• 04.03.2010, 10:40:50
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Berlakovich: Wildkatze muss wieder Teil der heimischen Artenvielfalt werden

Gemeinsamer Aktionsplan von NATURSCHUTZBUND, Lebensministerium und Jägerschaft

Wien (OTS) - Das Lebensministerium präsentierte heute, Donnerstag,
im Rahmen der Artenschutzkampagne "vielfaltleben" den Aktionsplan
Wildkatze, der diesem seltenen Tier dazu verhelfen soll, in
Österreich wieder eine Heimat zu finden. Seit den 60er Jahren kommt
die Europäische Wildkatze nur noch vereinzelt aus den Nachbarländern
nach Österreich, hierzulande gilt sie als ausgestorben bzw.
verschollen. "Mit dem Aktionsplan Wildkatze haben wir gezielte
Strategien festgelegt, um die scheue Waldbewohnerin in Österreich
wieder heimisch zu machen. Es ist eine beispielhafte Aktion, bei der
der NATURSCHUTZBUND, das Bundesministerium, die Jägerschaft sowie
zahlreiche weitere Organisationen ganz eng zusammenarbeiten, um
Maßnahmen für die biologische Vielfalt Österreichs umzusetzen. Die
Wildkatze hat ursprünglich zur heimischen Fauna gehört und ist daher
auch eine der 21 Leitarten meiner Kampagne 'vielfaltleben'", erklärte
Umweltminister Niki Berlakovich anlässlich der Pressekonferenz in
Wien.

Etwa 40 Prozent der Fläche Österreichs gelten als geeigneter
Lebensraum für die Wildkatze. "Im 'Aktionsplan Wildkatze' werden
unter der fachlichen Leitung des NATURSCHUTZBUNDes die
Voraussetzungen für die Rückkehr der Wildkatze nach Österreich sowie
die Gefährdungsursachen ausführlich angesprochen. Darüber hinaus
werden Strategien nach ihrer Priorität bewertet. Erste Maßnahmen
wurden bereits gestartet", erklärt Ingrid Hagenstein, Leiterin des
Projekts. Ein besonders wichtiges Kriterium für den Aufbau einer
überlebensfähigen Population ist die Populationsgröße. Ab etwa 100
Tieren können sich Wildkatzen in Österreich langfristig halten. Die
wesentlichsten Regulationsfaktoren dabei sind die Jungensterblichkeit
und die Reproduktionsrate.

Umfangreiche Bestandsaufnahme mit starken PartnerInnen

Aufrufe zu Wildkatzenmeldungen wurden bereits in Fachzeitschriften
der Jäger und Förster publiziert. Die Meldungen werden in der neu
geschaffenen Wildkatzen-Koordinations- und Meldestelle gesammelt und
überprüft. Basierend auf dieser Grundlage werden in absehbarer Zeit
an viel versprechenden Punkten Lockstöcke bzw. Fotofallen aufgestellt
oder es wird mit Hunden nach Wildkatzenkot gesucht. Diese
umfangreiche Bestandserfassung ist nur mit Unterstützung der
Allianzpartner Raiffeisenverband und Jägerschaft (Zentralstelle der
Österreichischen Landesjagdverbände und NÖ Landesjagdverband)
möglich.

Ist die aktuelle Verbreitung der Wildkatze bekannt, gilt es in
weiterer Folge, geeignete Lebensräume zu erhalten sowie die
Gefährdungsursachen zu verringern. "Der Aktionsplan weist die
Verbesserung der Lebensräume und ihre Vernetzung als vordringlichstes
Ziel aus. Wir sind sehr froh über die wichtige Unterstützung der
Jägerschaft", so NATURSCHUTZBUND-Präsident Eberhard Stüber. Auch die
intensive Zusammenarbeit innerhalb der "Plattform Wildkatze",
bestehend aus NATURSCHUTZBUND, Nationalpark Thayatal, Österreichische
Bundesforste, Zentralstelle der Österreichischen Landesjagdverbände,
Tiergarten Wels und Alpenzoo Innsbruck-Tirol ist eine wichtige
Voraussetzung für das Gelingen der Bemühungen.

Besondere Unterstützung erhält die Wildkatze auch vom
Österreichischen Raiffeisenverband. "Wir unterstützen die Wildkatze,
weil sie eine typische heimische Wildart ist, die unsere
Wildtier-Fauna jedenfalls bereichert. Sie hat trotz der Veränderung
ihres Lebensraumes durch den Menschen in bescheidener Zahl überlebt -
sie ist also eine Kämpferin. Damit die Wildkatze in eine
erfreulichere Zukunft blicken kann, sollen die Lebensbedingungen in
ihren Vorkommensgebieten verbessert und abgesichert werden.
Hauptaufgabe wird sein, die aktuellen Verbreitungsgebiete ins
Bewusstsein zu rücken und die potentiellen Lebensräume für die
Wildkatze attraktiv zu machen. Die Jäger bringen sich hier gerne
ein," sagt Christian Konrad, Generalanwalt des Österreichischen
Raiffeisenverbandes und Landesjägermeister von Niederösterreich. "Die
enge Zusammenarbeit mit der Jägerschaft hat sich bereits bei vielen
Artenschutzprojekten des NATURSCHUTZBUNDes bewährt. Bei der Hilfe für
die Wildkatze ist sie besonders wichtig. Deshalb sind wir sehr froh
über die tatkräftige Unterstützung der Österreichischen Jäger,"
bedankt sich NATURSCHUTZBUND-Präsident Eberhard Stüber.

Prominente Patin gibt der scheuen Tierart ihre Stimme

Dancing Star und ORF-Moderatorin Claudia Reiterer stellt ihre
Bekanntheit in den Dienst dieser scheuen, wenig bekannten Tierart und
hat für die Wildkatze die Patenschaft übernommen. Sie will mit ihrer
Popularität das Interesse der Menschen wecken und Bewusstsein
schaffen: "Katzen faszinieren mich: Sie sind selbstbewusst und
unabhängig, aber auch verspielt und sanft. Weil wir Menschen die
wilde Verwandte, die Wildkatze, aus Österreich vertrieben haben,
möchte ich mich für ihre Rückkehr stark machen", so Reiterer.

Gefährdungsursachen für die Wildkatze

Die Wildkatze ist eine typische Waldbewohnerin. Sie lebt als
Einzelgängerin und ernährt sich zum überwiegenden Teil von
Wühlmäusen. Durch die Verfolgung des Menschen aufgrund von
Geschichten und Gerüchten über die "gefährliche" Katze wurde das
scheue Tier an den Rand der Ausrottung gebracht. Derzeit gibt es
einzelne Nachweise der Wildkatze aus dem Nationalpark Thayatal sowie
der Steiermark und dem südlichen Kärnten. Die Europäische Wildkatze
kommt in den österreichischen Nachbarstaaten Deutschland, der
Schweiz, Italien, Slowenien, Ungarn und der Slowakei vor.
Zuwanderungen sind in erster Linie von Deutschland, Slowenien und der
Slowakei aus zu erwarten.

Heute bilden die Zerstörung ihres Lebensraumes, die Verinselung
geeigneter Habitate, die Verluste an Straßen sowie der Fang und
Abschuss bei Verwechslung mit Hauskatzen die größten
Gefährdungsursachen. Auch Krankheiten spielen eine Rolle, denn
Wildkatzen sind sehr anfällig für Krankheiten, die von Hauskatzen
übertragen werden.

Die Artenschutzkampagne Vielfaltleben

Die von Umweltminister Niki Berlakovich ins Leben gerufene
Kampagne vielfaltleben ist die bislang größte Artenschutzkampagne
Österreichs und wird gemeinsam mit NATURSCHUTZBUND, WWF und BirdLife
bis Ende 2010 durchgeführt. Start der Kampagne war im Jänner 2009.
Stellvertretend für alle gefährdeten Tier- und Pflanzenarten wurden
21 Arten ausgewählt, für die jeweils eine prominente Persönlichkeit
die Patenschaft übernommen hat und sich persönlich für den Erhalt der
biologischen Vielfalt einsetzt. Gezielte Schutzprogramme und
effektive Maßnahmen, die die Situation der gefährdeten Tier- und
Pflanzenarten deutlich verbessern, und breite Bewusstseinsbildung
sind die Zielsetzungen der Kampagne. Bislang wurden Österreichweit 24
Schutzprojekte gestartet, die mehr als 100 Arten zugute kommen.

Rückfragehinweis:
Lebensministerium, Pressestelle
Tel.: (+43-1) 71100 DW 6918, DW 6823

Digitale Pressemappe: http://www.ots.at/pressemappe/41

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