OTS0033   2. März 2010, 08:59

Kein Vergessen im digitalen Zeitalter

Kreativschaffende diskutieren Potenziale und Gefahren digitaler Tools und Kommunikation - Vortrag auf www.creativwirtschaft.at online verfügbar


"Nicht mehr wegzudenken sind Internet und
soziale Online-Netzwerke aus der Kreativwirtschaft. 80 Prozent der
Kreativen - Designer, Werber, Musiker oder Filmschaffende - arbeiten
mit neuen Technologien, weil sie einfache Recherchen, effiziente
Datenspeicherung, eine kostengünstige Kommunikation und ständige
Verfügbarkeit von Informationen ermöglichen. Dabei werden mögliche
Nachteile oft ausgeblendet", stellte Gertraud Leimüller, Vorsitzende
der arge creativ wirtschaft austria (cwa) der Wirtschaftskammer
Österreich (WKÖ) fest.

Bei der bis zum letzten Platz ausgebuchten Exchange
Netzwerkveranstaltung der arge creativ wirtschaft austria und Erste
Bank wurden unter dem Titel "DELETE - Kein Vergeben, kein Vergessen
im digitalen Zeitalter?" die Auswirkungen digitaler
Kommunikationstools auf die Wertschöpfung der Kreativwirtschaft
heftig diskutiert.

"Man muss dem Vergessen, dem Löschen von Information im digitalen
Zeitalter eine Chance geben", stellte der gebürtige Österreicher und
Harvard-Professor Mayer-Schönberger fest. Der Key-Note Speaker
forderte technische Mechanismen, die festlegen, wie lange
Informationen aufbewahrt werden, um dem Nutzer die
Entscheidungsgewalt über seine persönlichen Daten zurückzugeben. "Wir
sind auf den gewissenhaften Umgang von Unternehmern und
Geschäftspartnern mit unseren Daten im World Wide Web angewiesen. Wir
können es nicht kontrollieren, daher müssen wir die Technologie
anpassen", so Mayer-Schönberger, der überzeugt ist, dass die meisten
Nutzer keine Ahnung davon haben, wie viel Informationen sie
unfreiwillig preisgeben.

Mayer-Schönberger, ein profunder Kenner der Technologie,
präzisierte seine Vorstellungen: "Das Internet mit seiner dezentralen
Struktur, seinen Zwischenspeichern und Millionen von Netzknoten
erinnert sich grundsätzlich ewig. Außerdem fehlt im Internet die
Zeitachse - Informationen werden aus dem Zusammenhang gerissen, alles
wirkt gleich aktuell." Daher sei ein Verfallsdatum für alle
Informationen so wesentlich. Es würde die Nutzer sensibilisieren,
denn technisch und juristisch hätte das World Wide Web bereits der
Gesellschaft ihre Grenzen aufgezeigt. "Der Internetgemeinde mehr
Verantwortung beizubringen, ist unsere einzige Chance", so
Mayer-Schönberger.

Ähnlich pointiert äußerte sich Markus Wagner, Unternehmer mit
Firmen wie 123people, VeriSign, i5invest und tripwolf. "Das Internet
verführt dazu, die Kontrolle über persönliche Informationen zu
vernachlässigen. Die Nutzer müssen sich bewusst sein, was mit ihren
Daten im Web passiert, denn sie haben die Eigenverantwortung für ihre
Informationen", sagt Wagner, der bemängelt, dass viele Benutzer ihre
persönlichen Datenschutz-Einstellungen nicht kennen.

Wegen des starken Andrangs zur Diskussion wurde die Veranstaltung
online live übertragen. Der gesamte Vortrag kann heute, Dienstag, ab
14:00 Uhr auf www.creativwirtschaft.at abgerufen werden.

Zur Kreativwirtschaft zählen 10 Prozent der österreichischen
Betriebe, das sind rund 33.500 Unternehmen mit circa 112.000
unselbständig Beschäftigten, die jährlich rund 21,3 Milliarden Euro
erwirtschaften. Die Kreativwirtschaft zählt zu den wachstumsstärksten
Wirtschaftsbereichen. Die arge creativ wirtschaft austria (cwa) ist
ein Plattform für Kreativschaffende, die seit 2003 bundesweit die
Interessen der österreichischen Unternehmer der Kreativwirtschaft
wahrnimmt. (AC)

OTS-Originaltext Presseaussendung unter ausschließlicher inhaltlicher Verantwortung des Aussenders.
OTS0033 2010-03-02 08:59 020859 Mär 10 PWK0001 0460



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