• 08.03.2010, 08:39:24
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WirtschaftsBlatt-Leitartikel: Österreich, Heimat großer Menschen - von Esther Mitterstieler

Frauen haben's schwerer - egal, ob mit oder ohne Kind

Wien (OTS) - Erinnern Sie sich an die Diskussion nach der
Neuinterpretation der Bundeshymne für eine Bildungsreform-Kampagne
durch Christina Stürmer? Sie hat den Satz "Heimat bist Du großer
Söhne" mit dem Zusatz "und Töchter" bereichert und ein erstaunliches
rechtliches Hickhack ausgelöst - besonders aus
gesellschaftspolitischer Sicht. Und das im 21. Jahrhundert.

Ein Blick auf mehrere aktuelle Studien belegt: Geht es um die
Gleichberechtigung von Frauen, ist Österreich ein Entwicklungsland.
Okay, schon Winston Churchill glaubte nur den Statistiken, die er
selbst gefälscht hatte. Aber die Studien kommen aus den
verschiedensten Ecken und untermauern ausnahmslos unsere
gesellschaftliche Trägheit, Situationen verändern zu wollen. Im
"Gender Gap Report" des World Economic Forum liegt Österreich an
Stelle 103 von 134, vergleicht man die Geschlechter aus ökonomischer
Sicht. In nur 18 der 200 Top-Unternehmen ist zumindest eine Frau
sowohl in Geschäftsführung bzw. Vorstand und Aufsichtsrat vertreten,
besagt eine Studie der Arbeiterkammer.

Ich bin prinzipiell gegen Regulierungen, aber ohne Quote etwa für die
Bestellung von Aufsichtsräten werden wir so schnell keine Änderung
erreichen. Der Staat sollte auch die Vergabe öffentlicher Aufträge an
Frauenquoten in Unternehmen koppeln. Und bitte keine Diskussion um
Quotenfrauen: Es gibt genug Männer, die auf dem Chefsessel sitzen,
nur weil sie Männer sind.

Noch ein Faktum: Frauen verdienen weniger - unabhängig von ihrer
Funktion. Manager streichen pro Jahr im Schnitt 121.220 Euro brutto
ein, Frauen nur 85.170 Euro, zeigt eine Triconsult-Studie im Auftrag
des Wirtschaftsforums der Führungskräfte. Laut einer WU-Studie kommen
auch Frauen, die keine Kinder haben, schwer weiter auf der
Karriereleiter. Es stimmt: Frauen, meist Mütter, arbeiten öfter
Teilzeit als Männer - aber nicht immer freiwillig. Sie tragen die
Hauptlast für Kinder und Haushalt - eine logische Folge aus den
Gehaltsdifferenzen zwischen Mann und Frau. Flexiblere
Kinderbetreuungen würde Eltern das Leben erleichtern. Es ist etwas
faul in dieser Heimat großer Söhne (sic!). Das ist schade, weil wir
großes Potenzial verschwenden und leichtfertig auf gut ausgebildete
Menschen (Frauen) in der Wirtschaft verzichten.

Übrigens: Eine Ifes-Umfrage im Auftrag des WirtschaftsBlatt zeigt
eine erfreuliche Tendenz: 2007 hatten wir 14 Prozent Leserinnen,
jetzt sind es 23 Prozent - ich hoffe, möglichst viele in
Chefposition. Die Hoffnung stirbt zuletzt, bald in der Heimat großer
Menschen anzukommen.

Rückfragehinweis:
WirtschaftsBlatt
Tel.: Redaktionstel.: (01) 60 117/305
http://www.wirtschaftsblatt.at

Digitale Pressemappe: http://www.ots.at/pressemappe/236

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