• 05.03.2010, 10:48:54
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Plassnik: "Raus aus dem Fraueneck!"

Frauenanliegen müssen ins Zentrum der Politik, fordert die Sonderbeauftragte für internationale Frauenfragen

Wien (OTS) - "Die Bilder aus den verschiedensten Ecken unseres
Weltdorfes sprechen für sich: Gewalt, Not, Rechtlosigkeit,
Diskriminierung, Demütigung. Auch am Internationalen Frauentag 2010
gibt der Blick über den Globus aus der Sicht der Frauen wenig Anlass
zur Zufriedenheit oder gar Freude. Die Fortschritte bei der
Verbesserung konkreter Lebensbedingungen von Frauen und Mädchen sind
insgesamt bescheiden. Die Umsetzungsbilanz gerade der frauenbezogenen
Milleniums-Entwicklungsziele der UNO zeigt weiterhin riesige
Defizite. Im Kampf um ihre grundlegendsten Rechte und Freiheiten
sowie um den Zugang zu Bildung, Gesundheitsdiensten und Finanzmitteln
stoßen Frauen in vielen Ländern immer noch auf Mauern der Abwehr.
Hier brauchen wir international einen Bewusstseinsschub und den
konsequenten Einsatz der Regierungen."

"Der schlimmste Feind der Frauen ist vielfach das Schweigen. So
gehört weltweit etwa die Gewalt gegen Frauen immer noch zur dunklen
Materie unserer Gesellschaften, über die wir keine klare Datenlage
haben. Selbst dort, wo es in unseren Breiten bisher kontinuierliche
Erfolge gab - etwa beim Frauenanteil im Parlament oder Top-Positionen
in der Wirtschaft - gibt es Stillstand oder gar Rückschritte", so
Ursula Plassnik, Abgeordnete zum Nationalrat und Sonderbeauftragte
des Außenministeriums für internationale Frauenfragen.

"Macht ist bis heute überwiegend männlich definiert. Frauen
mussten und müssen Selbstverständliches jeweils gegen hartnäckige
Widerstände, gegen Anfeindung oder offene Schmähung erkämpfen. Daran
hat sich seit Einführung des Internationalen Frauentages vor nunmehr
100 Jahren viel zu wenig geändert. Im Kern geht es weiterhin um
Eines: Frauenrechte sind Menschenrechte. Dies zum Grundprinzip des
Alltags auf allen Ebenen zu machen, muss im 21. Jahrhundert endlich
eine zentrale Aufgabe der Politik werden - in Europa und in der
ganzen Welt. Starke Männer machen dieses Anliegen zu ihrem eigenen."

Plassnik weiter: "Wir müssen gesellschaftliche Akzeptanz dafür
schaffen, dass sogenannte Frauenanliegen in Wirklichkeit Anliegen der
gesamten Gesellschaft sind. Es geht nicht um einen Zweikampf Frauen
gegen Männer oder umgekehrt. Es geht darum, gemeinsam auf allen
Ebenen für eine gerechtere Welt zu arbeiten, in der nicht 50% der
Bevölkerung zur Seite geschoben werden. Im Grunde gibt es kein reines
`Frauenthema` - weder Kinderbetreuungsmöglichkeiten noch Gewalt gegen
Frauen. Es ist ein demokratisches Grundanliegen, dass Frauen wie
Männer gleichberechtigt an der Zukunft unserer Gesellschaft mitwirken
können. Wie auch die Qualität der Ergebnisse nicht nur in Wirtschaft
sondern auch in Politik und Gesellschaft mit der Einbeziehung von
Frauen steigt."

Die Sonderbeauftragte mahnt: "Wir werden die Herausforderungen der
Zukunft nur gemeinsam bewältigen können, Frauen und Männer. Das gilt
daheim in den Gemeinden, in unserem Land, in Europa und im Weltdorf.
Das Motto muss sein "gleichwertig, nicht gleichartig". Frauen bringen
andere Sichtweisen, Erfahrungen und Fähigkeiten ein. Wir müssen
schneller lernen, die Unterschiedlichkeit der Geschlechter nicht als
Bausteine für Trennwände sondern als Stärkungschance zu nützen. Den
globalen Problemen können wir wirksam nur begegnen, wenn wir auch im
öffentlichen Bereich das Potential und die Energie der weiblichen
Hälfte der Weltbevölkerung mobilisieren."

"Es gibt keinen Grund für Selbstgefälligkeit. Auch in Europa ist
die Diskriminierung von Frauen noch vielfältige Realität, ob bei
Gehaltsunterschieden oder Aufstiegschancen. Das zeigt
dankenswerterweise die spanische EU-Ratspräsidentschaft auf. Auch bei
uns werden antiquierte Rollenbilder noch zu oft in Werbung, Medien
und Politik transportiert und als Maßstab des Verhaltens akzeptiert.
Damit leistet eine Gesellschaft letztlich einem freiwilligen Verzicht
auf wichtige Ressourcen Vorschub und beraubt sich wichtiger
Zukunftschancen."

Die Sonderbeauftragte abschließend: "Unsere Kinder dürfen nicht
länger erleben, dass die Frauen allein dafür kämpfen, respektiert und
ernst genommen zu werden. Sie brauchen Männer, die Unrecht gegen
Frauen, ihre offene und verdeckte Diskriminierung konsequent
aufzeigen und sich für ihre Überwindung einsetzen. Couragierte Männer
müssen sich auch der Duldung der Schlechterbehandlung von Frauen
unter dem Vorwand religiöser oder gesellschaftlicher Traditionen
öffentlich hörbar widersetzen. Wir brauchen keine `Macho-Zonen` mit
80 oder 90 prozentiger Männerquote mehr. Ermutigen wir deshalb
Frauen, Verantwortung in bisher männlich dominierten Macht-Biotopen
zu übernehmen. Ermutigen wir Frauen, wichtige Anliegen zu
thematisieren und sich an der Arbeit an Lösungen zu beteiligen. Daher
sollte im 21. Jahrhundert zur Selbstverständlichkeit werden: Raus aus
dem Fraueneck und rein in die Mitte der Gesellschaft!"

Rückfragehinweis:

Digitale Pressemappe: http://www.ots.at/pressemappe/42

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