- 04.03.2010, 13:34:42
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Schulärzte: neues Rollenverständnis mit umfassenden Aufgaben (1)
Gesundheitsberatung, Krisenintervention, Sorge um sicheren Schularbeitsplatz
Wien (OTS) - Eine aktuelle Umfrage der Österreichischen
Ärztekammer (ÖÄK) unter Bundesschulärztinnen und -ärzten bestätigt:
Das Berufsbild "Schulärztin/Schularzt" hat sich wesentlich verändert.
Die Ärztinnen und Ärzte werden immer mehr zu Vertretern der
Gesundheitsinteressen der Schülerinnen und Schüler, Eltern und
Lehrer. Sie setzen sich für gesundheitliche Anliegen und folglich für
die Förderung der Leistungsfähigkeit ein sowie für die Sicherheit am
"Arbeitsplatz" Schule. Sie betreuen diese ganzheitlich, d.h. aus
physischer und psychologischer Sicht sowie unabhängig von Alter oder
Geschlecht. Dieses neue Rollenverständnis stellt auf den dramatischen
Gesundheitszustand der Kinder und Jugendlichen hierzulande ab.
ÖÄK-Präsident Walter Dorner fordert in diesem Zusammenhang eine
"Systematisierung und Harmonisierung der Gesundheitsbetreuung von der
Kinderkrippe bis zur Matura". Der Ärztepräsident dazu am Donnerstag
auf einer Pressekonferenz: "Wir müssen das Übel an der Wurzel packen.
Daher: altersgemäße Information zu Ernährung und gesunder Lebensweise
von Kindestagen an. Gesundheit muss zum ausbildungsbegleitenden
Grundsatz werden!" Nur so könne Gesundheit auch im Zentrum der
Lebenspraxis erwachsener Menschen stehen, so Dorner.
Düstere, aktuelle Statistiken zum Gesundheitszustand des vermeintlich
hoffnungsvollen österreichischen Nachwuchses untermauern die Sorgen
und Postulate des Ärztepräsidenten. Bereits jede/r fünfte Schüler/in
ist übergewichtig, Tendenz steigend. Allein in Wien sind 4,5 Prozent
der Jugendlichen adipös (fettleibig). Laut der EU-Gesundheits-Studie
HELENA sind Halbwüchsige hierzulande Spitzenreiter beim Rauchen und
beim Konsum von Alkohol und Süßigkeiten, Schlusslicht hingegen beim
Verzehr von Obst und Gemüse. Die körperliche Fitness liegt deutlich
unter dem Durchschnitt. Die Folgen von zu viel Alkohol, Nikotin und
zu wenig Bewegung: Übergewicht sowie physische und seelische
Krankheiten schon im Kindesalter. "Als Folge dieser Entwicklungen
rollt eine Welle von Volkskrankheiten und damit auch von Kosten auf
das Gesundheitswesen zu. Die Jugendlichen von heute sind die
chronisch Kranken von morgen", so Dorner.
Vertreter der Gesundheitsinteressen
In Österreich sind derzeit rund 2.500 Ärztinnen und Ärzte an 6.500
Schulen tätig. Jedes Jahr untersuchen sie ca. 1,2 Millionen
Schülerinnen und Schüler. Gravierende Versorgungsunterschiede gibt es
zwischen den Bundesschulen (Gymnasien, Berufsbildende höhere
Schulen), den Pflicht- (Volks-, Haupt-, Sonderschulen) und
Berufsschulen.
Die schulärztlichen Tätigkeiten gehen längst über die jährliche
Reihenuntersuchung hinaus und sind im Wesentlichen
präventivmedizinischer Art. Die Inhalte sind breit gefächert und
fordern ein umfassendes medizinisches Allgemein- und psychosoziales
Spezialwissen, das durch entsprechende Aus- und Fortbildung erworben
wird. So müssen Schulärztinnen und -ärzte auch über Kenntnisse aus
Arbeitsmedizin (zum Beispiel Ergonomie der Schulmöbel),
Krisenintervention, psychotherapeutischer Medizin und
Ernährungsmedizin verfügen. Schulärztinnen und -ärzte sind laut den
Umfrageergebnissen die ersten Anlaufstellen für Jugendliche, etwa bei
Ernährung, Vorsorge, sexuellen Problemen oder Suchtmittelmissbrauch.
Sie sind damit Vertreter der Gesundheitsinteressen der Schülerinnen
und Schüler.
"Schulärztinnen und -ärzte treten immer stärker in die
Vermittlerrolle zwischen Lehrern, Eltern und Schülern. Anforderungen
und Arbeitsaufwand sind gestiegen, die dafür zur Verfügung stehende
Behandlungs-, Gesprächs- und Beratungszeit ist allerdings gleich
geblieben", weiß die Schulärztereferentin in der ÖÄK, Gudrun Weber.
Immer stärker wird der Bedarf vor allem an Gesprächen und
Interventionen im psychosozialen Bereich. Durchschnittlich nehmen
Tätigkeiten aus dem psychosozialen Sektor ein Drittel der Arbeit in
Anspruch, wobei dieser Anteil für über 70 Prozent der Schulärztinnen
und -ärzte in den letzten Jahren gestiegen ist. (Forts.)
Rückfragehinweis:
Pressestelle der Österreichischen Ärztekammer
Mag. Martin Stickler
Tel.: (++43-1) 513 18 33 - 14
[email protected]
Digitale Pressemappe: http://www.ots.at/pressemappe/162
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