• 05.03.2010, 09:22:49
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AK Studie zu Unternehmensführung in Österreich: Reine Männerwirtschaft

Gerade einmal jede zwanzigste GeschäftsführerIn in den Top 200 Unternehmen ist weiblich, nur jedes zehnte Aufsichtsratsmandat wird von einer Frau bekleidet

Wien (OTS) - In den Führungsetagen österreichischer Unternehmen
sitzen auch im Jahr 2010 fast ausschließlich Männer, das zeigt eine
aktuelle AK-Untersuchung der Top 200 österreichischen
Kapitalgesellschaften. Der Frauenanteil in der Geschäftsführung liegt
demnach nur bei 5,3 Prozent - das sind lediglich 33 Frauen von
insgesamt 627 GeschäftsführerInnen. Nur jedes zehnte
Aufsichtsratsmitglied ist weiblich: Unter den KapitalvertreterInnen
liegt die Frauenquote überhaupt nur bei sechs Prozent. Im Vergleich
dazu ist der Frauenanteil in den Reihen der Arbeitnehmervertretung
der Top 200 Unternehmen mit 18,7 Prozent mehr als drei Mal so hoch.
Auch in den börsennotierten Unternehmen bleiben Frauen in Führung und
Kontrolle stark unterrepräsentiert: In den ATX Unternehmen sind
lediglich 4,7 Prozent an der Geschäftsführung beteiligt, in den
Unternehmen des Prime Markets liegt der Frauenanteil überhaupt nur
bei drei Prozent: "Die bisher übliche freiwillige Selbstverpflichtung
der Unternehmen führte einzig dazu, dass Österreich international zu
den Schlusslichtern zählt und gemeinsam mit Ländern wie Griechenland,
Italien, Portugal und Luxemburg die niedrigsten Frauenanteile in
Führungspositionen aufweist. Für eine echte Trendwende braucht es -
wie das Beispiel Norwegen zeigt - gesetzlich verbindliche Regelungen
mit deutlichen Sanktionen", fordert Heinz Leitsmüller, Leiter der
Abteilung Betriebswirtschaft in der AK Wien.

Die Arbeiterkammer Wien untersuchte im Februar 2010 den Anteil von
Frauen in den Geschäftsführungen und Aufsichtsräten der Top 200
Unternehmen Österreichs (AG und GmbH) sowie die Führungsgremien in
den börsennotierten Unternehmen des ATX sowie des Prime Markets.

Ungebrochene Männerdominanz in Führungsetagen
In jedem dritten Unternehmen sind Frauen in keiner Art und Weise an
der obersten Führung beteiligt, nur in 18 der 200 Top Unternehmen
Österreichs ist sowohl in Geschäftsführung bzw. Vorstand als auch im
Aufsichtsrat zumindest eine Frau vertreten. Von 627 Geschäftsführern
bzw. Vorständen sind nur 33 weiblich (5,3 Prozent): Damit ist gerade
einmal jede zwanzigste GeschäftsführerIn eine Frau. Der Frauenanteil
im Kontroll- und Steuerungsorgan Aufsichtsrat liegt im Jahr 2010 bei
9,7 Prozent - damit entfallen 141 der 1.454 Aufsichtsratsmandate in
den Top 200 Unternehmen auf Frauen.

Allein unter Männern: Nur sechs Prozent Kapitalvertreterinnen im
Aufsichtsrat
Allerdings ist zu beachten, dass von den 141 Aufsichträtinnen mehr
als die Hälfte (79 von 141) vom Betriebsrat delegiert sind. Damit
tragen die Arbeitnehmervertreterinnen maßgeblich zu mehr Diversität
im Aufsichtsrat bei. In den Aufsichtsräten werden 9,7 Prozent der
Mandate von Frauen bekleidet, unter den Kapitalvertretern liegt die
Frauenquote aber überhaupt nur bei sechs Prozent. Der Frauenanteil in
den Reihen der Arbeitnehmervertretung ist mit 18,7 Prozent im
Vergleich dazu mehr als drei Mal so hoch. Dies ist vor allem vor dem
Hintergrund bemerkenswert, dass nur in drei von vier der Top 200
Unternehmen überhaupt eine Betriebsratskörperschaft besteht und dort,
wo es ArbeitnehmervertreterInnen gibt, diese nur maximal ein Drittel
der Mandate besetzen dürfen.

ATX und Prime Market: Frauen in Führungspositionen sind dramatisch
unterrepräsentiert
Nicht zufriedenstellend ist die Lage bei den börsennotierten
Unternehmen des ATX und des Prime Markets. Wo die Frauenanteile mit
4,7 bzw. drei Prozent im Vorstand und 7,8 bzw. sieben Prozent im
Aufsichtsrat klar unter dem Durchschnitt liegen: In den ATX
Unternehmen sind nur vier Frauen an der Geschäftsführung beteiligt,
von den 16 Aufsichtsrätinnen in den ATX Unternehmen zählen auch hier
mehr als die Hälfte zu den Belegschaftsvertreterinnen. In den
folgenden zehn ATX Unternehmen ist weder im Vorstand noch im
Aufsichtsrat eine Frau vertreten: bwin Interactive Entertainment AG,
Flughafen Wien AG, Intercell, Mayr-Melnhof Karton AG, Palfinger AG,
Raiffeisen International Bank-Holding AG, RHI AG, Schoeller Bleckmann
oilfield equipment AG, Voestalpine AG und Zumtobel AG.

AK-Forderungen
+ Einführung einer gesetzliche Frauenquote von 40 Prozent bei der
Besetzung von Aufsichtsräten. Seit der Einführung dieser
Geschlechterquote in Norwegen gibt es bereits deutliche Erfolge. Der
Frauenanteil in Aufsichts- und Verwaltungsräten liegt 2009 bei 42
Prozent. Die legistische Umsetzung einer Frauenquote im Aktien- und
GmbH Gesetz sollte rasch erfolgen. Übergangsfristen zur Umsetzung in
den Unternehmen könnten ca. drei Jahre betragen. Zunächst sollen
börsennotierte Gesellschaften, Unternehmen im öffentlichen Interesse
und Unternehmen, die mehrheitlich der öffentlichen Hand gehören,
erfasst werden, später dann alle großen Kapitalgesellschaften.
Sanktionen bei Nichteinhaltung sollen spürbare Strafen und eine
Eintragung im Firmenbuch sein.
+ Als Sofortmaßnahme fordert die AK wirksame Regelungen im Corporate
Governance Kodex, die auf eine ausgewogene Vertretung beider
Geschlechter im Aufsichtsrat abzielen. Die bestehenden Bestimmungen
sollten umgehend verschärft und an die Standards anderer
EU-Mitgliedstaaten angepasst werden. Die betreffenden Regeln sollten
sofort in "compy or explain" Regeln umgewandelt und in der Folge
spezifiziert werden. Dies bedeutet, dass bei Nichteinhaltung der
Regel eine entsprechende Begründung abgegeben werden muss. Die
derzeitige Unterrepräsentanz von Frauen in der Führung und Kontrolle
von ATX und Prime Market Unternehmen zeigt die Wirkungslosigkeit des
Corporate Governance Kodex mehr als deutlich.
+ Darüber hinaus verlangt die AK eine zertifizierte, an eine
offizielle Stelle angebundene Datenbank mit qualifizierten Frauen,
die für die Tätigkeit im Aufsichtsrat zur Verfügung stehen und
empfohlen werden. Bei der Bestellung von Aufsichtsrätinnen steht den
Unternehmen dann ein umfassender Pool an kompetenten,
hochqualifizierten Frauen zur Verfügung.

SERVICE: Die AK Studie finden Sie auf
http://wien.arbeiterkammer.at

Rückfragehinweis:
AK Wien Kommunikation
Thomas Angerer
Tel.: +43-1 501 65-2578
mailto:[email protected]
http://wien.arbeiterkammer.at

Digitale Pressemappe: http://www.ots.at/pressemappe/26

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