stünden die Mitarbeiterinnen hier oft vor
unüberwindbaren Hürden.
   Insgesamt 1.598 Frauen und 1.565 Kinder haben 2009 in den 26
autonomen österreichischen Frauenhäusern Schutz und Unterkunft
gefunden. Diese Zahl hat sich in den vergangenen Jahren nur
geringfügig geändert. Der Bedarf an sicheren Plätzen im Frauenhaus
sei nach wie vor groß. Diskussionen wie jene um die Schließung des
Frauenhauses Hallein ist deshalb nicht nur unverständlich, sondern
fahrlässig, nimmt Rösslhumer auf die jüngsten Ereignisse im Land
Salzburg Bezug.
   Die Statistik der autonomen österreichischen Frauenhäuser 2009
steht auf www.aoef.at als Download zur Verfügung.
Rückfragehinweis:
   Mag.a Maria Rösslhumer
   Tel. 01/544 08 20
   maria.rösslhumer@aoef.at
http://www.ots.at/pressemappe/899
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