• 02.03.2010, 18:30:11
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WirtschaftsBlatt-Leitartikel: Zwangskonvertierung jenseits des Kreuzes - von Hans Weitmayr

Fremdwährungskredite sollten eigentlich unter das Glücksspielgesetz fallen

Wien (OTS) - Nein, sie haben nie und zu keinem Zeitpunkt
"zwangskonvertiert". Weder in der Vergangenheit, noch in der
Gegenwart. Die Rede ist nicht von christlichen Missionaren in Afrika
- nein, es geht um Banker und deren Glaube an den Fremdwährungskredit
(FWK). Dieser ist inzwischen sogar bei den Managern selbst erloschen,
weshalb der Sektor den Plänen der Finanzmarktaufsicht (FMA), künftig
keine FWK auf endfällige Tilgungsgträger zuzulassen, positiv
gegenübersteht. Das gilt auch für die Bank Austria, die gestern eine
Presseinformation mit folgendem Credo aussandte: "Weiterhin keine
Zwangskonvertierungen!"

Amen.

Man kann nur hoffen, dass diese Einstellung in der Branche
tatsächlich ernst genommen wird. In der Vergangenheit war es ja zu
einer Anhäufung von Beschwerden, teilweise inklusive Klage, gekommen.

Denn es ist eine Sache, in Zukunft ein Währungsgeschäft zu verbieten,
bei dem letzten Endes das eigene Heim auf dem Spiel stehen kann.
Etwas ganz anderes ist es, wenn in bestehende Verträge eingegriffen
wird. Abgesehen von diesem Spannungsfeld ist der jüngste - recht
zahnlose - Vorstoß der FMA zu begrüßen. Sowohl die aktuellen
Zinsniveaus als auch die hohe Volatilität haben die Ausgangssituation
für Fremdwährungskredite drastisch verschlechtert. So ergeben sich
auch auf den Währungsmärkten teils massive Kursschwankungen, die
extrem schwer zu prognostizieren sind. In kaum eine Assetklasse
fallen dermaßen viele Variablen wie bei einer Währung an - im
Zweifelsfall die gesamte Bandbreite der Weltwirtschaft. Dazu ist die
Zinslandschaft auch nicht mehr wirklich attraktiv: Ein Prozent in der
Eurozone, dagegen 0,5 Prozent in der Schweiz. Ob ein solcher Spread
das involvierte Wechselkursrisiko ausgleichen kann, insbesondere da
dem Euro zumindest kurzfristig eine Schwächeperiode ins Haus steht,
ist mehr als nur fraglich.

Wie es mittelfristig mit der Einheitswährung aussieht, steht
überhaupt in den Sternen. Sollten sich die schlimmsten Szenarien
bewahrheiten, die in eine scheibchenweise Reduzierung der Eurozone
auf die starken Volkswirtschaften münden, droht dem Euro eine massive
Abwertung, die sich in Form steigender Kreditlasten bei FWK
niederschlagen würde.

Wenn solche strukturelle Unsicherheiten bestehen, ist eine
langfristige Strategie mit hoher Fremdwährungskomponente eigentlich
nur eines: Ein Glücksspiel. Auf einen Spieltisch wiederum gehören
Chips: rund oder eckig, gelb oder rot. Was dort keinen Platz haben
sollte, ist das eigene Heim.

Rückfragehinweis:
Wirtschaftsblatt Verlag AG
Tel.: Tel.: 01/60117 / 300
mailto:[email protected]

Digitale Pressemappe: http://www.ots.at/pressemappe/236

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